"Salzach-Auen-Park" soll entstehen

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Im südöstlichen Vorfeld Laufens, wo der Stadtbach in die Salzach mündet, bietet sich die Gestaltung eines Biosphären-Auenparkes an. Zusätzlich ließen sich Anblick und Ausblick auf Stadt und Fluß verbessern.

Laufen - Ein Biosphären-Salzachauen-Park? Die Agenda21 brachte die Idee ein, das Interesse des Bürgermeisters war geweckt. Nun will man die Diskussion mit der Öffentlichkeit.

Wie können Mensch und Natur beispielhaft gut zusammenleben? Diese Frage stellt sich die UNO-Weltgemeinschaft und ihr UNESCO-Organ und wählte deshalb weltweit im globalen Verbund 564 international repräsentative Modellregionen aus. In ihnen soll das Agenda-21-Prinzip der Nachhaltigkeit, die ausgewogene Balance zwischen Ökologie-Ökonomie-Sozialkultur konkrete Formen annehmen. In Deutschland gibt es 15 UNESCO-Biosphärenreservate als Lernorte für nachhaltige Entwicklung. Sie umfassen ohne die Meeresflächen nur drei Prozent der Gesamtfläche Deutschlands. So werden die wichtigsten deutschen Landschaftstypen durch sie repräsentiert.

Dass das Berchtesgadener Land mit diesem Status ausgezeichnet wurde, bedeutet nicht nur Rang und Ehre, sondern auch eine enorme Chance. In Zeiten, da es um die Lebensqualität weltweit nicht zum Besten bestellt ist, gewinnen Biosphärenreservate eine besondere Attraktion, auch entlang der Salzach und ihren Auen. Eine lohnende Aufgabe ist es, diese zu nützen.

Den Ball, den die UNESCO Laufen zuwarf, hat die Agenda-21 Gruppe aufgefangen und ihn jetzt – verbunden mit Realisierungsvorschlägen - offiziell an die Stadt Laufen weitergegeben. Vorausgegangen waren Besprechungen und Ortstermine mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes und der Unteren Naturschutzbehörde, die Interesse und grundsätzliche Zustimmung für das Vorhaben erkennen ließen. Es geht dabei um Vorschläge, das Biosphären-Reservat in Laufen über einen Salzachauenpark lebendig werden zu lassen: Das Besondere an Laufens Kulturlandschaft entlang der Salzach sei im Nachfolgenden vorgestellt:

Die Laufener Salzachschleife ist das erlebnisträchtige Nordstück der Salzachbecken-Landschaft. Hier bietet sich im engen Verbund mit dem historisch-städtebaulichen Erbe die Chance dem Biosphärenreservats-Bereich „Flussaue“ eine unverwechselbare, ja einzigartige Gestalt zu verleihen und mit einer entsprechenden Nutzung zu verbinden. Ein langes, naturnahes und bewaldetes Band von Flußauen beiderseits der Salzach endet am südöstlichen Stadtrand von Laufen im Mündungs-Dreieck von Salzach und Stadtbach (auch Fischer-Huber-Bach genannt). Hier im Vorfeld der Stadthalle und der historischen Vorstadtsiedlung Obslaufen geht es über in städtisches Wiesengrün.

Über Jahrhunderte war dieses Auenstück stark vom Fluß geprägt. Die Salzach führte ihr Prallufer bis an die städtische Bebauung heran. Dies ist sowohl an der Geländestufe wie auch an der mächtigen Stützmauer ersichtlich, die um 1800 der letzte Salzburger Landesherr Fürsterzbischof Hieronymus Coloredo zur Sicherung des Laufener Schlosses errichten ließ. Es galt dem natürlichen Bestreben der Salzach, die schmale Halbinsel abzuschneiden, zu wehren. Durch die Flussregulierung im 19. Jahrhundert wurde der Stromstrich circa 30 Meter nach Osten verlegt um die Gefahr einer Unterspülung der Stützmauer an Schloss und Stiftskirche zu verhindern. Der Stadtbach, der in seiner Verlängerung als Mühlbach um die Halbinsel herumgeführt wurde - dort auch die Stiftsmühle betrieb – wurde später verkürzt und auf der Höhe des Stadtschlosses in die Salzach eingeführt. Das freigewordene Mühlbachgerinne dient verfüllt heute als etwas holperiger Wanderweg, der flußseitig um die Altstadt herumführt.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert wurde die Salzach begradigt und der locker bestockte und beweidete Auwald in Kleinparzellen aufgeteilt. Im weiteren Verlauf wurde die Au als erlenreicher Mittelwald mit Futter- und Streu-Nutzung bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Anspruch genommen und parkartig verlichtet.

Während der tragischen Phase des II. Weltkrieges diente das stadtnahe Auengelände als Sport- und Regenerationsfläche für internierte Bewohner der Insel Jersey und englische Kriegsgefangene. Nach 1945 war es längere Jahre als Spielplatz und Kleingartenanlage genutzt. Schließlich wurde der Auenzwickel der natürlichen Vegetations-Entwicklung überlassen. Auf Grund dieser langen und breiten Nutzungsgeschichte ergeben sich folgende Gestaltungsvorschläge:

  • Parkartige Auflichtung mit Freistellung besonderer Baumgruppen und Einzelbäumen, zum Beispiel der seltenen Schwarzpappeln. Dadurch werden die für die Salzachauen charakteristischen Frühjahrsblüher wie Josefiblümchen Schneeglöckchen, Frühlingsknotenblume und so weiter gefördert. Der Lebensraum dieser Pflanzen wird aufgrund der nicht mehr ausgeübten bäuerlichen Futter- und Streugewinnung und der zunehmenden Verdichtung des Unterholzes gemindert. Hochstauden verdrängen den Rest. Die Auflichtung sollte vom Salzach-Stadtbach-Mündungsspitz etwa 200 Meter nach Süden erfolgen bis zum Beginn der gegenwärtigen Flußbettaufweitung auf Höhe der jenseitigen Oichtenmündung.
  • Zurückdrängung der aggressiven Staudenhorste aus Sachalin-Knöterich, Indischem Springkraut, Kanadischer Goldrute usw. beiderseits des Stadtbaches, vor allem gegen den Schrägpass-Fußweg unterhalt der Stadthalle hin.
  • Stad tbildgestaltung durch Schaffung von Sichtachsen für eine bessere Blickbeziehung zwischen Laufen – Oberndorf und der Salzach. Die Sicherung und Pflege charakteristischer Landschaftsbilder ist oft übersehener Gegenstand des Bayerischen Naturschutzgesetzes. Laufens südliches Stadtbild soll sich zum Süden hin öffnen.
  • Geländeabsenkung im Bereich der Stadtbachmündung und des aufgespülten Uferwulstes entlang der Salzach. Sie sollte den Zugang zu diesem durch Sandauflandung stark eingetieftem Gewässer verbessern und die Hochwasserflut, die neuerdings durch die starke Uferauflandung zerstörerisch auf den Stadtrundweg gedrückt wird, flußseitig ableiten.
  • Errichtung eines Salzach-Informationsstützpunktes in Gestalt eines Pavillons mit Informationsmaterial auf dem Kronenbereich der Au-seitigen Stützmauer zwischen Schloß und Stadthalle. Geeignete Info-Materialien schaffen hier eine gute Auskunftsmöglichkeit über die Artenvielfalt der Auenlandschaft, die Auwaldökologie und Gewässerbiologie und die laufende Flussrenaturierung, pädagogisch-aktionales Lehr- und Spielgerät kann zu tätigem Lernen anregen.
  • Stadttouristische und schulische Aktivitäten können mit der Attraktivität dieses Laufener Salzach-Auenparks gut zusammengebracht werden und beispielgebend für eine gelungene Verbindung von hochwertiger Landschaftsausstattung und „maßgeschneiderter“ touristischer Stadt- und Naturerlebnis-Nutzung sein. Nach innen gerichtet bietet das schulnah gelegene Gelände die Möglichkeit direkten naturbezogenen Lernens für unterschiedliche Schulsparten beiderseits der Salzach an. 
  • Anbahn en einer Fluß-Kunstmeile im Auwiesenbereich der Flußschleife. Während der südliche Teil des Auwaldparkes im Zusammenfluß zwischen Salzach und Stadtbach bei aller Umgestaltung noch deutliche Züge der natürlichen Aue trägt, könnte im daran anschließenden nördlichen Teil eine stärker künstlerisch geprägte Parkgestaltung realisiert werden. Dieses grüne Stadtvorfeld der Umlaufschleife ist durch das kulturlandschaftliche Zusammenspiel zwischen der großartigen Altstadt-Kulisse, der außergewöhnlichen Jugendstil-Brücke, dem geologisch reichhaltigen Uferschotterfeld und der eleganten Steganlage geprägt. Gerahmt wird dieses Ensemble durch die jenseitige Dammanlage mit beeindruckendem Hochufer und barocker Kalvarienbergtreppe.

Bei allen Maßnahmen ist zu bedenken, dass das vorgenannte Auengelände im Besitz des Freistaates Bayern (Wasserwirtschaft) ist und periodisch wiederkehrend überschwemmt wird, was spezielle Anpassung erforderlich macht und trotzdem lohnende Handlungsspielräume erlaubt.

Die Vorschläge der Laufener Agenda-21 sind nach Ansicht von Bürgermeister Hans Feil als Anregung zu einer öffentlichen Diskussion zu verstehen und können jederzeit variiert beziehungsweise ergänzt werden. Dirk Reichenau von der Stadt begleitet diesen Prozess. Dies war das Ergebnis einer Besprechung zu der er neben den Vertretern der Agenda-21 Gruppe Agnes Thanbichler und Josef Heringer, die Herren Rolf Gerlach (Biosphärenverwaltung BGL und Stefan Neiber (LEADER-Management BGL) geladen hatte. Letztere zeigten sich dem Auenpark-Vorhaben sehr gewogen, unter der Voraussetzung, dass die Stadt Laufen die Trägerschaft zu übernehmen bereit ist. Sie stellten sowohl verfahrensmäßige Hilfe wie beträchtliche finanzielle Förderung in Aussicht.

Presseinformation Stadt Laufen

Quelle: BGland24.de

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