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Umstellung will gut überlegt sein

Andreas Perschl über seine Pläne zur ökologischen Neuausrichtung des elterlichen Hofes

Andreas Perschl über seine Pläne zur ökologischen Neuausrichtung des elterlichen Hofes
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 m Luafstall fühlen sich die Kühe sichtlich wohl, wie Andreas Perschl (vorne) und Simon Bauer sehen können.  

Die Umstellung eines Bauernhofes auf Ökobetrieb will gut überlegt sein. Andreas Perschl aus Palling will den Schritt aber gehen.

Palling -Schreinermeister Andreas Perschl, 32 Jahre, drückt wieder die Schulbank. Er besucht seit zwei Jahren die Landwirtschaftsschule des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Traunstein und will Landwirtschaftsmeister werden, um für die Übernahme des elterlichen Hofes in Barmbichl bei Palling bestens vorbereitet zu sein.

Es handelt sich um einen Milchviehbetrieb mit derzeit 45 Milchkühen plus Nachzucht, der seit Generationen im Familienbesitz ist. An den Laufstall, indem sich die Kühe sichtlich wohl fühlen, grenzen unmittelbar die betriebseigenen Flächen. Die Aussicht an dem sonnigen Spätwintertag mit den grünen Wiesen im Vordergrund und schneebedeckten Bergen am Horizont ist idyllisch und postkartenverdächtig.

Die Eltern von Andreas Perschl bewirtschaften den Betrieb konventionell, im Vollerwerb. „Uns geht es wie allen anderen Landwirten.“ Man sollte zwar nicht immer nur jammern, so Perschl, aber das Verhältnis von Arbeit und Einkommen stimme nicht.

„Auf Stundensatz gerechnet ist es einfach deutlich zu wenig“. Selbst absolute Spitzenbetriebe erwirtschaften seiner Ansicht nach keine verhältnismäßige Entlohnung, so der Junglandwirt, als wir ihn auf dem Hof in Barmbichl besuchen. Als Handwerksmeister würde er sicherlich mehr verdienen, hätte eine geregelte Arbeits- und Urlaubszeit. Er wolle nicht verhehlen, dass in seiner Brust zwei Herzen schlagen, Landwirtschaftsbetrieb und Schreinerei. Das unter einen Hut zu bringen, sei nicht einfach und ohne den Einsatz seiner Eltern und seiner Freundin nicht möglich.

Eigentlich wäre die Frage für ihn ja Betrieb oder Job, doch die sei schnell beantwortet, denn die Landwirtschaft aufgeben komme für ihn nicht in Frage. Die Landwirtschaft vergrößern aber auch nicht. „Warum soll ich mit fremdem Kapital auf fremdem Boden wirtschaften?“ fragte sich der angehende Meister. Deshalb hat er nach Lösungen gesucht, wie er sich mit den bestehenden Verhältnissen an Fläche und Tieren zukunftsfähig aufstellen und weiterentwickeln kann, ohne sich zu verschulden.

Im Rahmen seiner Meisterarbeit an der Landwirtschaftsschule hat er sich mit verschiedenen Zukunftsszenarien, darunter auch mit den Anforderungen eines Ökobetriebs auseinandergesetzt und dabei festgestellt, dass der elterliche Betrieb schon seit langem viele Kriterien des ökologischen Landbaus erfüllt. Seine Kalkulationen haben gezeigt, dass für seinen Betrieb die Umstellung zum Ökobetrieb ein guter und wirtschaftlich interessanter Weg sein kann.

Bestärkt wurde er darin durch Simon Bauer, Lehrkraft für Pflanzenbau an der Landwirtschaftsschule und am AELF Traunstein Berater für umstellungswillige Landwirte. Bauer war auch nach Barmbichl gekommen und erläuterte, warum die Situation dort für die Betriebsumstellung auf Öko günstig ist. „Betriebe die jetzt umstellen, müssen Weideland zur Verfügung haben, denn ohne Weide keine Ökomilch. Hier grenzt zwölf Hektar Dauergrünland direkt an den Stall an, eine Idealsituation für die Weidehaltung, die Grundvoraussetzung für einen Ökomilchbetrieb“.

Dieser Grundsatz stößt nicht bei allen Landwirten auf Verständnis. „Auch mein Vater sah meine Pläne zunächst etwas skeptisch“ – schmunzelt Perschl, gerade wegen der Weidehaltung, die die Tiere erst lernen müssen. „Die Kuh ist ein Gewohnheitstier. Sie bekommt im Stall hochwertigstes Futter, wird bestens versorgt und hat optimale Bedingungen. Warum soll sie das jetzt aufgeben und sich ihr Futter bei Wind und Wetter selber suchen?“ erklärt der angehende Ökolandwirt.

Deshalb tun sich Kühe auf der Weide schwer und müssen langsam, am besten von jung an, daran gewöhnt werden. Für die Weidehaltung muss natürlich eingezäunt sowie Wasserstellen errichtet werden – alles mit Kosten verbunden, auch wenn die Weide unmittelbar neben den Stallungen liegt. Zudem muss ein Ökobetrieb auch im Pflanzenanbau, zum Beispiel bei Silomais, absolut ohne Mineraldünger und chemischen Pflanzenschutz auskommen. Auch die Wiesen werden nur organisch gedüngt. Dass das zu Ertragseinbußen führt, damit ist zu rechnen. Das nüchterne Fazit von Andreas Perschl ist unmissverständlich: Umstellung kostet Geld. Dennoch will er es versuchen, um den Familienbetrieb nachhaltig und lebenswert zu erhalten.

Eine zusätzliche Schwierigkeit, die der umstellungswillige Junglandwirt in Kauf nehmen muss, ist der derzeitige mangelnde Absatz von Bio-Milch. Die Molkereien in der Region nehmen aktuell keine neuen Lieferanten von Ökomilch auf, weil der Bedarf nicht da ist. Erhält der Biobauer aber nicht mehr Geld für sein höherwertiges Produkt, muss er mit Verlusten rechnen und damit die Umstellung noch einmal gründlich überdenken. Damit die Molkereien mehr Bioprodukte auf den Markt bringen, muss die Nachfrage groß genug sein. „Wenn die Nachfrage an der Ladentheke nicht parallel zum Angebot wächst. wird auch die Umstellung auf Ökolandbau nicht in größerem Maße stattfinden“, so Berater Bauer.

Was Andreas Perschl auf keinen Fall will, ist eine Wertung vorzunehmen im Sinne von „Bio ist gut“, „konventionell ist schlecht“: Das sei falsch, denn jedem Bauern liege das Wohl seiner Tiere am Herzen und jeder Landwirt wirtschafte so, dass er Grund und Boden als seine Lebensgrundlage schone und erhalte, so Perschl.

In seinem konkreten Fall sei Biolandbau eine gute Möglichkeit, Mehrwert zu schaffen, auch deshalb habe er sich dafür entschieden. „So ein Entschluss muss reifen, das ist ein Weg, den man für die Zukunft wählt, nicht nur für ein Jahr“, so seine Empfehlung. Und Berater Simon Bauer ergänzt „Umstellung auf Biobetrieb ist nicht für jeden Landwirt die ideale Lösung, aber es kann für viele eine Perspektive sein“.

Andreas Perschl hat sich entschieden, den Weg der Umstellung in naher Zukunft zu wagen. Und hofft, dass er zu gegebener Zeit auch die passenden Abnehmer für seine künftige Bio-Weidemilch finden wird.

kon

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