„Nein“ zur Windkraftanlage!

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Waging am See - Kräftiger Gegenwind für die geplanten Windräder in Waging: Bei einer Informationsveranstaltung formulierten die Bürger überwiegend ein klares „Nein“.

Die Waginger Bürger formulierten am Montag Abend ein deutliches „Nein“ zu dem geplanten Bau einer Windkraftanlage in Froschham in der Marktgemeinde Waging. Gut 100 interessierte Bürger – darunter auch viele direkt betroffene Anwohner – kamen zu der Informationsveranstaltung. In den verschiedenen Redebeiträgen formulierte sich weitgehend ein klares „Nein“ gegen den geplanten Windpark. Eingeladen hatte die Anliegergemeinschaft „Keine Windkraftanlagen in Froschham“.

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Franz Trattler von der oben genannten Interessensvertretung wies darauf hin, dass die vorgesehenen Windräder mit einer Nabenhöhe von 130 Meter (zum Vergleich Palling: 100 Meter) mit einem Rotordurchmesser von 100 Meter und einer geplanten Gesamthöhe von 180 Meter enorm groß seien. „Das ist keine Windmühlenromantik und kein Mykonos sondern industrielle Stromerzeugung mit einer enormen Beeinträchtigung für die Anwohner.“ Der ehemalige Gemeinderat Hermann Schrag schilderte das Dilema der Gemeinden, deren Handlungsspielraum in den seit 1997 priviligierten Bau von Windkraftanlagen begrenzt sei. Man weise „Sondergebiete Windkraft“ aus, um den Wildwuchs einzugrenzen.

Andreas Seehuber von der Anliegergemeinschaft monierte, dass die Mitte September durchgeführte „Anlieger-Veranstaltung“ in Wirklichkeit eine „Anleger.Veranstaltung“ gewesen sei. „Dort haben wir erst richtig verstanden, um was es geht.“ Seither habe sich der Widerstand gegen den Windpark formiert. Von den geplanten Windkrafträdern erwarte er deutlich negative Auswirkungen auf den örtlichen Tourismus.

„Nein“ zur Windkraftanlage!

Sebastian Schuhbeck, der sich in den vergangenen Monaten intensiv über die Thematik „Windkraftanlagen“ informiert hatte, führte in seiner umfangreichen Präsentation aus, weshalb er sich deutlich gegen die geplanten fünf Windräder positioniert: „Hier wird in unsere Rechte eingegriffen, mit einem fragwürdigen Nutzen für die Allgemeinheit.“ Entgegen der Angaben von Green City Energy würden die Windräder zu den Häusern in Siegelberg lediglich 400 Meter entfernt stehen, die in Aussicht gestellte Betriebsleistung sei vor dem Hintergrund des nur befriedigenden Windaufkommens unrealistisch. Er führte anhand von unterlegtem Zahlenmaterial aus, dass sich Anlagen der geplanten Art in Bayern nur an ganz wenig Standorten rentieren würden. In seiner typisch humorvollen Art baute der Lehrer des Chiemgau-Gymnasiums Traunstein so manchen lockeren Spruch ein („In der Sahara bauen sie schließlich auch keine Hackschnitzelheizungen“), in dem er die Lacher auf seiner Seite hatte. Die Anlagen könnten am vorgesehenen Standort nicht rentabel betrieben werden.

„Kreuzfahrer der Moderne“

Für die Anti-Kernkraft-Gegner hatte er eine Ernüchterung parat: „Kein Atomkraftwerk wird abgeschaltet, wenn Windkraftanlagen gebaut werden.“ In der Diskussion um den Klimaschutz würden sich auch die „Kreuzfahrer der Moderne“ zeigen, die mit dem Thema auch Anlagen dieser Dimension rechtfertigen würden. Der lang anhaltende Applaus zum Ende seines gut 25 minütigen Vortrages machte klar, dass ihm die Anwesenden in weiten Teilen zustimmten.

Der Traunsteiner Stadtrat Wolfgang Osenstätter wies darauf hin, dass er sich schon vor drei Jahren gegen eine geplante Windkraftanlage in Kammer eingesetzt habe. Er werde diese Position auch in der jetzigen Diskussion einnehmen: „Ich kämpfe im Traunsteiner Stadtrat dagegen.“

Gerlinde Söldner aus Siegelberg kritisierte als eine der direkt betroffenen Anwohnerin, dass die Region völlig verschandelt werden: „Kirchtürme verschwinden hinter Windrädern. Und die werden dann unsere Denkmäler.“

Wagings 2. Bürgermeister Hans Kern bekam in seinen Ausführungen lautstarken Gegenwind. Der Grünen-Politiker wies darauf hin, dass die Windenergie eine saubere Energie sei. Man müsse den Sachverhalt realistisch ansehen und müsse die Wende zur „sauberen Energie“ schaffen.

Sein Amtskollege Christian Reiter (3. Bürgermeister) wies darauf hin, dass sich die CSU-Fraktion im Waginger Gemeinderat klar gegen die fünf Anlagen aussprechen werde. „Die Multi-Media-Anlage in dieser Größenordnung darf nicht unsere Zustimmung haben.“

Gemeinderat Georg Huber von der ÖDP schilderte wie schwer es den Gemeinderäten sei, hier eine einheitliche Linie zu finden und eine richtige Entscheidung zu treffen.

Leidenschaftliche Appelle von Hauseigentümern, die in unmittelbarer Nähe zu dem geplanten Projekt wohnen rundeten den Abend ab, in dem sich aber auch zeigte, dass ein Großteil von direkt betroffenen Anwohnern eine deutlich kritischere Haltung zu den den „Riesenwindrädern“ einnimmt, als entferntere Anwohner, deren Entscheidungsprozess im Abwägen zwischen ökologischen Gesichtspunkten und der Frage nach der „Landschaftsverschandelung“ und den Risiken eines zurückgehenden Tourismus noch nicht abgeschlossen war.

Bürgermeister Häusl legt sich fest

Wagings 1. Bürgermeister Herbert Häusl bedankte sich bei den Teilnehmern des Informationsabends für die rege Beteiligung zeigte sich aber über den Fortgang der Veranstaltung enttäuscht: „So wie ich es mir gedacht habe ist es nicht gelaufen. Ich weiß jetzt nicht, wie wir in einen echten Dialog kommen sollen.“ Man habe 2006 bei der Ausweisung des Sondergebiets nicht erwartet, dass man es einmal mit so großen Windrädern zu tun haben würde. Er nahm den Waginger Gemeinderat gegen die öffentliche Kritik in Schutz: „Vorbildlicher wie der gearbeitet hat geht es nicht.“ Er betonte, dass man eine gemeinsame Lösung finden wolle. „Ich will hier keinen 'Dauerkrieg'. Und bevor wir uns entzweien verzichten wir darauf.“ Der Bürgermeister machte auch klar, wie er sich persönlich in dem aufgebrachten Umfeld zu dem Bürgerwindpark stelle: „Ich werde gegen den erklärten Willen der Anleger nicht zustimmen.

Green City Energie-Vertreter übt scharfe Kritik

Jürgen Hoffmann von der Green City Energie zeigte sich in einem persönlichen Gespräch mit unserer Redaktion über die heftige Kritik an dem Projekt überrascht, die dem Energiedienstleister an anderen Orten weit weniger entgegen schlage und führte als Beispiel die Planungen der Firma in der Region Starnberg an. Er übte deutliche Kritik an der Art und Weise der durchgeführten Informationsveranstaltung. Er habe eine „echte“ Dialogveranstaltung erwartet. „Ich habe bis zu Beginn der Veranstaltung nicht erfahren können wie das heute überhaupt abläuft.“ Er hätte sich einen echten Dialog mit der Bevölkerung der Region gewünscht. „Das ist nicht gut gelaufen.“ Er erneuerte die Kritik, dass viele Redner der montäglichen Veranstaltung „nicht wissen würden, wovon sie reden“. Er hoffe nach wie vor auf ein Gespräch im kleinen Kreis. Die von verschiedenen Rednern erwähnten weit gediegenen Vertragsverhandlungen kommentierte er mit den Worten: „Das ist alles unwahr.“ Die Darstellungen seien größtenteils aus dem Zusammenhang gerissen und falsch kritisierte der Green City Bereichsleiter Hoffmann die überwiegend ablehnenden Stimmen zu dem Projekt.

Ob es zu den gewünschten Dialoggruppen kommen wird, scheint indes fraglich zu sein: Die Initiatoren der Anliegergemeinschaft „Keine Windkraftanlagen in Froschham“ sammelten jedenfalls schon einmal eifrig Unterschriften gegen das Projekt und trafen mit der ablehnenden Haltung die überwiegende Haltung der Teilnehmer, die auch nach der gut 2-stündigen Veranstaltung noch lange über das „Für und Wider“ der „Winke-Winke-Maschinen“ diskutierten. Franz Trattler von der Anliegergemeinschaft sprach sich an Hoffmann gerichtet für einen Arbeitskreis aus: „Aber nicht vom Münchner Schreibtisch aus. Kommen sie zu uns auf den Schlossberg. Dann wissen sie, von was wir reden.“

awi

Rubriklistenbild: © dpa

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