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"Thundorfer Mühle" erhitzt weiter die Gemüter

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Ainring - Großer Andrang herrschte bei der letzten Ainringer Gemeinderatssitzung: Das Thema "Baulandausweisung Thundorfer Mühle" führte erneut zu zahlreichen Diskussionen.

In der Gemeinde Ainring beschäftigt das Thema „Baulandausweisung Thundorfer Mühle" die Verwaltung, die Mandatare und eigentlich ebenso alle gleichermaßen intensiv, die sich für eine künftige Ansiedlung in diesem doch sehr sensiblen nord-westlichen Gemeindegebiet interessieren. Kein Wunder, dass zahlreiche Zuhörer und Bauwillige zur Gemeinderatssitzung in den Rathaussaal kamen. Nach hinlänglichen Vorberatungen und einstimmigem Empfehlungsbeschluss des Bauausschusses ging`s nun letztlich noch um die endgültig Absegnung vom gesamten Ratsgremium mit Feststellungs- bzw. Satzungsbeschluss. Zum einen betraf dies die „Änderung des Flächennutzungsplanes", zum anderen die „Aufstellung des Bebauungsplanes Thundorfer Mühle". Das jeweilige Abstimmungsergebnis lautete 19 Befürworter und drei Ablehner.

Sorgt die finanzpolitische Situation für einen derartigen Ansturm?

Markant die Nachricht aus der Bauverwaltung: Für 22 Parzellen liegen schon über 70 Bewerbungen vor, sicherlich darunter einige, welche durch die derzeitige finanzpolitische Situation die Flucht in die Anlage von „Betongold" des Immobilienmarktes suchen. Die Lösung einer Auswahl unter den Bewerbern zu treffen, wird zweifellos noch eine schwerwiegende Aufgabenbewältigung und Entscheidung, die auch beim Meinungsaustausch ohne aktuelle Lösungsmöglichkeit angesprochen wurde.

Unabhängig davon warb leidenschaftlich Bürgermeister Hans Eschlberger dafür, dass die Gemeinde weiterhin dafür beitrage, damit jungen Familien sowohl für deren gesicherte Wohnbedürfnisse wie auch zum Zusammenleben mehrerer Generationen unter einem Dach geholfen werde. Damit könne man auch drohendem Wegzug und Ortswechsel einheimischer Bevölkerung entgegenwirken. Laut Planung entstehen 22 Parzellen, - wie er sagte – „mit Entwicklungspotential einer Nachverdichtung bis zu 60 Wohneinheiten."

"Ziel ist eine Bebauung mit örtlichem Charakter"

Was die Gesamtmaßnahme hinsichtlich Einbindung in die Landschaft betreffe, so beurteilte der Bürgermeister durch die Tropfenform des Baugebietes das Entstehen einer künftigen harmonischen dorftypischen Ortsbildstruktur. Die Baugrenzen seien sehr großzügig angelegt. „Sie geben viele Gestaltungsmöglichkeiten, insbesondere auch zur Situierung der Gebäude nach individuellen Bedürfnissen und Wünschen", betonte er. Ziel sei eine lebendige Bebauung mit dörflichem Charakter. Dem Rathauschef sind auch besonders die Wegeverbindungen wichtig, beispielsweise zur Schule und Kirche in Thundorf. Allerdings müsste nach neuesten Erkenntnissen vorerst zumindest bei einer angedacht vorgesehenen Anbindung Abstriche gemacht werden. Im Bebauungsplan soll die Möglichkeit, den Fußweg im Einverständnis mit den Grundeigentümern später zu realisieren, erhalten bleiben.

Auch Hochwasserschutzvorkehrungen werden bereits getroffen

Als weitere wesentliche Punkte erwähnte Hans Eschlberger, dass anfallendes Hangwasser und Niederschlagswasser über Muldensystem und Rohrleitungen gezielt in das Retentionsbecken geleitet werden. Für Altanlieger gäbe es Einleitungsmöglichkeiten. Wesentlich sei, dass für die Bauwilligen für deren Schutze ihrer Eigenheime wasserdichte Ausführung der Keller oder Bodenplatten vorgeschrieben werde. Bei den Planungen müsse zudem berücksichtigt werden, die flächensparende Konzeption im Verhältnis Wohn- zur Erschließungsfläche und die Nutzung der Sonnenergie. Beim Retentionsbecken handle es sich um eine Kombination von Hochwasserschutz und Naturschutz. Nach ausführlichen Vorberatungen im Bauausschuss beendete er seine Ausführungen, es sollte unter Vorbehalt erster Planreife und notarieller Beurkundung mit einem Aufstellungsbeschluss „Bahn frei" für eine sinnvolle Bebauung junger Familien gegeben werden. Und zwar, wie das Gemeindeoberhaupt vordergründig kundgab, Stärkung des nord-westlichen Bereichs in diesem idyllischen Gemeindegebiet und nicht zuletzt auch um eine Grundlage zu bilden, die Thundorfer Grundschule in weiterer Zukunft zu erhalten. Speziell dieser Aspekt ist ein besonderes Herzensanliegen von Hans Eschlberger.

In Kurzform erläuterte anschließend Thomas Fuchs, Leiter des gemeindlichen Bauamts, die eingegangenen behördlichen Stellungnahmen sowohl zur Flächennutzungsplanänderung wie zur beabsichtigen Aufstellung des Bebauungsplans. Von privater Seite seien keine Stellungnahmen eingegangen, sagte er. Derzeit lägen 73 Eigenheim-Bewerbungen in diesem Ansiedlungsgebiet vor. Er zeigte auch das vom Bürgermeister angesprochene bislang einzige Fußwegproblem auf, was derzeit wegen Grundstücksangelegenheiten nicht lösbar sei.

"Bahn frei für das Baugebiet Thundorfer Mühle"

In der folgenden Diskussion meldete sich Sven Kluba vorweg zu Wort. „Bahn frei für das Baugebiet Thundorfer Mühle" - dieser Ausspruch des Bürgermeisters bringe die Situation auf den Punkt. Die Nachfrage nach Wohnraum sei nicht nur im Raum Thundorf/Straß sondern auch im gesamten Gemeindegebiet riesengroß. Mit dieser gelungenen Planung könne man jedenfalls wieder einen kleinen Teil zur Entlastung des Nachfragedrucks leisten. Die Stichworte des Bürgermeisters brächten es auf den Punkt: „Strukturen aus dem bestehenden Ort Thundorf sollen übernommen werden" und es soll eine „lebendige Bebauung" entstehen. Aus diesem Grund wünschte Kluba antragsgemäß, es solle der Punkt 12 „Einfriedungen" in seinen textlichen Festsetzungen geändert werden und begründete dies folgendermaßen: Die Regulierung der Einfriedungshöhen könne er als sinnvoll erachten. Jedoch nicht die Reglementierung, welche Zaunart vorgeschrieben werden solle, dies gehe ihm zu weit., sagte Kluba. Er zitierte aus den textlichen Festsetzungen: „Diese Einfriedung ist als Holzzaun mit senkrechter Lattung oder geschälten Rundhölzern ohne zusätzliche Farbgebung herzustellen. Zäune sind sockellos und mit einem Mindestabstand von 15 Zentimeter über dem Boden auszuführen. Geschnittene Hecken aus Nadelgehölzen, zum Beispiel Thujen, sind nicht zulässig."

Meinungsverschiedenheiten in puncto Gestaltungsfreiraum

Kluba betonte, die Bürger gäben viel Geld für ihr Eigenheim aus und mit Sicherheit werde hier Wert auf schöne und ansprechende Gestaltung gelegt. Man solle dem mündigen Bürger in diesem Fall etwas an Freiraum geben. Deutschland sei das Land mit den meisten Gesetzen und Vorschriften. „Warum soll hier im Kleinen auch wieder alles zwingend vorgeschrieben werden", stellte er seine Frage in den Raum und fügte an, gehe man mit offenen Augen durch die Gemeinde, finde sich eine Vielzahl von verschiedenen und sehr schönen Gartenzäunen. Er kenne keinen Straßenzug oder einen Ortsteil, wo es einheitliche Zäune gebe. Hier solle man nicht die bürokratischen Augen vor der Realität verschließen. Auch die gemeindliche Einfriedungs-Satzung von 1998 sei nicht so rigoros wie die jetzigen Vorgaben im Bebauungsplan. Man solle doch keinen Rückschritt hin zu noch mehr Reglementierung machen, „deshalb mein Antrag zur Streichung des zitierten Absatzes", so Sven Kluba.

Dem Bürgermeister, dem auch durch Fraktionssprecher Jörg Mader, der die Kluba-Argumente unterstützte, Gegenwind aus der eigenen CSU-Fraktion entgegenwehte, verteidigte die Einhaltung der Einfriedungen. Bei seiner Gegenargumentation verwies er darauf, beim landschaftlich reizvollen und schützenswerten Gebiet Thundorfer Mühle handle es sich nicht um ein x-beliebiges Areal, deshalb sei der einheitlichen Zaungestaltung ein besonderes Augenmerk gelten. Die Abstimmungsmeinung verlief querbeet durch alle Fraktionen, doch der Antrag von Kluba wurde nach Abzählung des nicht ganz vollständig besetzten Gremiums mit 9:13 Stimmen abgelehnt.

Stellt die Bodenbeschaffenheit eine Gefährdung dar?

Einen längeren Beitrag seiner bekannt negativen Einstellung, dass im Weiler Thundorfer Mühle überhaupt massiv Grund aufgeplant werde, gab Hans Pöllner von sich. Er verwies auf die seiner Ansicht nach wie vor vorhandene Hoch- und Grundwasserfährdung. Dem vorliegenden Gutachten vertraue er nur bedingt. Der Moorgrund erschwere sowieso die Gebietsbebauung. Pöllner moniert jedoch vor allem den neuerlichen Flächenverbrauch und hatte diesbezügliche Statistiken parat. Die Entwicklung tagtäglich verbauter Flächen allein in Bayern sei durch ständige Überschreitungsgrenzen schlichtweg in diesem Dauerzustand nicht hinnehmbar und unverantwortlich. Außerdem bezweifelte Pöllner, ob tatsächlich alle Bewerbungen zur Ansiedlung „ernstgemeint" seien. Seine Fraktion werde unabhängig davon die geplante Bebauung ablehnen. Dass die Antwort des Bürgermeister gegenteilig ausfiel, war zwangsläufig. Er verwies darauf, dass nicht weicher Moorboden sondern wasserdurchlässiger Kies vorgefunden worden sei. Er könne aber die anfangs gehegten, nicht bestätigten Befürchtungen durch die Nähe des Ainringer Moores verstehen. Man wolle versuchen allen Bewerbern gerecht zu werden. Er halte das Vorhaben für vertretbar, habe freilich Respekt zu anderen Ansichten und Positionen.

In der weiteren Diskussion, in der sich die Gemeinderäte Dieter Nowak, Franz Eder, Sepp Ramstetter. Josef Reichenberger und Martin Strobl zu Wort meldeten, gingen die Meinungen zu dem Baugebiet auseinander. Es wiederholten sich die Argumente, wie Hoch- und Grundwassergefahr, enormer Flächenverbrauch, fraglich sinnvolle Entwicklung, andererseits aber eindeutige Zustimmung zum Baugebiet, zur gelungenen Planung. Der Bedarf nach Wohnraum sei vorhanden und das Erschließungsgebiet stelle auch keine Einschränkung für die Landwirte dar. Die Frage ob die bisherigen Bewerber auch tatsächlich alle Einheimische seien, blieb zumindest in öffentlicher Sitzung unbeantwortet.

schl

Quelle: BGland24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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