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In den Kreisen Traunstein und Berchtesgadener Land

Bundeswaldinventur 2022: Muss Bayern um Holzvorrat bangen?

Verjüngung aufnehmen: In einem festgelegten Kreis im Pettinger Wald wird die Verjüngung nach Art, Höhe und Verbiss beurteilt.
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Verjüngung aufnehmen: In einem festgelegten Kreis im Pettinger Wald wird die Verjüngung nach Art, Höhe und Verbiss beurteilt.

Die Wälder verändern sich. Hitze, Trockenheit, Stürme und Schadinsekten wie der Borkenkäfer hinterlassen deutliche Spuren. Welche Folgen hat das für das Wachstum, die Baumartenzusammensetzung und den Holzvorrat in unseren Wäldern? Wie viel Holz kann im Rahmen einer nachhaltigen Waldwirtschaft genutzt werden? Antworten auf solche Fragen gibt die Bundeswaldinventur, die alle zehn Jahre deutschlandweit nach einem einheitlichen Verfahren über alle Waldbesitzarten hinweg durchgeführt wird.

Petting – Seit einigen Tagen findet diese Inventur auch in im Bereich des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Traunstein und somit in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land statt. Hier suchen Thomas Papp-Vary und Max Schüssel die rund 260 Inventurpunkte, davon 160 im Landkreis Traunstein und rund 100 im Landkreis Berchtesgadener Land auf und führen die Datenerhebungen durch. Die beiden Förster bilden einen der acht Inventurtrupps, die von April 2021 bis Ende 2022 die über 8.000 Inventurpunkte in Bayern nach bundeseinheitlichen Kriterien aufnehmen. Speziell geschult und ausgerüstet wurden sie von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) aus Freising, die die Inventurearbeiten in Bayern organisiert und koordiniert. 

Ein Inventurpunkt im Pettinger Wald

Einer der Inventurpunkte liegt in einem Wald bei Petting. Das hat sich auf dem Raster von vier mal vier Kilometer, das über ganz Bayern gelegt wurde, so ergeben. Dort treffen der Landesinventurleiter Wolfgang Stöger von der LWF, und Wolfgang Madl, Bereichsleiter Forsten am AELF Traunstein, die beiden Förster bei der Arbeit. Sie haben die ungefähre Lage des Inventurpunktes anhand der bei der Inventur von 2012 im Computer hinterlegten Koordinaten ermittelt. Danach folgte die genaue Punktbestimmung mit einem Magnetsucher, denn der Mittelpunkt des Inventurkreises ist mit einem in die Erde eingelassenen Eisen markiert. Dann beginnt die eigentliche Arbeit, für die Thomas Papp-Vary und Max Schüssel eine umfangreiche Ausrüstung wie Meterstab, Messband, Höhenmesser, Spiegelrelaskop, ein robustes Notebook, aber auch Wäscheklammern dabei haben.

„Nur vier Zentimeter gewachsen“

Bei Bäumen ab sieben Zentimeter Durchmesser werden Höhe und Durchmesser gemessen und direkt im Computer eingetragen. „Diese Fichte ist in den letzten zehn Jahren nur vier Zentimeter gewachsen“ stellt Wolfgang Stöger mit einem Blick auf die gespeicherten Daten aus der Inventur 2012 fest. So richtig zufrieden sei das nicht, meint er, die trockenen Jahre machen der Fichte zu schaffen, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so aussieht. Dann bewerten die beiden Förster die Verjüngung, die Bodenvegetation und das Totholz. Das sind nur ein paar von rund 150 Parametern, die an jedem Inventurpunkt erfasst werden.

Neu bei der Bundeswaldinventur 2022 ist die zusätzliche Entnahme von Proben für die Genanalyse bei den wichtigsten Baumarten. So will man Erkenntnisse über die genetische Vielfalt als Indikator für die Anpassungsfähigkeit der Bäume im Klimawandel gewinnen. Im Bereich des AELFs Traunstein werden die Förster noch mehrere Wochen unterwegs sein. So einfach wie in Petting werden sie es nicht immer haben. Denn manche Inventurpunkte in den Gebirgsgegenden liegen in steilem Gelände und sind nur schwer zugänglich. „Wenn wir da an einem Tag einen oder zwei Punkte ‚erklettern‘ und vermessen, ist das schon eine Leistung“, so Max Schüssel. 

Auswertung der Daten bis 2024

Ende dieses Jahres wird die Aufnahmephase beendet sein. Dann beginnt die Auswertung und Analyse der umfangreichen Daten. Die Ergebnisse sollen bis Ende 2024 vorliegen. „Wir sind schon sehr gespannt, ob und wie sich der Wald in unserer Region in den letzten zehn Jahren verändert hat“, so Bereichsleiter Wolfgang Madl. „Die Ergebnisse werden in die forstliche Beratung unserer Waldbesitzer einfließen.  Sie sind aber auch die Basis für forst- wirtschafts- und umweltpolitische Entscheidungen“. Denn der Wald interessiert längst nicht nur mehr Waldbesitzer und Forstleute, sondern zunehmend auch Politik und Gesellschaft. 

Muss Bayern um Holzvorrat bangen?

Nach Abschluss der Auswertungen wird man wissen, wie viel Wald es in Deutschland in den einzelnen Bundesländern oder Landkreisen gibt, wie sich die Waldfläche und die Baumartenzusammensetzung geändert hat, welches die wichtigsten Baumarten in unseren Wäldern sind, wie viel Holz in den Wäldern steht und wie viel nachwächst, wie alt die Bäume sind aber auch wie naturnah unsere Wälder sind oder wie es um die Verjüngung steht. Landesinventurleiter Wolfgang Stöger erwartet für Bayern keine dramatischen Änderungen im Holzvorrat und der Baumartenzusammensetzung und hat noch ein paar Zahlen parat. „In Bayerns Wälder steht eine Milliarde Kubikmeter Holz. Jedes Jahr wachsen 30 Millionen Kubikmeter nach, das entspricht in etwa einem Kubikmeter pro Sekunde.“ Dabei nehme das Abteil an Laubbaumarten stetig zu. 

Die Förster Thomas Papp-Vary und Max Schüssel haben inzwischen die Aufnahmen an dem Punkt bei Petting abgeschlossen und peilen den nächsten Punkt, etwa vier Kilometer entfernt an. Dort werden sie wieder suchen, messen, die Qualität der Bäume beurteilen und weitere Daten sammeln. In zwei Jahren wird dann Klarheit darüber vorliegen, wie es um die Wälder in unserem Land und in unserer Region steht. 

kon

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