Milchquote: Das sagen unsere Molkereien

  • schließen
  • Weitere
    schließen
  • schließen

Piding/Waging - Das Ende der Milchquote treibt die Bauern um: Sie befürchten fallende Preise. Die Molkereien sehen den Markt jetzt schon einbrechen und erwarten ein "Preistal".

Das Ende naht: Mit 1. April könnte sich auf den Milchmärkten einiges verändern. Die sogenannte Milchquote wird abgeschafft. Bisher wurde Überproduktion noch sanktioniert, nun konnten die Märkte wieder "überschwemmt" werden. Fallende Milchpreise wären die logische Folge. "Wenn der Preis wieder fällt, dann wird's bei uns zum Aufhören", befürchtete Johann Helminger gegenüber BGLand24.de erst kürzlich. Mit 15 Kühen gehöre ein Hof wie seiner zu den Leidtragenden.

Die überschüssige Milch könne nun abgegeben werden

Knapp 33 Cent pro Liter bekommt er momentan bezahlt. Sein Abnehmer: Die Molkerei Bergader in Waging. Dort sieht man die Situation für die Bauern aber weniger dramatisch: "Viele Bauern haben mit der überschüssigen Milch bisher ihre Kälber gefüttert. Diese Milch kann in Zukunft dann auch zusätzlich abgegeben werden", so Johann Krautenbacher von Bergader. Der Leiter der Milchbeschaffung sieht also eher die Potenziale im Wegfall der Milchquote.

Pünktlich mit dem Ende der Regelung stehen im April neue Verhandlungsrunden zwischen der Molkerei und den Milcherzeugergemeinschaften an, die die Landwirte vertreten. Es geht um neue Milchpreise. An schnelle Veränderungen glaubt man in Waging aber nicht: "Wir erwarten nicht, dass dadurch die Milchmenge gleich stark steigt", so Krautenbacher. Gefahren durch einen möglichen Preisverfall sieht er aber eher für die Vollerwerbsbetriebe: "Für die könnte das eher gefährlich werden. Die Nebenerwerbler haben ja noch andere Standbeine, wie den Fremdenverkehr zum Beispiel."

Milchquoten-Ende als Druckmittel der Molkereien?

Prinzipiell könnten sich die heimischen Bauern ohnehin glücklich schätzen, betont Johann Krautenbacher: "In Bayern werden noch viel höhere Milchpreise gezahlt, weil wir hier viele Markenhersteller haben, die auch speziellere Produkte herstellen. Im Norden sind die Preise dagegen viel niedriger, da setzt man mehr auf Massenware wie Schnittkäse oder Milchpulver." Vermutlich ein schwacher Trost. Für Landwirt Helminger aus Oberndorf (Gemeinde Teisendorf) ist auch der derzeitige Milchpreis um rund zehn Cent zu niedrig: "Ab 42 Cent pro Liter könnten wir wirklich kostendeckend wirtschaften." Ohnehin befürchtete er, dass der Wegfall der Milchquote den Molkereien als Druckmittel für niedrigere Preise dienen könnte.

Stabiler Preis vor neuen Investitionen

Etwas anders sieht die Situation bei den "Milchwerken Berchtesgadener Land" in Piding aus. Die Molkerei ist ein Genossenschaftsbetrieb und damit faktisch im Besitz der rund 1800 Bauern, die ihre Milch nach Piding schicken. 37,5 Cent erhalten die Landwirte dort pro Liter: "Diesen Preis wollen wir so lange wie möglich halten", so Barbara Steiner-Hainz von den Milchwerken gegenüber BGLand24.de: "Wenn nötig, werden wir auch bereits geplante Investitionen zurückstellen."

Markt bricht jetzt schon ein

Auch heuer soll ein "überdurchschnittlicher" Milchpreis bezahlt werden - obwohl gerade Landwirte im Gebirge einen aufwändigeren und arbeitsintensiveren Job hätten. Wie sich der Wegfall der Milchquote in der EU auf den Weltmarkt auswirkt, traut man sich in Piding noch nicht zu sagen - aber Steiner-Hainz spricht von einem "erwarteten Preistal" durch das Ende der Regelung.

Erst vor kurzem musste auch der Geschäftsführer der Milchwerke, Bernhard Pointner, feststellen, dass "der Markt aktuell deutlich einbricht. 2015 wird ein ganz spezielles Jahr in der Geschichte der gesamten Milchbranche." Ein Satz der in den Ohren vieler Landwirte, trotz aller Beschwichtigungen der Molkereien, aber sicher alles andere als vielversprechend klingt.

xe 

Quelle: BGland24.de

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

Zurück zur Übersicht: Piding

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser