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Aus dem Jugendgericht Laufen

„Rassistisches Getuschel“ am Rande einer Schulfeier?

Richter Symbolbild
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„Rassistisches Getuschel“ am Rande einer Schulfeier? (Symbolbild)

Das Ziehen an den Haaren räumte die 21-jährige dunkelhäutige deutsche Sportlerin ein, nicht aber die angeklagte Beleidigung und den Faustschlag gegen den Kopf einer 15-jährigen Schülerin.

Laufen - Nachdem die junge Zeugin das mitternächtliche Geschehen bei einer Hütte in Oberau sehr glaubhaft geschildert hatte, machten die dunkelhäutige Angeklagte und ihr Verteidiger einen Rückzieher und beschränkten ihren Einspruch auf die Tagessatzhöhe. Die Strafe am Laufener Jugendgericht: 400 Euro. 

Zeugin vor Ort

Ausgang des Geschehens war offenbar die Eingangstüre dieser Partyhütte. Die Ramsauer Schülerin stand innen, die angeklagte Sportlerin draußen. Die dunkelhäutige 21-Jährige räumte ein, die Tür zweimal aufgestoßen zu haben, während die 15-Jährige berichtete, sie habe die Türe von innen schließen wollen. Dass sie ihrer ebenfalls anwesenden Schwester den Vorfall mit den Worten „die da hinter mir war’s“ geschildert hatte, war möglicherweise falsch interpretiert worden.

Oder auch nicht. Die Angeklagte berichtete, dass über ihre Hautfarbe gesprochen und sie beleidigt worden sei. „Ich mache das so oft mit“, klagte die 21-Jährige, „sie haben die ganze Zeit über mich gesprochen, doch solche Beleidigungen habe ich noch nicht erlebt.“ Was gesagt worden sein soll, daran konnte sich die Sportlerin allerdings nicht erinnern. Nach einem kurzen Wortgefecht „was ist dein Problem?“ und „was ist deins?“ hatte die Angeklagte die Schülerin an den Haaren gezogen, so dass die in die Knie ging. Allein das räumte die Sportlerin ein. 

Respektlose Beleidigung

Die Schülerin berichtete hingegen von einer Beleidigung als „rassistische Fotze“, von einem „Reißen“ an den Haaren, von einem Faustschlag gegen den Kopf und von „schlimmen Kopfschmerzen“, weshalb sie einen Arzt aufgesucht habe. „Ich krieg heute noch Schwindel, wenn ich mich drehe.“ Von Beleidigungen oder abfälligen Bemerkungen über die Hautfarbe der Angeklagten will die junge Ramsauerin nichts mitbekommen haben. Was Rechtsreferendar Maximilian Kasper zu der Frage an die Angeklagte brachte: „War es vielleicht nur ein Gefühl? War das Haarereißen eine Bestrafung für das Getuschel?“ Die Angeklagte dazu: „Sie war die Person, die sich am auffälligsten verhalten hat.“ 

Richter Christopher Lang richtete einen „Gratis-Tipp“ an Angeklagte und Verteidiger: „Die Zeugin war sehr glaubwürdig. Entweder sie beschränken ihren Einspruch auf die Rechtsfolgen, oder wir fahren das große Programm.“ Soll heißen, Lang würde alle in Frage kommenden Zeugen zu einem weiteren Termin ins Gericht laden

Nach einem kurzen Vier-Augen-Gespräch mit seiner Mandantin erklärte Rechtsanwalt Reinhard Roloff eine Beschränkung auf die Tagessatzhöhe, da die Sportlerin nach eigenen Angaben lediglich über 300 Euro monatlich verfügt. Dem Antrag Kaspers auf 40 Tagessätze a 10 Euro wegen Beleidigung und Körperverletzung schlossen sich der Verteidiger und der Richter an. Die Sportlerin hat daneben die Kosten des Verfahrens zu tragen

Hannes Höfer

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