Keine neue Mauer an der Grenze

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Werner Neun erläuterte BGLand24 die Änderungen am Autobahn-Grenzübergang Walserberg.
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Bad Reichenhall/Piding - Bei den heimischen Schleierfahndern brach jüngst Ungewissheit aus. Einige befürchteten gar den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Was war da los?

BGLand24 hat sich erkundigt, was dahinter steckt: Eine EU-Abgeordnete hatte die Geschwindigkeitsbegrenzung an der bayerisch-österreichischen Grenze am Walserberg bei Piding moniert. Sie fordert die Umsetzung der EU-Richtlinien: "Freie Fahrt für freie Bürger" - obwohl die meisten Autobahn-Kilometer auf rot-weiß-rotem Bundesgebiet "geschwindigkeitsreduziert" daherkommen!

In beiden Richtungen ist seit 1. April 1989, mit Öffnung der Grenzen nach den Bestimmungen des Schengener Abkommens, die Geschwindigkeitserlaubnis im Berech der Linie zwischen dem Berchtesgadener und dem Salzburger Land auf 60 km/h reduziert. Das ist den Österreichern offenbar viel zu wenig.

Lkw als Gefahrenpotenzial

Auf bayersicher Seite weiß man jedoch: "Die Geschwindigkeitsbegrenzung dient in erster Linie der Sicherheit", so Werner Neun, Chef der Polizeiinspektion Fahndung Traunstein und somit auch der Schleierfahnder in Piding-Urwies. Exakt auf der Grenzlinie gibt es eine Ausfahrt aus dem Tankstellenbereich. "Wenn man dort ungebremst durchrauschen kann, wird's gefährlich", so Neun. Denn die großen Lkw kommen - aufgrund einer leichten Steigung - nur schwer in die Gänge. Besonders gefährlich wird's, wenn beispielsweise Rückreiseverkehr an einem schönen Ski-Wochenende einsetzt.

Für die Schleierfahnder haben die derzeit noch erlaubten 60 km/h einen zusätzlichen Vorteil - wenngleich sich viele nicht an diese Begrenzung halten: "Wir können so ideal in die Fahrzeuge schauen". Vor vielen Jahren wurden sogar zwei starke Strahler installiert, um auch nachts gut sondieren zu können. Die Fahnder schauen in erster Linie auf illegale Fahrzeuge und Einreisende sowie mögliche Drogentransporte und andere unerlaubte Transporte.

Die unbekannte Politikerin

Die EU-Abgeordnete forderte per Eingabe an die Bundesrepublik Deutschland freie Fahrt ohne Begrenzung sowie eine bis zu 1,50 Meter hohe und rund 200 Meter lange Mauer. Für was die Mauer gut sein sollte? Darüber rätselt man auf bayerischer Seite bis heute. Eine Nachfrage bei jener Politikerin aus dem Alpenstaat ist nicht möglich, der Name bleibt geheim.

Bilder vom Walserberg:

Änderungen am Walserberg

Von Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer kam die Eingabe schließlich bei der Autobahnmeisterei in Siegsdorf an und sickerte bis zu den Schleierfahndern durch - worauf dort freilich helle Aufregung herrschte. "Wenn das alles durchgeht, vor allem die Mauer, verlieren wir womöglich unseren Job", so ein Betroffener, der sich an BGLand24 wandte, aber nicht namentlich genannt werden möchte. Auch Werner Neun zeigte sich überrascht: "Wir wussten zunächst überhaupt nicht, was das soll und wie wir damit umzugehen haben".

Schleierfahnder können aufatmen

Polizeihauptkommissar Jörg Gschwend beim Gespräch mit BGLand24.

Mittlerweile gibt es jedoch Entwarnung: Die Geschwindigkeitsbeschränkung auf 60 km/h fällt zwar weg, wird aber mit der Heraufstufung auf 80 km/h nur leicht erhöht. "Somit können unsere Fahnder weiterhin gut in die Fahrzeuge sehen", weiß Werner Neun, der seit 1. Februar die vorläufige Leitung der Polizei in Urwies übernahm. "Damit können wir gut leben, die Sicherheit ist im Rahmen der Möglichkeiten gegeben". An der Grenze sind Bundespolizei, Polzei und Zoll mit 80 Schleierfahndern (zehn Fahrzeuge) im Einsatz, 50 davon auf der Straße.

Betonleitwände auf 200 Metern Länge

Für Neun's Mitarbeiter jedoch die wichtigste Nachricht: Eine Mauer wird nicht gebaut. Stattdessen werden sogenannte Betonleitwände installiert, über die die heimischen Fahnder immer noch gut sehen können. Warum müssen diese sein? "Sie sollen der zusätzlichen Sicherheit dienen", berichtet Werner Neun, denn der Bereich sorgt immer wieder für Gefahr. Viele Lkw-Fahrer laufen - selbst nachts - einfach über die Autobahn, weil auf österreichischer Seite ein Hotel, Restaurants und andere Freizeitangebote locken. Erstaunlich, dass dabei noch nichts passiert ist. Es gibt zwar zwei Fußgänger-Unterführungen, doch die werden von den Brummi-Fahrern oft nicht wahrgenommen.

Bis Ende Mai sollen die Änderungen am Grenzübergang Walserberg vollzogen sein.

Hans-Joachim Bittner

Quelle: BGland24.de

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