Welche Art der Salzach-Sanierung will die Politik?

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Laufen/Burghausen - Noch in diesem Jahr soll eine politische Entscheidung über die Art der Salzachsanierung zwischen Laufen und Burghausen fallen.

Für viele Menschen beiderseits der Salzach, Naturschützer, Fischer, Bootfahrer usw. ist dies eine ähnlich wichtige Entscheidung wie die an der Donau zwischen Straubing und Vilshofen.

Die Notwendigkeit der Sanierung ist unstrittig. Um die Sohle des kanalartig verengten und gestreckten Flusses stabil zu halten bedürfte es 100.000m3 Kies pro Jahr. Infolge der Kraftwerke im Mittellauf kommen aber nur 20.000 bis 30.000 an. Also gräbt sich die Salzach immer tiefer in den Untergrund ein, was letztlich zum Einsturz von Brücken, ufernahen Bauten und zum Trockenfallen der Auen führt.

Nach unserer Überzeugung spitzt sich die Entscheidung auf zwei Sanierungsvarianten zu:

1. Querbauwerke in Form von rauen Sohlrampen mit integrierten Kraftwerken

2. Naturflussvariante mit weitest möglicher Wiederherstellung der dynamischen Fluss- und Auenverhältnisse vor der Regulierung.

Wenn es zur teueren Rampenvariante kommt, dann ist ziemlich sicher, dass Kraftwerke integriert werden, damit sich die Kosten auf die Öffentliche Hand und den Kraftwerksbetreiber aufteilen. Die Zahl der Rampen würde von zwei auf drei erhöht. Die Höhe der Rampen von ca 2,5 auf 3,5m. Auf einer Strecke von 22 km bedeutet dies drei massiv befestigte Bauwerke mit hoher Ufersicherung, damit sich Hochwässer nicht ihren Weg außerhalb der Rampen bahnen können. Solche Bauwerke sind kaum rückbaufähig und Fixierungen auf unabsehbare Zeit. Die Stromausbeute ist mit zwei Windrädern pro Kraftwerk zu ersetzen. Landrat Steinmaßl hat kürzlich 370 Windräder für die Region 18 als Ziel angepeilt! Da erhebt sich schon die Frage der Rentabilität, die die Grenzkraftwerke so beantworten: Für uns rechnet sich das nur mit staatlichen Subventionen.

Die Sicherstellung von Grundlaststrom wird durch die wechselnden Wasserstände der Salzach sehr in Frage gestellt. In diesem August musste der Plättenbetrieb eingestellt werden, weil die Salzach so wenig Wasser führt wie sonst nur in den Wintermonaten. Die Naturflussvariante – behördlicherseits auch Verzweigungsvariante genannt – ist die am schnellsten umsetzbare und kostengünstigste Variante. Der Fluss wird aktiv auf 140 m aufgeweitet, langfristig rechnet man mit einer eigendynamischen Verbreiterung auf bis zu 180 m. Zusätzlich. werden sieben alte Seitenarme von 600 bis 1600 m Länge wieder belebt und mit je 25 bis 40 % des Abflusses beschickt. Der Kiesabraum wird in das eingetiefte Flussbett verbracht, was zu einer Aufhöhung von ca. 120 cm führt.

Die Möglichkeit für eine solche Fluss- und Auensanierung bietet kein anderer Fluss auch nur annähernd so wie die Salzach, wo die ursprünglichen Auen, frei von Bebauung und Infrastruktur, den erforderlichen Raum bieten. Wir haben für die Salzach eine Vision, deren Verwirklichung durch die Naturflussvariante in greifbare Nähe rückt. Die kulturhistorischen Perlen, die Salzachstädte Laufen/Oberndorf, Tittmoning und Burghausen, könnten mit der Wiederherstellung der alten Fluss- und Auenverhältnisse zu einem Kultur-und Naturdenkmal werden, wie man es kaum noch irgendwo findet Attraktivität und mögliche Wertschöpfung eines solchen Ensembles können gar nicht hoch genug veranschlagt werden. Wir haben bayernweit schon 4250 Wasserkraftwerke, aber nur noch Reste von frei fließenden Flüssen. Unsere Chance ist von historischer Tragweite. Wir fragen Sie jetzt welcher Sanierungsvariante Sie den Vorzug geben und bitten Sie um eine eingehende Stellungnahme.

Offener Brief an die Bundes- und Landtagskandidaten (u.a. Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach)

Quelle: BGland24.de

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