Kurz vor Olympia

„Viel Kraft und auch Nerven gekostet“ : Benedikt Huber beendet Leichtathletik-Karriere

Bei den Bayerischen Leichtathletik-Meisterschaften kontrollierte Benedikt Huber die Konkurrenz und gewann in 1:52,63 Minuten. Insgesamt war es bereits sein zehnter bayerischer Meistertitel.
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Benedikt Huber beendet seine Karriere.

Benedikt Huber, mehrfacher deutscher Meister im 800-Meter-Lauf, gibt sein Karriere-Ende bekannt. Er nennt diverse Gründe für seine Entscheidung.

Palling/Vachendorf/Regensburg - Alle Benedikt-Huber-Fans müssen jetzt ganz stark sein, denn der 31-jährige Pallinger beziehungsweise Wahl-Vachendorfer beendet seine erfolgreiche Leichtathletik-Karriere überraschend mit sofortiger Wirkung. Noch vor wenigen Monaten war der einst schnellste deutsche 800-Meter-Läufer fest entschlossen, in der anstehenden Hallensaison möglichst viele Punkte zu sammeln, um sich erstmals in seiner Paradedisziplin für Olympia zu qualifizieren.

Der Traum von Olympia

Zur Erinnerung: Eigentlich hätten die Olympischen Spiele bereits im vergangenen Sommer in der japanischen Hauptstadt Tokio stattfinden sollen, doch coronabedingt wurden sie um ein Jahr verschoben. Im Zuge der Corona-Krise verschob der Leichtathletik-Weltverband IAAF zudem die eigentlich im Vorjahr im US-amerikanischen Eugene angesetzten Weltmeisterschaften ins Jahr 2022.

Dies wäre auch das Jahr gewesen, in dem der vierfache deutsche und zwölffache bayerische Meister Huber bisher sein Wunsch-Karriereende anvisiert hatte: Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften vom 15. bis 21. August 2022 in München wollte er sich von der großen Bühne verabschieden. Es wäre seine dritte EM-Teilnahme nach 2016 und 2018 gewesen. Dazu wird es nun nicht mehr kommen.

Dass Huber sein Karriereende in Absprache mit seinem Regensburger Trainer und engen Vertrauten Kurt Ring nun um rund eineinhalb Jahre vorzog und seine lang gehegten Träume von den ersten Olympia- und ersten WM-Teilnahme aus freien Stücken platzen ließ, hat seine Gründe. Zum einen habe das vergangene Leichtathletikjahr, das stark von Corona geprägt war, viel Kraft und auch Nerven gekostet, so der heimische Ausnahmeläufer.

Corona und Verletzungen führten zum Aus der Laufkarriere

Viele Wettkämpfe konnten nicht stattfinden und wenn, dann nur unter strengen Auflagen und auch das Training und die Wettkampfvorbereitung waren alles andere einfach. „Ende letzten Jahreshabe ich gehofft, dass die Saison 2021 relativ normal verlaufen würde, doch diese Hoffnungen lösten sich schnell in Luft auf“, bedauert Huber. Zudem hätten ihn in den Wochen vor Weihnachten hartnäckige Oberschenkelprobleme zu schaffen gemacht, die ihn ziemlich frustriert und auch ein wenig demotiviert hätten. „Ich war immer wieder in der Physiotherapie, manchmal ging es wieder besser, dann musste ich das Sprinttraining wieder wegen Schmerzen für paar Tage aussetzen und konnte nur Dauerläufe machen“, so Huber.

Alles in allem keine guten Voraussetzungen für die angestrebte Olympia-Qualifikation. Ihm lief am Ende die Zeit davon. Auch dass die Fitnessstudios pandemiebedingt immer wieder geschlossen waren und er die heimischen Leichtathletikanlagen teilweise nicht wie gewohnt nutzen konnte, sei für den Formaufbau nicht positiv gewesen. Erschwerend sei hinzugekommen, so Huber, dass er im Gegensatz zu vielen seiner Hauptkonkurrenten auf nationaler und internationaler Ebene seinen Sport nie hauptberuflich ausgeübt habe.

„Ich arbeitete ja seit einigen Jahren neben dem intensiven Leistungssport als Ingenieur bei der BSH Hausgeräte GmbH in Traunreut – 26 Stunden beziehungsweise seit 2020 wegen der angepeilten Olympia-Quali noch 21 Stunden in der Woche“, so der dreifache Deutsche Meister über 800 Meter (2016, 2017 und 2018). Auch die Freizeit ist in den letzten Jahren oft zu kurz gekommen. Selbst wenn er in naher Zukunft Vollzeit arbeite, werde er, so Huber, ohne das tägliche Trainingsprogramm mehr Zeit haben für seine Freundin Jenny und seine anderen sportlichen Leidenschaften wie das Bergsteigen und den Wintersport.

Neue Zukunftspläne

„Heute war ich erst wieder beim Langlaufen in Vachendorf und Eisenärzt, das hat super Spaß gemacht. Zudem möchte ich heuer unbedingt meine Paragliding-Ausbildung fertigmachen“, beschreibt er seine Zukunft als breit aufgestellter Hobby- und Freizeitsportler. Ganz auf das geliebte Laufen verzichten wird er auch in den kommenden Jahren nicht, denn zum einen muss er nun erst einmal „professionell abtrainieren“, um sein Herz- und Kreislaufsystem stabil zu halten und gesund zu bleiben.

Zum anderen wird er es sich nicht auch nehmen lassen, weiterhin gut trainiert bei regionalen Läufen zu starten, sofern es die Corona-Pandemie wieder zulässt. „Ich denke dabei besonders an mein Heimrennen, den Traunreuter Stadtlauf, den ich dreimal gewinnen konnte und in den letzten Jahren wegen Terminüberschneidungen leider mehrmals auslassen musste oder nur als Zuschauer verfolgen konnte“, so Huber, der bei der Deutschen Meisterschaft 2019 in Berlin seinen DM-Medaillensatz mit Bronze komplettierte.

Die Liebe fürs Laufen früh entdeckt

Nicht nur beim Traunreuter Stadtlauf, sondern auch bei anderen regionalen Volks-, Straßen- und Crossläufen wie dem Trostberger Alzauenlauf, wo Huber schon viermal siegte, würde er nach eigener Aussage gerne noch öfters am Start stehen. Als kleiner Bub kam Huber einst zum TSV Palling und die Verantwortlichen erkannten dort schnell sein sportliches Talent. In der Leichtathletikabteilung hat Bene dann unter seinem im Vorjahr verstorbenen Jugendtrainer und Mentor Rupp Rambichler seine Liebe für das Laufen entdeckt und sich stetig verbessert.

Es war der Beginn einer in der Region beispiellosen Leichtathletikkarriere. 2015 wechselte Huber dann zur LG Telis Finanz Regensburg, wo ihn sein dortiger Trainer Kurt Ring noch einmal auf ein höheres Leistungsniveau brachte. Beratend zur Seite gestanden hat ihm lange Zeit auch der frühere sportliche Leiter des Traunreuter Stadtlaufes Werner Oberauer aus Altenmarkt. „Diese drei Trainer und Vertrauten sind für mich und meine sportliche Laufbahn ganz wichtig gewesen“, lobt Huber.

Ein Dank an alle Unterstützer

Ein besonderer Dank gelte zudem seinen Eltern Konrad und Gabi Huber, die ihn immer unterstützt hätten, und seinen Sponsoren. Auch dass er regelmäßig die Eishalle in Inzell und die Laufbahnen in Traunreut und Traunstein für sein Training nutzen habe dürfen, sei nicht selbstverständlich gewesen, so Huber. Keine Frage, auch nach seinem Rücktritt wird er in seiner Heimat ein Zugpferd bleiben und mit seiner gewinnenden Art überall ein gern gesehener Gast sein, mit oder ohne Laufschuhe.

mmü

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