Von Dorfmolkerei zur Premiummarke

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Auf der 82. Generalversammlung der Molkerei Berchtesgadener Land wurden neue Mitglieder in Vorstand bzw. Aufsichtsrat gewählt: Felix Spitzwieser aus Ach in Österreich (AR, 3. v. li.), Josef Käser aus der Liefergemeinschaft Penzberg (AR, 4.v.li), Martin Sappl aus Bad Tölz (AR, 5.v.li) und Stefan Gnadl aus Übersee (V, 1.v. re.) Außerdem mit im Bild: Geschäftsführer Bernhard Pointner (2.v.re.), Vorstandsvorsitzender Andreas Argstatter (1.v.li.), Aufsichtsratsvorsitzender Josef Siglreithmayr (2. v. li.)

Piding - Mitte April lud die Genossenschaftsmolkerei Berchtesgadener Land traditionell ihre Mitglieder und damit Eigner nach Berchtesgaden zur Generalversammlung ein.

405 Landwirte entlang der Alpenkette von Penzberg bis Salzburg folgten der Einladung und wurden aus erster Hand informiert. In 2013 konnte man alle Bilanzparameter aus 2012 nochmals steigern. Der Umsatz stieg auf 210 Millionen inkl. Frischdienst, es wurden über 250 Millionen Kilogramm Milch entlang des Alpenkamms erfasst und dafür 111 Millionen Euro Milchgeld an die Genossenschaftsmitglieder überwiesen.

Aufsichtsratsvorsitzender Josef Siglreithmayr begrüßte die Mitglieder, besonders Kreisobmann Anton Kern vom Bayerischen Bauernverband sowie die Kreisbäuerin für das Berchtesgadener Land Maria Krammer im Kurhaus in Berchtesgaden. Er ließ das Milchwirtschaftsjahr 2013 Revue passieren, das durch den ungewöhnlich langen Winter 2013 in Europa, einer Dürre in Neuseeland und der wachsenden Nachfrage insbesondere aus China gekennzeichnet war. Die dadurch gesteigerte Auslandsnachfrage führte zu steigenden Milcherzeugerpreisen im Inland. "Für unsere Molkerei bedeutet ein Cent Milchpreisanhebung aufs Jahr gerechnet 2,5 Millionen Euro Mehrkosten! Schön, dass es auch dieses Jahr der Geschäftsführung und den Verkäufern gelungen ist, den Lebensmittelhandel in - wie immer - schwierigen Verhandlungen von den nötigen Preissteigerungen zu überzeugen, um den für uns Bauern so wichtigen Anstieg des Milchpreises realisieren zu können," schloss Sieglreithmayr.

Keine Angst vor Milchquoten-Wegfall

Vorstandsvorsitzender Andreas Argstatter stellte in seinem Bericht den in 2015 anstehenden Ausstieg der EU aus der Milchmengenstützung und deren Auswirkung auf die eigene Genossenschaft in den Mittelpunkt. Das vergangene Milchjahr habe gezeigt, dass für Milch gelte: Angebot und Nachfrage weltweit regeln den Preis, und nicht alleine die von den Bauern erzeugte Rohmilchmenge. So entwickelten sich die Milcherzeugerpreise deutschlandweit nach oben, obwohl die Anlieferung ebenfalls um 2,02 % auf über 30 Millionen Tonnen gesteigert wurde. Es gebe zwar keine Garantien für weiter anhaltend hohe Milchpreise, aber auch nach dem Wegfall der Quote zum April 2015 werden diese Marktgesetze gelten, ist sich Argstatter sicher. Daher werde der Quotenwegfall auch immer weniger emotional diskutiert. Sorge bereiten hier eher die geplanten Maßnahmen der chinesischen Regierung in eigene Molkereien in Europa zu investieren, um so auf die Versorgung Einfluss zu nehmen. Die Landwirte unserer Molkereigenossenschaft haben 0,25 Millionen Tonnen bzw. 0,83% der deutschen Milchmenge erzeugt. Der Milcherzeugerpreis in Piding stieg 2013 um 23% von 34 auf 42 Cent, bei Biomilch auf 50 Cent für Naturland- und 51 Cent für die angelieferte Demetermilch. Diese Steigerungen waren und sind für uns Bauern ganz wichtig um die gestiegenen Kosten für z.B. Energie und Diesel zu kompensieren, so Argstatter. Besonders im Hinblick auf die laufenden Baumaßnahmen des neuen Logistikzentrums in Piding sei es erfreulich, dass der Milchpreis auf diesem hohen Niveau gehalten werden konnte. Mit dem Wegfall der Quote wird der Milchpreis komplett den Marktgesetzen unterworfen, sodass dann alleine Verarbeitung, erfolgreiche Vermarktung und das Ansehen einer Molkerei bei Handel und Endkunden über die Höhe des Milchgeldes der Zukunft entscheiden wird. Erfreulich ist, dass unsere Molkerei die großen Konsumtrends der Gesellschaft wie Herkunft und Premiumqualität durch passende Produkte seit Jahren erfolgreich bedient und die Verbraucher nicht nur zu Käufern, sondern zu Markenfans macht.  

Produkttests von Stiftung Warentest, Ökotest und der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft haben als Neutrale die Premiumqualität auch 2013 in verschiedenen Test bestätigt. Und selbst das ZDF hat die hohe Wertigkeit der Bergbauernmilch bei in Auftrag gegebenen Milchuntersuchungen durch die Uni Jena im vergangenen Jahr erneut bestätigt. Als Eigner dieser Molkerei dürfen wir alle zusammen stolz sein, ist doch unsere Genossenschaftsmolkerei noch komplett in traditioneller Bauernhand. Für die Zukunft wünschte sich Argstatter, dass langjährige wie auch neue Mitglieder diesen Genossenschaftsgedanken spüren und weitertragen, denn im Gegensatz zu anonymen Großkonzernen zähle bei Berchtesgadener Land noch der einzelne Mensch. Wenn wir weiterhin Rohmilch mit besten Qualitätswerten und Inhaltsstoffen aus unserer Alpenregion erzeugen, dann brauchen wir auch keine Angst vor der Zukunft haben, ist sich Argstatter daher sicher. Er dankte den Mitgliedern des Vorstands und Aufsichtsrats für die konstruktive Zusammenarbeit und den Landwirten für die tagtägliche Arbeit bei der Herstellung hochwertigster Milch.  

Von der Dorfmolkerei zur Premiummarke

Bernhard Pointner zeigte sich erfreut über das erreichte Betriebsergebnis, das alle Bilanzparameter aus 2012 nochmals toppen konnte. Der Umsatz stieg auf 210 Millionen inkl. Frischdienst, es wurden 253 Millionen Kilogramm Milch entlang des Alpenkamms erfasst und dafür 111 Millionen Euro Milchgeld an die Genossenschaftsmitglieder überwiesen. Damit ist die Molkerei Berchtesgadener Land wieder bei den Bestauszahlern in Deutschland für konventionelle Milch, die Nr. 1 bei Demetermilch und auch die Nummer 1 in Österreich laut der aktuellen Veröffentlichung der Fachzeitschrift top agrar. Möglich gemacht haben das nicht zuletzt die 360 Mitarbeiter, die laut der aktuellen AOK-Krankenstatistik die niedrigste Krankenquote im Landkreis anführen, voll hinter der Molkerei stehen und nicht nur einen Job machen, sondern begeistert ihren Beitrag zur Entwicklung des modernen Molkereistandortes leisten. Sie sehen zu Recht jeden Erfolg den das Unternehmen erzielt auch als ihren eigenen Erfolg. Mit einem Zwischenapplaus dankte die Generalversammlung den Mitarbeitern dafür. Der einfache Weg sei oftmals auch der falsche Weg. Darum sei man stolz über Jahrzehnte den oft schwierigen Weg gewählt zu haben und mit dieser Strategie erfolgreich am Markt zu sein. So sei man heute Vizemeister im Marktsegment Frischmilch national. Die in 2013 realisierte Umsatzsteigerung von über 20 Millionen Euro sei vor allem das Ergebnis von gelungener höherer Veredlung und damit Wertschöpfungssteigerung. So sei es im Jahr 2013 gelungen Neuprodukte wie die H-Frühstücksmilch in Bayern sowie ein laktosefreies Bio-Alpenmilchsortiment national am deutschen Naturkostmarkt zu platzieren, das jüngst durch Haltbare Milch ergänzt wurde; außerdem konnte das Exportgeschäft weiter ausgebaut werden. Insgesamt konnten über 200 Neulistungen im Handel erreicht werden. Das zeige, dass die Marke Berchtesgadener Land ein sehr hohes Ansehen im Handel genieße und sich heute in die Reihe der echten Premiummarken einreihe. Hintergrund hierfür sind insbesondere die hohen Anstrengungen in Sachen Qualität, so Pointner. So habe man sich schon vor über 20 Jahren klar gegen die Ausbringung von Klärschlamm auf Futterflächen ausgesprochen, füttere seit 2010 garantiert gentechnikfrei. Inzwischen haben über 1000 Teilnehmer an den in der Molkerei angebotenen Homöopathieschulungen für die Rinderhaltung teilgenommen um bewusst den Einsatz von Antibiotika und anderen konventionellen Tierarzneimitteln zu vermeiden. Und ganz aktuell werde als Alternative zu bisher handelsüblichem Viehsalz Natursteinsalz aus dem Bergwerk in Berchtesgaden als natürliche Alternative eingeführt. So sei man von einer Dorfmolkerei zu einer festen Größe im Premiumsegment des Lebensmittelhandels geworden. Dies alles sei letztendlich nur mit einer starken Gemeinschaft zu stemmen, die man in der guten Zusammenarbeit zwischen Vorstand, Aufsichtsrat, Mitgliedern, Mitarbeitern und der Geschäftsführung immer wieder spüren kann.

Pointner enttäuscht von der Politik

Während man von Molkereiseite immer bemüht sei, die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden bestmöglich zu erfüllen, sehen die politischen Vertreter einfach weg, stellt Pointner enttäuscht fest. Nur so sei eine Enthaltung in Sachen grüne Gentechnik zu erklären, gegen die sich weit über 80% der Bevölkerung ausgesprochen haben. Ausgenommen von dieser Kritik möchte Pointner Landrat Georg Grabner wissen, der die Molkereientwicklung von jeher vollumfänglich unterstützt habe und auch den wiedergewählten 1. Bürgermeister Pidings Hannes Holzner, der bereits wieder seine volle Unterstützung zugesagt habe.

Abschluss wieder vorbildlich in der Branche

Vom bayerischen Genossenschaftsverband leitete Oberrevisor Johann Jobst die Abstimmungen über die Genehmigung des Jahresabschlusses und die Verwendung des Reingewinns. Das gute Ergebnis spiegle die erfolgreiche Steigerung der Marktanteile sowie die damit erreichten Mengen- und Auslastungsteigerungen in den Anlagen wider. Durch den in zwei Monaten geplanten Umzug ins neue Logistikzentrum, das auf dem Nachbargelände errichtet wurde, sei die Molkerei gut auf dem Weg. Die Molkerei sieht Jobst als Vorzeigebetrieb und für die Zukunft optimal aufgestellt und bezeichnete sie als „Perle in der Genossenschaftslandschaft“. Dies mache den Landwirten die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat sicher leicht. In den Gremien des Vorstands und Aufsichtsrats standen turnusgemäß Wahlen an. Einstimmig wurde Stefan Gnadl, Naturlandbauer aus Übersee für den ausscheidenden Kaspar Rest neu in den Vorstand gewählt. Im Amt des Aufsichtsrats wurden Josef Siglreithmayr, Georg Demmel und Gerhard Huber bestätigt; für den aus persönlichen Gründen die Milchviehhaltung aufgebenden und damit ausscheidenden Markus Brunner wurde Felix Spitzwieser aus Ach in Österreich neu in das Gremium gewählt. Außerdem zusätzlich und neu im Gremium: Josef Käser aus der Liefergemeinschaft Penzberg und Martin Sappl aus Bad Tölz – mit 34 Jahren das jüngste Mitglied. So besteht der Vorstand aus 5 und der Aufsichtsrat aus 14 aktiven Landwirten zwischen Isar und Salzach. Zudem beschloss die Versammlung einstimmig eine Milchgeldnachzahlung in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Alle Abstimmungen fanden per Akklamation, also mit Handzeichen statt.

Rest verabschiedet sich

Kaspar Rest, seit 2001 nun insgesamt 13 Jahre aktives Vorstands- bzw. Aufsichtsratsmitglied in der Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land, nutzte die Generalversammlung um sich bei den Mitgliedern persönlich zu verabschieden. Er werde im laufenden Jahr seinen Hof an seinen Sohn übergeben; damit ende auch sein Ehrenamt im Vorstand, das nur von aktiven Landwirten ausgeübt werden darf. In seiner aktiven Zeit habe er große Projekte mitbegleiten dürfen, die zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht immer einfach gewesen seien. Der Milchstreik kostete Nerven und erforderte viel Rückgrat um die Auswirkungen auf unsere Molkerei richtig zu bewerten und diese Meinung nach innen und außen zu kommunizieren. Und auch die Verabschiedung des großen Investitionspaketes von über 60 Millionen Euro für ein weiteres Hochregallager, eine neue Verladung und Waschhalle erforderte viele „Wenn und Aber“ abzuwägen. Heute, wo die Neubauten fast fertig sind und wir trotzdem im Milchpreis national vorne dran sind, kann man sagen: Die Entscheidungen waren richtig. Rückblickend stellte Rest daher fest: „Wir haben viel bewegt in dieser Zeit und die richtigen Weichen für die Zukunft der Molkereigenossenschaft gestellt.“ Waren es zu Beginn seiner aktiven Mitarbeit 134 Millionen Kilogramm Milch, so sind es heute über 250 Millionen Kilogramm Milch aus der Berg- und Alpenregion und in Kürze werden weitere 100 Bergbauern aus dem Werdenfelser Land und dem Staffelseegebiet dazu stoßen.

Glückwünsche vom Kreisobmann

Herr Anton Kern vom Bayerischen Bauernverband beglückwünschte die Landwirte der Molkerei Berchtesgadener Land zu dem wieder sehr guten Jahres abschluss und dem damit möglichen überdurchschnittlichen Milchpreis. Um die Milchwirtschaft im Berggebiet auch zukünftig leistungsfähig zu erhalten setze er sich für eine stärkere Förderung von kleinen Betrieben und für ein zusätzliches Stallbauförderprogramm ein. Mit dem Zitat des italienischen Dichters Dante Alighieri (1265 - 1321) „Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an und handelt.“ empfahl er den Landwirten eine weiterhin aktive Zukunftsgestaltung der landwirtschaftlichen Betriebe und ihrer Molkerei.

Pressemitteilung Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG

Quelle: BGland24.de

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