Projekt "Gewässer-Zukunft" auf Zielgerade

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Dr. Andreas Bohner, Leiter des landwirtschaftlichen Forschungszentrums in Raumberg-Gumpenstein (Österreich)

Petting - Nicht mehr lange, dann wird das bayerisch-oberösterrreichische Projekt für sauberes Wasser abgeschlossen. Die Ergebnisse wurden vorab in Petting vorgestellt.

Die Ergebnisse dieses bayerisch-oberösterreichischen Gemeinschaftsprojekts für saubere Gewässer wurden kürzlich auf der Abschlussveranstaltung in Petting vorgestellt. Alfons Leitenbacher, Behördenleiter des AELF, unterstrich den Wert des Waginger-Tachinger Sees als Badegewässer und appellierte über die Landwirtschaft hinaus an alle Beteiligten, Verantwortung für die Gewässerqualität zu übernehmen.

Schwierige Lage für Landwirte

Er ging auf die schwierige Lage der Landwirte ein, die sich in einem Spagat zwischen großem wirtschaftlichen Druck und notwendigen Verbesserungen bei der Gewässerqualität befinden. Die aktuelle Situation am Waginger und Tachinger See wurde von Rolf Oehler, Bereichsleiter am AELF in Traunstein, zusammengefasst. Im Einzugsgebiet von 12.300 ha werden ca. 7200 ha landwirtschaftlich genutzt. Aus dieser landwirtschaftlich genutzten Fläche stammt der überwiegende Teil des Phosphoreintrags in den Waginger See. Jährlich werden ca. 2 kg Phosphor/ha und Jahr in den See eingetragen, davon stammen ca. 1,8 kg aus der landwirtschaftlich genutzten Fläche.

Podiumsteilnehmer Abschlussveranstaltung in Petting von links nach rechts: Bürgermeister Herbert Häusl, Gemeinde Waging/ Kommunales Seenbündnis; Dr. Peter Strauß, Bundesamt für Wasserwirtschaft in Petzenkirchen bei Wien (verdeckt) Dr. Andreas Bohner, Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein Dr. Alexander Malcharek, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Sepp Kellerer, Moderator Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein Rolf Oehler, Bereichsleiter am Landwirtschaftsamt Traunstein Klaus Mayr, Obmann der Gemeinde Petting.

Dieser Austrag muss mittelfristig auf maximal 0,7 - 0,9 kg Phosphor/ha gesenkt werden, um die Gewässerqualität, die derzeit unbefriedigend ist und bei Klasse 4 nach EG-Wasserrahmenrichtlinie liegt, zu verbessern. Am Tachinger See liege, so Oehler, der Eintrag aus der landwirtschaftlich genutzten Fläche deutlich niedriger, was aber nicht bedeute, dass sich die Landwirte am Tachinger See nicht weiter um Verbesserungen bemühen sollten. Vorteilhaft sei die Ausbringung von Gülle mit bodennahen anstatt flächigen Ausbringtechniken, wie der Beregnungsversuch in Petting 2011 im Ergebnis gezeigt habe. Es sei entscheidend, dass sich jeder Landwirt strikt an die Regeln der guten fachlichen Praxis halte. Leider gebe es weiterhin Verstöße. Darüber hinaus seien bei austragsgefährdeten einzelnen Problemflächen Maßnahmen wie eine verlängerte Güllesperrfrist erforderlich. Derzeit gebe es dafür noch keinen finanziellen Ausgleich in Form eines Seenprogramms.

Phosphor durch Düngung mit großem Anteil im Boden

Andreas Bohner als Leiter der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein, einer der österreichischen Projektpartner, erläuterte die chemischen Zusammenhänge, die dazu führen, dass einzelne grundwassernahe Standorte wie z.B. Gleyböden einen beachtlichen Teil des Phosphors, der über Gülle oder mineralische Düngung zugeführt wird, rasch wieder abgeben. Bodentypen, die Phosphor in den unteren Bodenschichten nur in geringem Maß speichern können und deren Speicher rasch gesättigt ist, sollten extensiviert oder aus der Bewirtschaftung genommen werden, um hohe Austräge an Phosphor zu vermeiden. Dazu zählen staunasse, wechselfeuchte, drainierte Grünlandstandorte, die sich für eine intensive Bewirtschaftung ohnehin kaum eignen. Wie hoch der Austrag aus solchen Flächen sein kann - im Einzelfall bei mehr als 10 kg Phosphor pro ha - , wurde vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein in einem zweijährigen Dauerfeldversuch gemessen.

Susanne Mühlbacher-Kreuzer stellte dessen Ergebnisse vor und erläuterte das komplexe Zusammenspiel von Niederschlägen, Aufnahme des Phosphors durch die Vegetation und Bodeneigenschaften.

Christoph Schneiderbauer, landwirtschaftlicher Berater in der oberösterreichischen Partnerregion Nähe Ried im Innkreis

Mathias Parzinger als landwirtschaftlicher Seenberater in der Region hatte im Lauf des Projekts 150 von ca. 420 Betrieben ausführlich beraten und mit den Betriebsleitern Maßnahmen wie die Optimierung der Düngeplanung, die richtige Pflege der Grünlandbestände und austragsfreie Lagerung von Wirtschaftsdüngern oder Silagen erörtert. Einige gewässerrelevante Maßnahmen werden derzeit noch über das Kulturlandschaftsprogramm gefördert, das bis zur Neuordnung der Förderung 2014 allerdings eingeschränkt wurde.

Freiwillige Maßnahmen reichen von der Anlage von Gewässerrandstreifen über die Beweidung (mit verringertem Gülleanfall im Sommer) bis zur Umstellung auf Ökolandbau für Betriebe, die die notwendigen Voraussetzungen dafür hätten. Auf oberösterreichischer Seite stand die Vermeidung von Erosion aus Ackerflächen im Vordergrund. Berater Christoph Schneiderbauer entwickelte im Projektverlauf gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Ried im Innviertel und dem österreichischen Bundesamt für Wasserwirtschaft, Peter Strauß, erosionsmindernde Anbauverfahren weiter, wie z.B. den Anbau massereicher Zwischenfruchtbestände anstelle von winterlicher Schwarzbrache.

"Dialog zwischen Landwirte und Umweltschützern"

Diese Erkenntnisse sind auf bayerische Ackerflächen übertragbar. Vorbildlich ist auch die Initiative "Boden:ständig", die im Rottal über einen intensiven Dialog zwischen Landwirten und Umweltschützern erosionsmindernde Methoden und phosphorrückhaltende Konzepte entwickelte. Sie wurden von Norbert Bäuml vom Amt für Ländliche Entwicklung in München vorgestellt. Alexander Malcharek vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gab einen ersten Ausblick auf künftige Überlegungen des Staatsministeriums zur Verminderung von Phosphoreinträgen. Eine wichtige Grundlage sei die Wiedereinführung einer genauen Hof-Tor-Bilanz zur Erfassung der Phosphor- bzw. Nährstoffkreisläufe im Betrieb. Die einzelbetriebliche Beratung als wichtige Säule für eine optimierte Bewirtschaftung solle erhalten bleiben und auch künftig gefördert werden. Er forderte dazu auf, die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Anliegergemeinden und Fachbehörden noch enger zu pflegen und gemeinsam Verbesserungsvorschläge zu entwickeln.

Podiumsteilnehmer Abschlussveranstaltung in Petting von links nach rechts: Bürgermeister Herbert Häusl, Gemeinde Waging/ Kommunales Seenbündnis; Dr. Peter Strauß, Bundesamt für Wasserwirtschaft in Petzenkirchen bei Wien (verdeckt) Dr. Andreas Bohner, Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein Dr. Alexander Malcharek, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Sepp Kellerer, Moderator Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein Rolf Oehler, Bereichsleiter am Landwirtschaftsamt Traunstein Klaus Mayr, Obmann der Gemeinde Petting.

Lösungen müssten im Dialog "von unten" entwickelt werden. Die anschließende Diskussion wurde von Sepp Kellerer vom Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt moderiert. Einig waren sich die Teilnehmer des Podiums darin, dass alle Seiten, ob Gemeindeverwaltung, Landkreis, Fachbehörde oder Landwirt, einen Beitrag zur Verbesserung der Gewässerqualität leisten müssen. Bürgermeister Häusl als Sprecher des kommunalen Seenbündnisses verwies darauf, dass die Anliegergemeinden bereits einige Anstrengungen unternehmen, die von der Konzeption von Rückhalteflächen und der Gewässerzulaufkartierung bis zur Stärkung der Regionalvermarktung (Waginger Genusswochen, Pinzgauer Rind) reichen.

Der Druck, der auf der Landwirtschaft lastet, wurde in mehreren Redebeiträgen spürbar, aber auch die Aufgeschlossenheit der anwesenden Landwirte für Vorschläge wie die bodennahe Gülleausbringung, sofern es für Mehrbelastungen wenigstens teilweise einen finanziellen Ausgleich gibt.

Pressemeldung AELF Traunstein, Gewässerzukunft

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