Soldat in Bad Reichenhall stationiert

„Bergmarsch nicht so mein Ding“: Gebirgsjäger wegen Fahnenflucht verurteilt

Laufen/Bad Reichenhall – Keine große Motivation und Heimweh: Ein Soldat fälschte Atteste, um nicht zum Dienst in Bad Reichenhall erscheinen zu müssen. Der 25-Jährige wurde nun verurteilt.  

Wegen Urkundenfälschung und Fahnenflucht wurde ein 25-jähriger Soldat aus Hameln am Mittwoch, den 29. Juli, vor dem Amtsgericht in Laufen schuldig gesprochen. Das Urteil: Acht Monate Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt sind, und eine Geldstrafe in Höhe von 2.000 Euro.


Gebirgsjäger aus Bad Reichenhall wegen Fahnenflucht vor Gericht

Der Soldat, der sich für vier Jahre verpflichtet hatte, wurde vom Stützpunkt Minden nach Bad Reichenhall strafversetzt. Nach seinem Dienstantritt am 1. Juli 2019 erschien der Hauptgefreite nur noch an acht Tagen an seinem neuen Stützpunkt. Bis zum 11. November 2019 fehlte der 25-Jährige zwei Mal unentschuldigt, aufgrund von Urlaub oder er war krank geschrieben. Dabei hat er ein Attest zwei Mal abgeändert und eingereicht. Anschließend erschien der Soldat gar nicht mehr – ohne Abmeldung oder Krankenschein.


Der Angeklagte zeigte sich geständig und gab „private Probleme“ für sein Fehlen an. „Ich wurde strafversetzt und habe mich dort nicht wohl gefühlt. Es war zu weit weg von zu Hause. Ich wollte da ja nicht hin“, so der Soldat, der in Hameln gemeldet ist, über seine Gründe, die Atteste zu fälschen. Dementsprechend sei seine Motivation nicht so groß gewesen, zumal die Aufgaben eines Gebirgsjägers nicht sein Traumberuf sind: „Bergmarsch ist nicht so mein Ding.“ Zudem habe er einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt.

Kein Einzelfall

Ein Oberleutnant, der als Zeuge vor Gericht aussagte und für die Bundeswehr für den Fall zuständig war, sah den Angeklagten beim Prozess zum ersten Mal. „Ich habe gefühlt 500 Mal bei ihm angerufen, doch er war nicht erreichbar“, so der Zeuge. Leider würden sich solche Fälle in letzter Zeit häufen. Daher sei es ihm ein nachhaltiges Anliegen, dass diejenigen auch eine Strafe erhalten. Der Richter beurteilte auch, ob sich so ein Verhalten schlecht auf die Disziplin einer Truppe auswirke: „Berufssoldaten sollten sich davon nicht beeindrucken lassen“, begründete er die geringere Strafe. Die Staatsanwaltschaft hatte auf zehn Monate und 5.000 Euro Geldstrafe plädiert. Die Verteidigung dagegen hätte eine Strafe von sechs Monaten und 1.000 Euro als angemessen erachtet, da die Täuschung bereits früher auffallen hätte müssen. Zudem beruhe die Gesetzesgrundlage aus der Nachkriegszeit.

Der Angeklagte wurde am 18. Mai 2020 festgenommen. Die Untersuchungshaft wurde allerdings ausgesetzt, unter der Bedingung, dass der Soldat zum Dienst nach Bad Reichenhall erscheint. In der Zeit vom November bis zur Entlassung wurde dem Angeklagten auch der Sold entzogen. Zusätzlich gab es eine Disziplinarstrafe gegen den Hauptgefreiten - eine Geldstrafe in Höhe von 2.350 Euro, die sich auch auf das Urteil ausgewirkt hat. Inzwischen hat der 25-Jährige einem Entlassungsantrag der Bundeswehr zugestimmt und hofft darauf, ab September eine Malerausbildung starten zu können.

jz

Rubriklistenbild: © Uwe Zucchi (dpa)

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