Erste Info-Veranstaltung der Bahn in Kirchanschöring

Streckenausbau Mühldorf-Freilassing: Was kommt da auf die Bürger zu?

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Rund 120 interessierte Kirchanschöringer kamen am Mittwochabend zur Info-Veranstaltung der Bahn. Es gab kritische Fragen wegen des Ortsbildes und des Lärmschutzes, aber auch Verständnis für den Ausbau. 
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Kirchanschöring - Eines der größten Projekte der Bahn seit langem wird jetzt zwischen Mühldorf und Freilassing angepackt: der zweigleisige Ausbau. Doch was bedeutet das für Bürger und Anwohner?

"Wir wollen dieses Projekt mit Ihnen gemeinsam umsetzen, aber ein Wunschkonzert wird es nicht", begann Klaus-Peter Zellmer seinen Vortrag am Mittwochabend im Kirchanschöringer Salitersaal. Zellmer ist Projektleiter der DB Netz AG und zuständig für den zweigleisigen Ausbau zwischen Mühldorf und Freilassing. Nach jahrelangem Ringen kam im Herbst endlich grünes Licht von der Politik - jetzt gilt es, den Ausbau auch den Bürgern entlang der Strecke schmackhaft zu machen.

Deutlich mehr Güter- und Personenverkehr über ABS38

Das ambitionierte Ziel ist es, den Ausbau bis 2030 verwirklicht zu haben. Die Strecke von Mühldorf nach Freilassing ist für die Zukunft der Bahn in Deutschland zentral: Hier wird der Hauptverkehr von München nach Salzburg fließen, einschließlich österreichischer Railjets, und nicht mehr über Rosenheim. "Ausbaustrecke 38" (ABS38) heißt das Projekt im Jargon der Bahn. 

Hier soll künftig der meiste Schienenverkehr zwischen München und Salzburg abgewickelt werden und nicht mehr über Rosenheim. In der Überlegung sind auch neue Haltestellen bei Surheim und Freilassing-Nord.

Seit im Dezember zwischen Mühldorf und Salzburg der Stundentakt eingeführt wurde, herrscht schon wesentlich mehr Betrieb auf der Strecke als zuvor. Durch den zweigleisigen Ausbau werden es dann vor allem mehr Güterzüge: "Die Achslast der Strecke wird dann von aktuell 20 Tonnen auf 22,5 Tonnen erhöht", so Zellmer in Kirchanschöring. Momentan sind es nur etwa drei Güterzüge täglich auf der Strecke. Wie viele es später genau werden, kann noch niemand sagen. Für bis zu 160 km/h wird die Strecke freigegeben

Anwohner profitieren von schnelleren Verbindungen

"Für Sie als Anwohner wird das Ganze aber auch viele Vorteile bringen", so der DB-Projektleiter: Erstmals wird ein Lärmschutz für die Anwohner gebaut und durch die Elektrifizierung werden auch die alten Dieselloks verschwinden. Die Bahnübergänge werden verbessert und modernisiert und nicht zuletzt verkürzen sich die Reisezeiten nach Salzburg, München oder zum Münchner Flughafen

"Entscheidender Faktor ist für uns das Ortsbild", so Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner (rechts, neben DB-Projektleiter Klaus-Peter Zellmer).

Projektleiter Zellmer ist offen: "Ich rechne jetzt schon damit, dass sich viele über die 'häßlichen, hohen Lärmschutzwände' beschweren werden" - aber die Bahn ist zum Schallschutz verpflichtet. Bis zu sechs Meter hoch könnten die Wände theoretisch werden, aber Lärmschutz sei heutzutage auch an den Bremsen der Güterwaggons oder an den Gleisen mittels Stegdämpfern möglich.

Wie wird sich Kirchanschöring verändern?

"Könnte die Bahnstrecke im Ort nicht einfach auf Stelzen gelegt werden?", wurde zum Beispiel aus dem Publikum gefragt, denn in Kirchanschöring liegen die Schienen direkt am Ortskern. "Der Bund macht für verschiedene Varianten - Überführungen, Kreuzungen, Unterführungen - jeweils Kosten-Nutzen-Rechnungen und das Wirtschaftlichste wird dann gebaut", so Projektleiter Klaus-Peter Zellmer. Stelzen wird es also wohl kaum geben. Wie man mit dem Bahnübergang in Kirchanschöring umgeht, ist noch nicht klar

Die Info-Seite der Bahn zum zweigleisigen Ausbau Mühldorf-Freilassing

Die Bahn steht momentan noch am Anfang dieses Großprojekts, in den Varianten- und Schalluntersuchungen. In allen Anrainerorten sollen die Pläne dann ausgestellt, visualisiert und diskutiert werden. Mit einer Entwurfsplanung rechnet man für das Jahr 2021, mit dem Planfeststellungsverfahren 2022 - erst danach könnte auch gegen den Ausbau geklagt werden. "Wann mit dem Bau begonnen wird, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Fest steht aber, dass Klagen das ganze deutlich verzögern würden", so Zellmer.

xe

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