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Das steckt dahinter

Drastische Worte im Gemeinderat Petting: „Pfusch, Murks, und Scheißdreck“

Im Bild die Englhamer Straße vor der Sanierung.
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Im Bild die Englhamer Straße vor der Sanierung.

Im Pettinger Gemeinderat nahm man kein Blatt vor den Mund. Von „Pfusch, Murks und Scheißdreck“ war die Rede.

Petting -  Die neue Straße von Schönram nach Englham sollte vier Meter breit werden. Das ist sie nach einer Sanierung in großen Teilen nicht. Schlimmer noch: Straßenführung, Unterbau, Straßenkanten, all das erntete in der jüngsten Gemeinderatssitzung drastische Kritik. Selbst die Oberfläche ähnle eher einer „Bauernstraße“ als einer frisch asphaltierten Straßenverbindung. Von einem Kompromissvorschlag des Planers zeigten sich die Räte wenig begeistert. Ein neuerlicher Ortstermin soll Klärung, und idealerweise eine Lösung bringen.

„Vom Vereinsheim bis zur Staatsstraße ist die neue Straße bis zu 3,30 Meter schmal“, musste Bürgermeister Karl Lanzinger (CSU) einräumen. Teilweise sei möglicherweise kein Unterbau vorhanden. 3. Bürgermeister Thomas Stippel (Freie Wählergruppe) äußerte Zweifel, ob die Asphaltschicht überhaupt ausreichend stark sei. Reinhard Melz hatte sich eigens vor Ort mit dem Planer getroffen. Der Geschäftsleiter berichtete, dass der Bauingenieur eingestanden hatte, dass vier Meter vereinbart gewesen seien und die Baufirma das Maß wohl eigenständig verringert habe.

Ursprünglich sei vorgesehen gewesen, die abgefräste Teerschicht als Unterbau zu verwenden. Weil aber zusätzlich eine Gasleitung untergebracht werden musste, habe man das Fräsgut abgefahren. „Und dann haben sie wohl selbst entscheiden, einfach draufzuteeren“, schilderte Melz das Gespräch. Als Gegenleistung sei man nun bereit, die Gewährleistungszeit von zwei auf vier Jahre anzuheben. 

„Mit der vereinbarten größeren Breite hätte man sowieso einen Unterbau schaffen müssen“, äußerte Ludwig Prechtl (FW) Unverständnis. Der Vizebürgermeister zeigte sich auch mit der Straßenführung unzufrieden. Zudem habe man extra für eine Ausweichstelle Grund angekauft, „und jetzt fahrst an Lett’n drin.“ Als „hinum herum“ beschrieb Thomas Stippel den Straßenverlauf und sprach von „Pfusch“, während Josef Stippel (FW) erfahren musste, „dass di mit’m Auto so richtig durchbeidlt.“ Den Grund für diese Unebenheiten vermutet Thomas Stippel in der Verwendung einer „zu geringen“ Walze.

Roland Krammer (FW) gibt dem Planer „eine gewaltige Teilschuld“. Planungsbüros kassierten „an Hauf’n Geld“, versagten aber dann. „War der nicht dort?“, fragte Krammer und forderte: „Für so einen Scheiß muss man geradestehen.“ Kritische Worte zur Stellungnahme des Bauingenieurs fand auch Andreas Götzinger (CSU): „Er schreibt 3,80 bis 4,00 Meter, dabei sind es 3,30 Meter und unten beim Schlenker auch nur 3,50 Meter.“ 

Zwei Anekdoten konnte Prechtl zu dieser Causa beitragen: „Da krieg ich einen Herzinfarkt, wenn mir einer erzählt, der Asphalt wird nach Kilo abgerechnet. Drum haben die in Neu-Putzham 25 Zentimeter aufgetragen.“ Ein Arbeiter soll ihm erklärt haben, mit dem Walzen des Asphalts werde auch der Untergrund fester. „Scheißdreck“ sagte Prechtl dazu. Anders als hier bei der Englhamer Straße ist man mit den Ergebnissen in Neu-Putzham, dem Abschnitt Streulach nach Stötten und Wasserbrenner nach Ammersberg „einigermaßen zufrieden“.  

Der angebotenen Lösung, die Straßenränder mit Rasengittersteinen zu ergänzen, misstraut Andreas Breitenlohner (FW): „Dafür brauche ich eine gerade Kante.“ Falls es so gelöst werden sollte, dann mahnte Thomas Stippel einen „gscheidn Unterbau“ an und ein Verlegen mit Magerbeton. Für Franz-Martin Abfalter (CSU) sieht die Sache aus, als habe man „teilweise auf Baaz geteert“, wohingegen Lanzinger „hofft“, dass dort wo Asphalt ist auch ein Unterbau drunter steckt. 

Abfalter überlegte, ob man „aufs Äußerste“ gehen solle, sprich: vor Gericht. Für den Rathauschef stellen sich dabei Fragen: „Ob die Firma den Schaden anerkennt? Ob die Ausschreibung passt?“ Lanzinger gab bekannt, dass sich Anlieger sorgen, mit einer Straßensanierung zusätzlich Lkw-Verkehr „anzulocken“. Dem Wunsch nach einer Tonnagebeschränkung möchte er sich nicht verweigern, weil – erstens – auf dem schmalem oberen Abschnitt Gegenverkehr nicht möglich ist, und – zweitens – die Ausfahrt auf die Staatsstraße unübersichtlich. 

„Wir können hier noch drei Stunden diskutieren“, mochte Thomas Stippel das Thema abschließen. Er schlug vor, sich mit allen Beteiligten vor Ort zu treffen, um zu einer Lösung zu kommen. Dem stimmte der Gemeinderat geschlossen zu.  

Hannes Höfer

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