Ehemalige Betreiberin jetzt verurteilt

„Es war erschreckend“: Zwangsarbeit in Freilassinger Nagelstudio - Opfer erst 14 Jahre alt

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Die Betreiberin eines ehemaligen Freilassinger Nagelstudios wurde wegen Zwangsarbeit zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Freilassing/Laufen - Die Betreiberin eines ehemaligen Nagelstudios wurde nun wegen Zwangsarbeit verurteilt - eines der Opfer war gerade mal 14 Jahre alt und musste auch am Arbeitsplatz schlafen.

Bei einer Kontrolle des Finanzamtes Ende Januar fiel es zum ersten Mal auf: Zwei der Angestellten eines Freilassinger Nagelstudios sahen auffällig jung aus. Als am 14. Februar dann die Polizei vorbeikam bestätigte sich der Verdacht. Einer der beiden Burschen war gerade mal 14 Jahre alt, der andere 19. Die Betreiberin, eine vietnamesische Staatsangehörige, wurde wegen Zwangsarbeit am Dienstag, 15. Dezember, vor dem Amtsgericht in Laufen verurteilt. Sie bekam eine Bewährungsstrafe in Höhe von neun Monaten.

Zwangsarbeit in Freilassinger Nagelstudio - Urteil am Amtsgericht

Es war erschreckend“, berichtete der Ermittler vom Hauptzollamt als Zeuge vor Gericht. Weil die Frau geständig war brauchten die beiden Opfer - ebenfalls Vietnamesen - nicht aussagen. Angestellt waren sie als Putzkräfte. „Unter Drohungen mussten die zwei auch in dem Nagelstudio schlafen“, so der Ermittler - für einen der beiden stellte die Angeklagte sogar nur zusammengerückte Stühle als „Bett“ zur Verfügung. Essen bekamen sie von der Nagelstudio-Betreiberin.

Laut Staatsanwaltschaft mussten die beiden Burschen täglich elf Stunden arbeiten - arbeitsfrei war nur der Sonntag. Der Spuk ging glücklicherweise nur über wenige Wochen. „Die Zwei hatten weder Ausweise noch Gepäck, nur eine Tüte mit Klamotten“, berichtete der Ermittler. Unter Tränen habe ihm der 19-Jährige von seiner Fahrt von Vietnam nach München erzählt - in einem Lastwagen durch Russland. 22.000 US-Dollar habe er für die Schleusung bezahlt. In München wurde dem jungen Mann der Kontakt nach Freilassing vermittelt.

Nagelstudio inzwischen geschlossen

Die Vietnamesin lebt bereits seit 1993 in Deutschland. Ihr Nagelstudio in Freilassing hat sie im Laufe des Jahres geschlossen, sie wohnt auch nicht mehr in der Stadt. Sie selbst wollte sich vor Gericht nicht äußern. „Leute, die in Bedrängnis waren, wurden ausgenutzt“, erkannte auch ihr Anwalt Jürgen Pirkenseer. „Aber ich glaube, sie hatte auch keine Ahnung, wie man überhaupt ein Geschäft führt. Sie war ein kleines Rädchen.“ Auch Richter Christopher Lang vermutete eine Organisationsstruktur hinter dem Treiben.

Verurteilt wurde die Frau nicht nur wegen Zwangsarbeit, sondern auch wegen Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt. Denn die beiden Burschen waren selbstverständlich nicht der Sozialversicherung gemeldet und erhielten nur ein Entgelt von 800 Euro - deutlich unter Mindestlohn.

xe

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