Drei Damen wurden insgesamt 303 Jahre alt

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V. l. Hans Feil, Bürgermeister von Laufen, Elfriede Stahl 102 Jahre, Regina Töpper, 101 Jahre und Jörg Laube, Leiter des AWO Seniorenzentrums Laufen, stellen sich den Fotografen.

Laufen - Was für Jubiläum im AWO Seniorenzentrum: Drei Bewohnerinnen feiern ihren 100., 101. und 102. Geburtstag! Die beiden Ältesten haben Spannendes aus ihrem Leben zu berichten.

Im AWO Seniorenzentrum Laufen wurden in diesem Monat drei Bewohnerinnen zusammen 303 Jahre alt. Elfriede Stahl wurde 102, Regina Töpper 101 und eine weitere Dame, die nicht genannt werden möchte, 100 Jahre alt. Mehr als genug Anlass, dies mit einer gemeinsamen Feier entsprechend zu würdigen. Bürgermeister Hans Feil, der im Seniorenzentrum alle Jubilare an ihren runden Ehrentagen treu besucht, erinnerte in seiner Rede an das, was die Jubilare in den vergangenen 100 Jahren so alles miterlebt haben. Die Feier wurde von den Laufener Flötenkindern unter der Leitung von Elfi Bleibinger festlich umrahmt.

Jörg Laube, Leiter des AWO Seniorenzentrums, hat sich mit den beiden ältesten Bewohnerinnen der Einrichtung unterhalten und dabei Erstaunliches zu hören bekommen:

Elfriede Stahl, geb. Putzke, wurde am 5. November 1911 in Stargard in Pommern als Tochter eines Eisenbahners geboren. Mit drei Geschwistern wuchs sie dort auf und besuchte des Lyzeum (Gymnasium für Mädchen). Vom zehnten bis zum fünfzehnten Lebensjahr war sie Leistungsschwimmerin im 1. Stargarder Schwimmverein, qualifizierte sich bei vielen Meisterschaften und wurde – gerade mal 15 Jahre alt – Europameisterin in der Bruststaffel – zufälligerweise in ihrer Geburtsstadt Stargard. „Der Wettkampf ist damals mangels Schwimmbecken noch in einem Fluss ausgetragen worden. An den olympischen Spielen 1936 in Berlin hätte ich gerne teilgenommen – aber dafür war ich damals bereits zu alt.“ fügt die Jubilarin mit einem Schmunzeln hinzu.

Elfriede Stahl lernte Frisörin und hat diesen Beruf viele Jahre ihres Lebens mit großer Freude ausgeübt – allerdings nicht in einem Salon wie heute üblich. Ihre Kunden kamen zu ihr nach Hause und wurden in der Wohnung frisiert. Ihren Jugendfreund Hans-Heinz, Maschinenbauingenieur, ebenso aus Stargard, heiratete sie dort 1932. Nach der Hochzeit sind sie gleich nach Brenzlau in die Uckermark gezogen. Die Jubilarin, die gerne klassische Musik hört, hat eine Tochter und zwei Zwillingssöhne, von denen bereits einer verstorben ist. Da sie neben ihrem Beruf in erster Linie Mutter, Ehefrau und Hausfrau war, denn ein gutes Familienleben war ihr das Wichtigste, blieb für Hobbies kaum Zeit. Später zog die Familie Stahl nach Berlin und lebt seit rund zehn Jahren in Bayern, Elfriede Stahl zunächst in Chieming am Chiemsee und danach in Laufen. Seit Januar 2008 verbringt die dankbare Seniorin mit den stahlblauen Augen ihre letzten Jahre im AWO Seniorenzentrum Laufen.

Regina Töpper (geb. Schulze) wurde am 20. November 1912 als erste Tochter des Gastwirtsehepaars Regina und Gustav Schulze in Brüx im Sudetenland geboren. Sie hatte eine Schwester und einen Bruder, der jedoch schon im Kleinkindalter verstarb. Ihre Jugend verbrachte sie im Hotel der Eltern. Sie besuchte die Volkschule und anschließend die Bürgerschule (Realschule) und begab sich dann nach Prag für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. „Damals war es noch selbstverständlich, dass man in den elterlichen Betrieb einstieg“ erinnert sich die stets frohe und lustige Jubilarin. Sie blieb dort bis zu ihrer Heirat im Jahr 1940. „Nach zweimonatiger Ehe musste mein Mann zum Militär und so war ich mit den Angestellten alleine im Geschäft. Im Juni 1942 kam unsere Tochter Christa zur Welt, da bekam mein Mann 14 Tage Heimaturlaub. Anschließend musste er erneut einrücken und ich war wieder alleine im Geschäft; meine Tochter in der Obhut von zwei Kindermädchen.

Bis zum Jahr 1944 ging alles gut, es gab noch keine Bombenangriffe, aber am 8. Mai 1945 – am Tag des Kriegsendes – marschierten die Russen in Brüx ein. Die „Deutschen“ wurden in ein Lager gesperrt und währenddessen räumten sie unsere Wohnung und das Geschäft aus. Beides wurde dann im Juni 1945 von einem Tschechen übernommen. Mein Mann war schon im Oktober 1944 von den Amerikanern in Aachen gefangen genommen worden.“ erzählt die 101-jährige. Am 15.12.1945 floh Regina Töpper über Freistadt, Linz nach Salzburg und weiter nach Bürmoos wo sie am 21.12.1945 eintraf. „Im Juni 1947 traf ich meinen Mann wieder, der in der Zwischenzeit vom Militär entlassen war. Treffpunkt Purtschellerhaus am Hohen Göll. Mein Mann stieg von der Berchtesgadener Seite und ich mit der fünfjährigen Tochter von Kuchl aus auf. Erst im Juli konnte mein Mann nach Bürmoos kommen und die Familie war endlich wieder vereint. In Bürmoos wohnte Familie Töpper zehn Jahre und zog dann nach Ziegelhaiden, wo die Jubilarin eine Anstellung als Hausdame bei Firma Hering bis 1968 hatte. Im gleichen Jahr bin ich mit meinem Mann nach Laufen übersiedelt. Ihre Tochter heiratete 1963 und bekam zwei Töchter. Ihr Mann wurde sehr krank und starb 1969 schon mit 62 Jahren. Seit dieser Zeit lebte sie bei der Tochter und dem Schwiegersohn. Im November 2012 – gerade 100 Jahre alt geworden – fühlte sie sich alt genug, um in das Pflegeheim der der AWO in Laufen zu ziehen. Dort spielt sie jeden Tag mit Ihrer Tochter oder der Enkelin Tridom.

Dreistellige Geburtstage zu erleben ist heute schon keine Seltenheit mehr. Dennoch ist mit 115 Jahren bisher das Maximalalter erreicht, was gerontologisch bewiesen bis heute nur von einer noch lebenden Japanerin errungen wurde. Mehrere Japanerinnen und Amerikanerinnen sind derzeit 113 und 114 Jahre alt. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse lassen aber vermuten, dass ein heute in Europa, Japan oder den USA geborener Mensch zu 50 % eine Lebenserwartung von 100 Jahren hat.

Das Seniorenzentrum Laufen gehört zur Arbeiterwohlfahrt Bezirk Oberbayern e. V., die 22 Altenpflegeheime und Seniorenwohnparks betreibt.

Pressemeldung AWO Seniorenzentrum Laufen

Quelle: BGland24.de

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