Piding wird „im Windschatten Berchtesgadens fahren“

Gemeinsamer BGL-Tourismus an zwei Personen und drei Marken gescheitert

BGLT Archivbild
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Bilder aus glücklicheren Tagen, im April 2018 wurde die neue BGLT-Satzung offiziell unterzeichnet, im Bild v.l. die ehemalige BGLT-Chefin Maria Stangassinger, Ex-Geschäftsführer der BGLT-Neu, Peter Nagl, Ex-Vorsitzender der TRBK Franz Rasp, und Brigitte Schlögl, zuständig für die Alpenstadt innerhalb der BGLT.

Berchtesgaden, Piding - „Die Drei-Marken-Strategie mit zwei Geschäftsführern ist gescheitert an Persönlichkeiten und am Kirchturmdenken“, so Grünen-Sprecher im Landkreis, Bernhard Zimmer.

„Jetzt bekommt jeder zu seiner Marke seine eigene Gesellschaft und dann sollen sie losrennen“. Die Gemeinde Piding wird sich weiter von der erfolgreichen Marke „Berchtesgaden“, also von der TRBK vermarkten lassen, für 50.000 Euro im Jahr (Anmerkung der Redaktion: Fälschlicherweise wurde zuerst eine Summe von 20.000 Euro berichtet) bekomme man hier die beste Leistung. Zimmer sieht in einem Exklusiv-Interview mit BGLand24 die Gründe für das Ende der gemeinsamen Tourismus-Vermarktung des Landkreises schon in den Anfängen der neuen BGLT, die die Grünen von Beginn an kritisch begleitet hatten. Der Markenprozess startete 2014 vorallem deshalb, weil sich Bad Reichenhall von der BGLT, also von Berchtesgaden aus nicht gut genug vertreten fühlte.

Der ehemalige BGLT-Geschäftsführer Stephan Köhl hätte sich unter der Strukturreform eine schlankere Gesellschaft vorgestellt, „dann ist ihm die Sache entgleist, am Ende gab es zwei Tourismus-Marken und mit der Wirtschaft auch noch eine dritte Marke“, so Zimmer. Köhl und der mittlerweile ehemalige Chef der Wirtschaftsförderung, Thomas Birner, hätten Tourismus und Wirtschaft gemeinsam aufstellen sollen, „Köhl hat wohl den kürzeren gezogen“.

Drei Marken statt einer Man habe sich mit ‚Brand Trust‘ und Christoph Engl einen Experten an Bord geholt, der allerdings zuerst eine Ein-Marken-Strategie propagierte nach dem erfolgreichen Beispiel Südtirol. Sein Gutachten lässt sich in einem Satz zusammenfassen: „Berchtesgadener Land kennt niemand, Berchtesgaden hingegen ist ein Selbstläufer“. Allerdings sei die Politik nicht dem Marken-Papst gefolgt sondern wollte unbedingt zwei Marken etablieren, also Berchtesgaden mit dem „mächtigsten Bergerlebnis“ und Bad Reichenhall als „die Alpenstadt“, der Verein „Erlebnisregion Berchtesgadener Land“, fälschlicherweise oft als Verein Rupertiwinkel bezeichnet, sei dann als Anhängsel an Berchtesgaden angegliedert worden. „Diese Zwei-Marken-Strategie war von Anfang an sehr kompliziert, einer der zwei Geschäftsführer musste bald gehen, offiziell heißt es‚ im gegenseitigen Einvernehmen‘“, so Zimmer.

Rupertiwinkel ohne Einfluss

Warum der Verein „Erlebnisregion Berchtesgadener Land“, also die Kommunen im nördlichen Landkreis, nicht wichtig genug war zeigt schon ein Blick in die Struktur der bisherigen BGLT-Gesellschaft. So hält die TRBK, also Berchtesgaden und vier weitere Talkessel-Gemeinden 57,5 Prozent, Bad Reichenhall 25,2 Prozent und die Erlebnisregion 17,3 Prozent. „Die Gemeinden im nördlichen Landkreis wollten zwar immer mitreden, hatten aber keine Mehrheit, das Tagesgeschäft hat von Anfang an Berchtesgaden dominiert“. Dass Bad Reichenhall eine eigene Marke wollte sei aus Sicht der Kurstadt verständlich gewesen, aber auch die gemeinsame, neue BGLT habe man nicht unterstützt, „die Reichenhaller wollen am Ende ein Stadtmarketing machen, warum sollte das die TRBK mit betreuen?“, fragt der Grünen-Sprecher und Kreisrat Bernhard Zimmer.

Werbung im Norden wider besseren Wissens?

Schon bei der Satzung der neuen BGLT seien rechtliche Fehler passiert, „mit sehr komplizierten Betrauungsakten musste das repariert werden“. Mit hohem Aufwand habe man versucht, alle Gemeinden außerhalb des Talkessels und außerhalb Bad Reichenhalls an Bord zu holen, „Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp ist von Gemeinde zu Gemeinde getingelt um für die neue BGLT zu werben, obwohl er noch zuvor meinte, touristisch brauche die ehemaligen Rupertiwinkel-Gemeinden kein Mensch“. Am Ende hätten die Gemeinderäte nicht mehr gewusst, welche Strukturen sie eigentlich beschließen.

Verständnis für Berchtesgaden

Dass die fünf Gemeinden im Talkessel im September überraschend die gemeinsame BGLT verließen und auch die Marke „Berchtesgaden“ mitnahmen wundert Zimmer nicht wirklich, „ich habe den Eindruck Reichenhall will alleine sein und politisch entscheiden, aber wenn man ehrlich ist waren sie in den vergangenen zehn Jahren nicht wirklich erfolgreich, der Stadt haftet das Kur-Image an und die Kuren sind tot“. Doch auch in der TRBK blieb kein Stein auf dem anderen, die Vorsitzenden Franz und Hannes Rasp, Bürgermeister von Berchtesgaden und Schönau, wurden abgelöst von Bartl Wimmer von den Grünen, sowie Hannes Rasp und Thomas Weber. „Man sieht also wer fehlt“, umschreibt Zimmer mit dieser Antwort die Frage, an welchen Persönlichkeiten die neu aufgestellte BGLT gescheitert sei, um dann noch den mittlerweile abgewählten Oberbürgermeister Herbert Lackner zu erwähnen, „der wollte Probleme einfach aussitzen“.

Piding im Windschatten

Seine Heimatgemeinde Piding hätte sich einstimmig für die weitere Betreuung durch die TRBK ausgesprochen, „wir fahren im Windschatten einer starken Marke und bekommen für 50.000 Euro pro Jahr sehr viel an Leistung, schon bisher von der BGLT und jetzt dann halt von der TRBK“, so Zimmer, der auch Grünen-Gemeinderat in Piding ist. Mit dem alpinistisch interessanten Pidinger Klettersteig und einem Rad- und Wandergebiet am Högl könne Piding einen wesentlichen Beitrag zum Bergerlebnis beitragen. Eine „Abwendung“ von der neuen BGLT, die künftig rein die Marke „Bad Reichenhall“ vermarkten wird, sei zwingend gewesen, „und im Ergebnis setzt Piding auch weiterhin auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Sinne des touristischen Marketings und noch viel wichtiger der Gästebetreuung vor Ort“.

Sowohl Piding, als auch Anger würden die Situation pragmatisch lösen, denn in beiden Gemeinden spiele der Tourismus eine untergeordnete Rolle, „die Unterstützung durch einen starken Partner, also der TRBK, mit professionellen Strukturen sichert den Bestand und erschließt zukünftige Entwicklungen“, ist Zimmer überzeugt. Die Gäste würde es ohnehin nicht kümmern, die würden weiterhin Urlaub „in Berchtesgaden“ machen, auch wenn sie in einer Ferienwohnung am Högl einquartiert sind.

hud

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