Opfer berichten wie sie "verflucht" wurden

"Es war wie Hypnose": Urteil gegen "Wahrsagerin" in Laufen

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Laufen/Bad Reichenhall - Sie sprach Frauen an, sagte ihnen eine schlimme Zukunft voraus und wollte Geld, um den "Fluch" wieder von ihnen zu nehmen: Eine 37-Jährige wurde deswegen jetzt verurteilt.

"Die hatte es wirklich drauf. Sie sagte, ich werde krank, ohne Mann und Kinder. Es war, als hätte sie mich unter Hypnose gesetzt." Die beiden Frauen, die am 3. August 2017 Opfer der Betrugsmasche der Angeklagten wurden, saßen auch am Mittwoch noch immer kopfschüttelnd vor dem Laufener Amtsgericht. Mitten in Bad Reichenhall wurden sie damals von einer "Wahrsagerin" angesprochen und betrogen - die 37-Jährige aus Wien wurde wegen Betrugs nun zu einer Geldstrafe in Höhe von 3150 Euro verurteilt. 

Mit Wurzel, Zucker und ausgerissenen Haaren vom "Fluch befreit"

Wie ging die "Wahrsagerin" vor? Die beiden geschädigten Frauen, eine 32-jährige frühere Pidingerin und eine 35-jährige Reichenhallerin, wurden auf der Straße in Gespräche verwickelt, die bis zu zwei Stunden dauerten. "Sie meinte zu mir, ich hätte so eine leuchtende Aura", so eine der Frauen - doch dann kamen die vermeintlichen Horror-Meldungen aus der Zukunft: Ein Autounfall, ein Leben im Rollstuhl, eine Erkrankung, eine gebrochene Beziehung oder ein früher Tod wurde den Frauen prophezeit. Der Fluch solle "drei mal neun Jahre" anhalten.

"Ich hatte dann richtige Panik. Die Frau meinte, ich müsse ihr diese besondere Lourdes-Wurzel abkaufen, um den Fluch wieder loszuwerden", so eines der Opfer. Der 32-Jährigen wurden 1200 Euro abgeknöpft, der 35-Jährigen 800 Euro. Die Angeklagte begleitete ihre Opfer bis zur Bank. Nach der Zahlung wurden die Frauen vom "Fluch" wieder "befreit": Sie verrieb Teile der Lourdes-Wurzel mit Zucker, Sonnenblumenkernen und vier ausgerissenen Haaren der Opfer und sprach dazu ein Gebet.

Opfer: "Ich bin nicht naiv, aber sie wirkte so echt"

Die angeklagte Wienerin war vor Gericht voll geständig, bereute die Taten und zahlte den Opfern vor den Augen von Richter Thomas Hippler das Geld zurück: "Sonst hätten wir eine Haftstrafe ohne Bewährung verhängt", so Hippler - denn die Angeklagte ist einschlägig vorbestraft. Wegen Betrugs wurde sie schon zwei Mal in München und einmal in Stuttgart verurteilt. Der Richter sprach von einer "uralten Betrugsmasche, die schon im Mittelalter praktiziert wurde".

"Beide Opfer waren sehr leichtgläubig", musste Hippler aber auch feststellen. Die beiden erklärten selbst vor Gericht, einen leichten Hang für Religion und Esoterik zu haben. "Ich bin sonst nicht naiv, aber sie wirkte so echt", sagte die frühere Pidingerin und die Bad Reichenhallerin wollte zuerst "auf den Blödsinn gar nicht eingehen" - und trotzdem hatte die "Wahrsagerin" Erfolg. Die Reichenhallerin schämte sich im Nachhinein so sehr, dass sie im ersten Moment auf eine Anzeige verzichten wollte. Als ihr der Anwalt die 800 Euro zurückgibt, sagt sie leise: "Ich habe nicht mal Freude an diesem Geld."

xe

Quelle: BGland24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa Sebastian Kahnert

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