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Eine Wiese voll Glück in Petting

Schafzüchter Anja und Roman Freimuth belegen bei der Wiesenmeisterschaft den vierten Platz

Anja und Roman Freimuth mögen die Nähe zu ihren Grauen Gehörnten Heidschnucken und kennen jedes Tier bei seinem Namen.
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Anja und Roman Freimuth mögen die Nähe zu ihren Grauen Gehörnten Heidschnucken und kennen jedes Tier bei seinem Namen.

Die Schafzüchter Anja und Roman Freimuth belegen bei der Wiesenmeisterschaft den vierten Platz – für eine Fläche des Traunsteiner Wasserwirtschaftsamtes am Surspeicher.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Petting/Gallenbach - Anja und Roman Freimuth haben bei der Wiesenmeisterschaft 2022 den vierten Platz belegt. Die ökologische Vielfalt am Norddamm des Surspeichers bei Petting überzeugte die Jury. Die Freimuths freuen sich, dass sie es unter insgesamt 23 Bewerbern aus der Öko-Modellregion Waginger See – Rupertiwinkel so weit nach vorne geschafft haben. Wobei: Eigentlich gebührt der Preis den Schafen der beiden. Denn seit die Grauen Gehörnten Heidschnucken am Surspeicher grasen, ist auf der Wiese vieles anders geworden. Auch im Leben der Freimuths haben die Tiere einiges verändert.

Tiere verbessern Biodiversität

Die Vertreter der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und des Bund Naturschutzes in Bayern lobten die Entwicklung der 1,4 Hektar großen, sehr steilen Fläche am Surspeicher, der zum Traunsteiner Wasserwirtschaftsamt gehört. Auf dem Hang wächst und gedeiht, was anderswo nicht mehr zu finden ist. Heidschnucken seien „prädestiniert für Bio-Diversität“, sagt Roman Freimuth, während er daheim in Gallenbach am Küchentisch sitzt. Von der kleinen Küche geht es hinaus auf die Terrasse. Eine Treppe führt ein paar Stufen hinunter in den weitläufigen Garten und die angrenzende Wiese. 37 Heidschnucken stehen hier jetzt im Spätherbst.

Magerrasen mit seltenen Orchideenarten

Im Sommer grasen bis zu 60 Tiere auf verschiedenen Weiden der Region. Am Surspeicher bekommen die Freimuths eine kleine Aufwandsentschädigung, die sonst als Kosten für Mähen, Heuen und Abfuhr anfielen. Vor allem aber profitiert die Natur: Auf dem Magerrasen wachsen wieder mehr Blumen, Kräuter und Gräser, finden sich Spitzwegerich, Zittergras oder auch der Große Wiesenknopf und seltene Orchideenarten. Dazu tragen auch die Schafe bei, weil sie über ihre Wolle und ihren Kot die Pollen verbreiten. Wenn sie fressen, rupfen sie Moos aus dem Boden und sorgen so für dessen natürliche Belüftung. Sie treten nicht auf Bodengelege, festigen aber mit ihren Hufen bei jedem Schritt den Damm. Auch andere Tiere haben dank der Heidschnucken Vorteile: etwa Vögel, die abgefallene Wollreste zum Bau ihrer Nester verwenden. Die Schafe selbst kommen mit auch wenig genussreichen Bedingungen gut zurecht. Eine genügsame Rasse. Gras und Heu– mehr brauchen die Tiere nicht. Gerade diese Widerstandsfähigkeit hatte Anja und Roman Freimuth für sie eingenommen. Vier Jahre ist das her.

Zucht mit reinrassigen Tieren aus den Herdbuch

Angefangen hatte alles mit der Idee, in der Freizeit etwas Neues zu beginnen, etwas Nachhaltiges. Zusätzlich zu den durchaus fordernden Jobs: Anja Freimuth leitet die Grundschule in Saaldorf-Surheim. Ihr Mann kümmert sich als Sozialwirt bei der Lebenshilfe Berchtesgadener Land um Personal- und Verwaltungstätigkeiten. Sie wollte Schafe züchten, er lieber Gänse. Sie setzte sich durch. Und so hielt zunächst jede Menge Fachliteratur Einzug ins Haus, ehe sie Kontakt zu einem Schafzüchter aufnahmen und sich schließlich für die Herdbuchzucht der Grauen Gehörnten Heidschnucken entschieden. Eine Zucht, zu der nur reinrassige Tiere zugelassen sind, die im Herdbuch stehen. „Wir haben uns gedacht: Wenn, dann g‘scheit“, sagt Anja Freimuth.

Von der Idee zur Herzensangelegenheit

Heute ist aus einer Idee längst eine aufwändige Herzensangelegenheit geworden. Mit der Zahl der Heidschnucken wuchs die Menge der Weideflächen. Die Freizeit gehört den Tieren, an jedem Tag, zu jeder Jahreszeit: Graue Gehörnte Heidschnucken kommen im Frühling auf die Welt. Ihre Wolle ist dann komplett schwarz, weil sie besser wärmt. Später verändert sich die Farbe hin zum charakteristischen Grau. Den Unterschied machen Gesichtszüge, Vorlieben und Eigenheiten. An ihnen können die beiden Züchter ihre Schafe auseinanderhalten, was dann auch die Namensfindung erleichtert: „Napoleon“, der Bock und Anführer der Herde. „Josephine“, das IT-Girl damals wie heute. Die „dicke Liesi“. „Hera“, benannt nach der listenreichen Gattin und Schwester des Zeus. „Menelaos“, der Kriegerische, einst König von Sparta. Gemeinsam leben die Tiere das ganze Jahr über draußen. Das Paar kümmert sich um die Pflege der Tiere, zieht mit ihnen im Sommer von einer Weide zur nächsten, hat Ställe gebaut, Gummiwagen umgerüstet. In einem der Wagen übernachtet Anja Freimuth manchmal. Sie genießt die Ruhe und schaut ihren Heidschnucken beim Grasen zu. Dieses Geräusch, wenn die Schafe das Gras rupfen, wirke auf ihn beruhigend, sagt Roman Freimuth. Überhaupt ist die Schafhaltung für ihn „Schaf-Yoga“. Ein Ausgleich. Ein Ankommen bei sich selbst.

Ohne Nachhaltigkeit geht es nicht

Doch mit Romantik und positiven Schwingungen allein hat das Schafzüchten wenig zu tun. Zucht erfordert Anstrengung, Sachkenntnis – und die Einsicht, dass die Tiere auch getötet werden müssen. Geschlachtet wird zwei Mal im Jahr. Roman Freimuth bringt die Tiere dann selbst zu einem kleinen, regionalen Schlachthof und bleibt bis zum Ende bei den Tieren. Er ist bemüht, die Sache pragmatisch zu sehen – und sagt doch: „Die Tage davor sind bitter, da fließen auch mal Tränen.“ Vielleicht gerade deshalb ist es beiden ein Anliegen, das geschlachtete Schaf „komplett zu verwerten“: Das Fleisch wird im Ganzen verkauft oder selbst genutzt, das Fell gegerbt und ebenfalls verkauft. Auch die ausgekochten Hörner finden Käufer, ebenso wie die Wolle. Selbst die Knochen werden nicht weggeworfen: Sie dienen als Futter für Fenn und Nukka, die beiden Hunde.

Ein Leben ganz ohne die Heidschnucken-Zucht? Für Anja und Roman Freimuth scheint das nicht mehr denkbar. Im Gegenteil: Zurück am Küchentisch in Gallenbach nimmt Roman Freimuth noch einmal die Urkunde der Wiesenmeisterschaft in die Hand. Er schaut kurz auf und sagt: „Am Anfang hat es mich manchmal gestresst. Irgendein Schaf hat immer was. Aber mittlerweile würde ich die Zucht gerne ausbauen.“

Zusatzinfo:

Am Surspeicher bieten Anja und Roman Freimuth im Sommer auf Anfrage gerne Führungen an, informieren über ihre Arbeit und die Natur vor Ort. Auf Instagram unter @mariaaufderweide geben Bilder und kurze Videos schöne und witzige Einblicke in ihr Leben mit den Grauen Gehörnten Heidschnucken.

Pressemitteilung Wasserwirtschaftsamt Traunstein

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