Regenerativer Strom

400 Gigawattstunden fehlen im Landkreis

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Palling - Beim Infoabend der Energieagentur Südostbayern am Mittwoch in Palling haben verschiedene Experten für die Chancen der Geothermie geworben.

Die Pressemitteilung im Wortlaut

Beim Infoabend der Energieagentur Südostbayern am Mittwoch in Palling haben verschiedene Experten für die Chancen der Geothermie geworben. Vor 150 interessierten Bürgern im Gasthof Michlwirt erklärten die Fachleute einhellig, dass die Erdwärme eine sichere, grundlastfähige und günstige Form der Energiegewinnung - sowohl für Wärme als auch für Strom - sei.


Dr. Birgit Seeholzer, Geschäftsführerin der Wirtschaftsregion Chiemgau betonte das große Potential für den Ausbau erneuerbarer Energien im Chiemgau. Durch den Kohle- und Atomausstieg entstehe beim Strom eine Versorgungslücke von über 400 Gigawattstunden - hierfür bietet das geothermische Potenzial eine einzigartige Chance. Ohne die Bereitstellung des Stroms durch Erneuerbare Energien drohe bei weiterhin steigendem Strombedarf, eine Unterversorgung. Diese Bedarfslücke könnte durch die grundlastfähige, dezentrale Stromproduktion örtlicher Geothermiekraftwerke geschlossen werden.

Prof. Dr. Michael Drews, Geowissenschaftler von der TU München, legte dar, dass die Vermischung von Thermal- und Grundwasser aufgrund des zu geringen Drucks des gut 3000 Meter unter dem Grundwasser liegenden Thermalwassers nicht möglich sei. "Zudem sind Geothermiebohrungen und Brunnen durch speziell verdichtete Rohre gesichert", so der Professor an der TU München. Selbst für den unwahrscheinlichen Fall der Vermischung von Thermalwasser mit Grundwasser sei eineVerunreinigung des Grundwassers nicht möglich, da das Thermalwasser qualitativ dem Grundwasser sehr ähnlich sei.


Auch Dr. Andreas Bertram vom Umweltbundesamt pflichtete seinem Vorredner bei und erläuterte die geringere Mineralisation des Thermalwassers, was lokalen Mineralwässern entspricht. Weiter verdeutlichte er, dass die Geothermie eine positive CO2-Bilanz vor allem für kombinierte Wärme- und Stromanlagen. Erdwärme wäre daher eine ideale Form der Energiegewinnung, um den wirtschaftlichen Schaden von CO2-Emissionen der 2017 in Bayern allein bei fast 14 Milliarden Euro lag, zu verringern. Das Umweltbundesamt hat auch die Umweltauswirkungen aller Entwicklungsbereiche von Geothermieprojekten untersucht, und hat keine Gefährdung während des Baus und dem Betrieb von Geothermieanlagen identifizieren können

Andreas Lederle, Geschäftsführer der Erdwärme Grünwald, erläuterte die Vorteile kombinierter Geothermieanlagen mit Strom- und Wärmeerzeugung und plädierte für die gleiche Förderung in die Einspeisung von Wärmenetze wie bei fossil erzeugter KWK-Wärme durch den Bund. Dem Vorwurf der Unwirtschaftlichkeit geothermaler Stromproduktion widersprach er deutlich und unterstrich deren Bedeutung für die Wirtschaftlichkeit von Geothermieanlagen: "Ein privater Investor würde nie ein Kraftwerk bauen lassen, wenn sich dieses nicht zumindest mittelfristig rentieren würde. Deshalb ist für private Investoren für die geothermale Wärmenutzung, auch zum Ausgleich des Fündigkeitsrisikos, eine gleichzeitige Stromproduktion unabdingbar." Die Nutzung von Erdwärme zur Wärmeversorgung sei außerdem immer auf Planungshorizonte von deutlich über 20 Jahren ausgelegt und nur in enger Kooperation mit den Kommunen umsetzbar.

Nach den Vorträgen der Experten gab es für die Bürger die Möglichkeit, Fragen an die Fachleute zu richten. Dabei wurde schnell deutlich, dass eine große Mehrheit der Gäste der Geothermie positiv gegenüberstehen. "Jede einzelne Kilowattstunde, die wir aus einer erneuerbaren Energiequelle herausholen können, ist doch schon ein Gewinn", bilanzierte ein Bürger

Pressemitteilung Erdwärme im Chiemgau

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