Praktischer Klimaschutz: Hausdämmung

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Referent und Energiefachberater Gerhard Marx brachte anschauliche Muster verschiedener Wärmedämmverbundsysteme mit, die auf reges Interesse der Zuhörer stießen.

FREILASSING - Trotz Milliarden Förderung werden zuwenig Altbauten energetisch saniert. Weitere Anstrengungen sind nötig um die gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen.

Die Grüne/Bürgerliste Freilassing ermutigt in ihrer Veranstaltung im Gasthaus Rieschen, die Bürger doch noch mehr in die Wärmedämmung zu investieren. Ebenso werden die Bemühungen der Stadt Freilassing unterstützt, den örtlichen Erdölverbrauch zu reduzieren. Eine lohnende Investition nicht nur finanziell, sondern auch für das Wohl und die Zukunft der Kinder.

Jeder Liter Öl setzt bei der Verbrennung 3,2 Kilogramm Kohlendioxid (CO²) frei und schädigt unser Klimasystem. Mit zehn Tonnen CO² im Jahr belastet ein deutscher Bürger das Klima, ein Nigerianer kommt lediglich auf eine halbe Tonne. Verursacht werden diese Emissionen überwiegend durch das Verbrennen fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas. "Die Atmosphäre heizt sich auf, Eismassen schmelzen und heftige Überschwemmungen, Stürme aber auch Dürren sind die Folge. Diese Katastrophen belasten die Menschheit weit aus mehr als die ebenso furchtbaren Erdbeben", berichtete eingangs Wolfgang Fieweger. Als langjähriger Aktivist zum Schutze des Klimas hat er sich auf die Energieproblematik spezialisiert und federführend die Aktion „Sonnenstrom vom Watzmann bis zum Wendelstein“ geleitet.

Klimaexperten und Umweltschutzverbände fordern seit Jahren eine Reduzierung der Treibhausgase um unseren Kindern eine halbwegs sichere Zukunft zu bieten. Es muss alles getan werden, um eine weitere Erwärmung der Atmosphäre zu verhindern. Deshalb hat es sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, eine CO²- Reduktion von 80% bis zum Jahr 2050 zu erreichen, was auch den grundsätzlichen Forderungen der Klimaschützer entspricht.

Erfolg mit den drei E´s

"Gemeinsam erreicht man dieses, wenn man die drei E´s der intelligenten Energiepolitik beachtet. Energieeinsparen, mehr Effizienz und der Umstieg auf Erneuerbare Energien", so Fieweger. Energiesparlampen sind weitaus sparsamer als die alten Glühbirnen, die Kraftwärmekoppelung um Längen effizienter als eine Ölheizung. Die Nutzung von Sonne, Wind, Geothermie und Biomasse ist CO² frei und wird Öl, Gas, Kohle aber auch Atomkraft ablösen. Jeder Einzelne hat nicht nur die Möglichkeit, sondern auch eine Verantwortung für die kommenden Generationen, hier den Hebel anzusetzen. Drei Viertel der im privaten Haushalt benötigten Energie wird für das Heizen benötigt. Statistisch sind das derzeit 16 Liter Heizöl pro Quadratmeter im Jahr. Ziel ist es auf unter 4 Liter bzw. 40 Kilowattstunden zu kommen. Entsprechend reduziert sich das CO² von über 50 auf 10 Kilogramm. In der Praxis zeigt sich aber, dass es nicht so leicht ist alte Gebäude rasch auf einen Niedrigenergiehausstandart zu drücken. In der Regel werden Einsparungen von 30 Prozent erreicht.

Die Häuserdämmung: der wichtigste Baustein

Auf alle Fälle lohnt es sich einen zertifizierten Energieberater zu Rate zu ziehen. Einen wie Gerhard Marx, der in einem engagierten und kurzweiligen Referat auf die wichtigsten Aspekte bei der Wärmedämmung hinwies. Außendämmung sei grundsätzlich sinnvoller als Innendämmung. Wichtig sei aber, dass dies fachmännisch gemacht wird, um Bauschäden zu vermeiden.

Beeindruckende Fotos mit Wärmebildkameras erstellt, zeigten deutlich Wärmebrücken und Schwachstellen bei der Isolierung. Manche Wärmebrücken, die Wärme aus dem Haus leiten und nicht wie landläufig gemeint wird, die Kälte ins Haus kommt, lassen sich kaum wegsanieren. Trotzdem lohne es sich, so Marx, die möglichen Lösungen zu realisieren, lieber ein paar Zentimeter dicker da jede verlorene Kilowattstunde bares Geld ist. Man kann sich sicher sein, dass die Preise für Öl und Gas wieder anziehen und somit ist jede Dämmungsmaßnahme eine Investition für die Zukunft. Der Staat lässt sich diese Klimaschutzprogramme etwas kosten und es braucht schon eine fachliche Hilfe sich durch das Angebot der Fördermöglichkeiten zu kämpfen.

Hier müsse man genau schauen, so Marx, denn die Anforderungen, die erfüllt werden müssen, seien explizit festgeschrieben. Man brauch sich nicht selbst durch die Programme der Bafa (Bundesanstalt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) und KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) im Internet „durchwühlen“, denn die Handwerker und Energieberater sind hierfür geschult und haben entsprechende Erfahrung. Auf alle Fälle muss der Grundsatz beachtet werden „erst beantragen, dann bauen“ betonte abschließend Marx, denn sonst verwirkt die Förderfähigkeit.

Für die Kinder

In der anschließenden Aussprache wurden viele einzelne Details besprochen, die den Gästen auf den Nägeln brannten. Eine Besucherin betonte, dass es ihr in erster Linie nicht um das Geld gehe. Vielmehr habe man eine Verantwortung den Kindern und kommenden Generationen gegenüber, das muss uns doch was wert sein. Für die Autos und deren Schnickschnack wird in wesentlich kürzeren Zeiten viel Geld ausgegeben. Ein Haus saniert man in frühestens 30 Jahren wieder war die einhellige Meinung. Trotzdem seien die hohen Investitionen für viele Bürger ein Hemmschuh.

"Belegen lässt sich dies mit der gegenwärtigen Sanierungsrate", meinte Stadtrat Ernst Wohlschlager. Handwerksverbände, Umweltbundesamt und Finanzbehörden sprechen von ca. einem Prozent der Gebäude, die derzeit pro Jahr saniert werden. Die Zentralverbände des Deutschen Baugewerbes sowie des Deutschen Handwerks befürchten gar, dass der deutsche Wohnungsbestand von rund 37 Mio. Einheiten erst in 185 Jahren saniert sein kann und fordert eine deutliche Aufstockung der Fördergelder, da ansonsten die klimapolitischen Zielsetzungen verfehlt werden. "Die wurden soeben gekürzt und stattdessen werden Banken gestützt und Steuersätze für Hoteliers und Besserverdiener herabgesetzt. Die Freien in Berlin, aber auch vor Ort sorgen sich halt weniger um das Klima, denn diese hat sie auch nicht gewählt", meinte Wolfgang Fieweger abschließend sarkastisch.

Pressemitteilung Grüne/Bürgerliste

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Quelle: BGland24.de

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