Trotz Personalmangels und erfolgreicher Integration

Abschiebung droht: Pallinger Altenheim will Mahmoud behalten

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Palling - Obwohl der 27-jährige Mahmoud sehr gut integriert ist, soll er wieder abgeschoben werden. Die Gründe hierfür versteht keiner so richtig.

Die deutschen Krankenkassen und das Bundesgesundheitsministerium schlagen in regelmäßigen Abständen Alarm und der Ruf nach dringend benötigten Nachwuchskräften im Pflegebereich wird immer lauter. Denn in deutschen Altersheimen herrscht schon jetzt ein Pflegenotstand, der sich durch den demografischen Wandel in den nächsten Jahren noch verstärken wird.

An allen Ecken und Enden mangelt es an Personal, vorhandene Pflegekräfte sind überarbeitet und unterbezahlt und leiden zudem unter den physischen und psychischen Folgen der momentanen Arbeitsbedingungen

Mahmoud soll abgeschoben werden

Umso unverständlicher scheint es vor diesem Hintergrund, dass die zuständigen Behörden die Arbeitserlaubnis des 27-jährigem Asylbewerbers Mahmoud aus Palästina, der mittlerweile seit einem vollen Jahr zu beidseitiger Zufriedenheit im Pallinger Altenheim arbeitet, nicht verlängern wollen.

Begründet wird dies damit, dass Mahmouds Asylantrag vom Bundesamt für Migration als „offensichtlich unbegründet“ ebenso abgelehnt wurde wie seine Klage gegen diese Entscheidung beim Verwaltungsgericht München. Somit wäre Mahmoud vollziehbar ausreisepflichtig.

Da seine individuelle Bleibewahrscheinlichkeit daher sehr niedrig ist, könne ihm laut zuständigen Behörden weder eine Arbeitserlaubnis noch die Erlaubnis für eine Berufsausbildung erteilt werden. Die Hauptverhandlung steht noch aus. Womit sich eine weitere unfassbare Entscheidung zur ersten hinzugesellt: 

Wie kann man guten Gewissens einen Menschen, dessen gesamtes bisheriges Leben vom gewaltsamen, immer wieder aufflammenden Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern gezeichnet ist, eben dorthin, ins Herz dieses Konflikts, in den Gazastreifen, zurückschicken?

Nicht nur, dass sein Zuhause nicht mehr existiert, denn das Haus seiner Familie, das erst kurz vor der erneuten Eskalation des Konflikts im Juli 2014 fertiggebaut worden war, wurde völlig zerstört. Darüber hinaus sieht Mahmoud dort ein baldiges Ende des Hasses und der Gewalt ebenso wenig wie eine Perspektive für sich selbst. 

Denn auch wenn seine Eltern und sieben seiner acht Geschwister noch in Gaza sind, möchte er nicht mehr in einem Land leben, in dem es jederzeit wieder Krieg geben kann, in dem Frauen – wie seine eigene Mutter – täglich fürchten müssen, dass ihre Kinder den Schulweg nicht unverletzt überstehen oder schlimmstenfalls nicht überleben.

Beliebt bei Senioren und Kollegen

Mahmoud gefällt die Routine im Altenheim, wo er sich in der Frühschicht um acht bis zehn Personen kümmert, ihnen beim Waschen und Anziehen hilft und das Frühstück bringt. Ihm gefällt der Kontakt zu seinen Kollegen, aber vor allem auch zu den Senioren, er bedauert ehrlich, dass er im täglichen Ablauf nur sehr wenig Zeit für die einzelnen Bewohner hat, die immer ein wenig mit ihm plaudern wollen, während er sie versorgt.

Seine ruhige und sympathische Art, seine stets gute Laune und seine Geduld schätzen sowohl die Bewohner als auch seine Kollegen im Kreisaltenheim. Mahmoud selbst macht für sein Geschick im Umgang mit den kranken, oft bettlägrigen Senioren sein persönliches Schicksal verantwortlich, denn durch seine langen Klinikaufenthalte könne er sich sehr gut in die Bewohner und deren Gefühle hineinversetzen, er wisse aus eigenem Erleben, wie es ist, wenn man Schmerzen hat und sich nur eingeschränkt bewegen kann.

Diese Erfahrung habe ihn darüber hinaus seinen Optimismus und seine Dankbarkeit für die Hilfe so vieler Menschen gelehrt, die er durch seine Arbeit nun an anderer Stelle zurückgeben könne. Ganz optimistisch hat Mahmoud in die Zukunft geblickt, vor Erhalt der doppelten Hiobsbotschaft hat er sogar mit dem Gedanken gespielt, die Ausbildung zum Altenpfleger nachzuholen, und war überglücklich, dass ihm seine Stelle im Altenheim die Möglichkeit bot, selbst für seinen Lebensunterhalt aufkommen zu können und nicht mehr auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein.

Eine weitere Arbeitserlaubnis wird verweigert

Doch was der Beginn einer bilderbuchmäßigen Integration in der neuen Heimat hätte werden können, hat durch die in keiner Weise nachvollziehbare Entscheidung des Bundesamts für Migration und des Verwaltungsgericht München ein abruptes Ende gefunden, die mit einem Schlag nicht nur den positiven Blick auf die Zukunft und die Hoffnungen eines engagierten jungen Mannes zerstört hat, sondern langsam aber sicher auch das Vertrauen der Mitglieder des Pallinger Helferkreises in die Behörden und die Verantwortlichen in der Politik. Denn eine weitere Arbeitserlaubnis im Altenheim wird sowohl von der Ausländerbehörde als auch vom Landrat verweigert. Leider ist man nicht bereit, in diesem Fall von einer Ermessensentscheidung zum Arbeitsverbot Gebrauch zu machen.

Im Hinblick auf den Personalmangel im Pflegebereich ist dies für seine Arbeitskollegen kaum verständlich. Denn letztlich scheint das ganze Verfahren wenig durchdacht: Ein Asylbewerber, der die deutsche Sprache bereits erlernt hat, der bereit ist, sich zu integrieren, Anschluss im Ort gefunden hat, eine feste Arbeitsstelle und eine eigene Wohnung hat, sein Leben selbst finanziert, soll nun wieder abgeschoben werden und zwar auf Kosten des Staates.

Er soll nun wieder dem Sozialamt unterstellt werden, obwohl seine Arbeitskraft im Altenheim dringend gebraucht wird. Doch für die deutsche Bundesregierung ist der Fall gelöst; dass sich Mahmouds Geschichte letztlich an anderer Stelle wiederholt, ist nicht von Belang, solange die Statistik stimmt. Das ist doch wahrlich eine mehr als verkehrte Welt.

Miriam Vorwallner (Helferkreis Palling)

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