Pressemitteilung BIENE e.V

BIENE e.V. noch breiter aufgestellt

Tengling/Rupertiwinkel - Auch in Zeiten von Corona mit Ausgeh- und Kontaktsperren geht die Arbeit der Bürgerinitiative gegen Verschwendung von Energie und Grundwasser bei der Nutzung von Erdwärme (BIENE) weiter.

Dass dabei bisweilen sogar die Gegner der BIENE behilflich sind, sieht zumindest Ingo Tönnesmann so, Vorstandsvorsitzender der BIENE e.V., und bezieht sich auf ein Interview mit Michael Braun, Geschäftsführer einer englischen Beratungsgesellschaft.


Geothermie Lobby versucht Reihen zu schließen 

"In der Sache haben die längst das Pulver verschossen. Deshalb versuchen unsere Gegner nun die Reihen zu schließen und greifen uns mehr und mehr mit unfairen Methoden an, mit denen die BIENE verunglimpft oder diskreditiert werden soll", sagt Tönnesmann und ergänzt: "Man folgt der These Schopenhauers, der 1830 die sog. eristische Dialektik als Kunstfertigkeit bezeichnete, selbst dann Recht zu behalten, wenn sachlich die Argumente der Anderen die besseren sind" (Anm.d.Red.: Arthur Schopenhauer, dt. Philosoph, 1788-1860). Das Gute daran sei, so Tönnesmann, dass sich die Methode des "Brunnenvergiftens", nach Schopenhauer ein Spezialfall des "argumentum ad hominem", mit der Zeit abnutze und kein Gehör mehr fände. "Diese Phase werden wir bald erreichen" ist sich Tönnesmann sicher und ergänzt: "Die Lobbyisten werden früher oder später erkennen, dass ein kooperativer Umgang mit der BIENE zweckdienlicher ist, als die offene Konfrontation." In der Szene seien schließlich auch "vernünftige Leute" wie etwa Wolfgang Geisinger von der Geothermie Unterhaching unterwegs, den Tönnesmann seit vielen Jahren kenne. "Nach Corona sollten wir uns mal zusammensetzen", sagt Tönnesmann.

Grundrecht auf freie Meinungsäußerung verteidigen 

Die durch Corona entstandene Zwangspause für Informationsveranstaltungen und Outdoor-Aktivitäten wie Demonstrationen und Info-Stände hat die BIENE genutzt, um sich personell breiter aufzustellen. "Trotz aller Gesprächsbereitschaft stellen wir uns auf rechtliche Auseinandersetzungen ein", sagt der BIENE-Sprecher. Zwar gelte auch heute der frühneuzeitliche Wahlspruch "Viel Feind, viel Ehr", es sei aber durchaus sinnvoll, rechtzeitig für Waffengleichheit zu sorgen. "Wir freuen uns über einen enormen Kompetenzzuwachs in Rechtsfragen", sagt Ingo Tönnesmann mit Blick auf Rechtsanwalt Werner Forkel, Justitiar des Bundesverbandes Bürgerinitiativen gegen tiefe Geothermie, der nach Vorstandsbeschluss ab sofort zum erweiterten Vorstand der BIENE gehört, und ergänzt: "Wir können nun auch mit Drohungen und unwahren Tatsachenbehauptungen besser umgehen." Der Tachinger Gemeinderat hatte der BIENE in einer Sitzung die Prüfung rechtlicher Schritte angedroht. Für Tönnesmann nicht nachvollziehbar: "Als gemeinnütziger Verein tritt der Vorstand im Sinne der Vereinssatzung für die Mitglieder ein und informiert alle Bürger über Chancen und Risiken der Geothermie, aber auch über die Rechte der Bürger.Wir informieren sachlich, kompetent und wahrheitsgemäß und demonstrieren friedlich" sagt Tönnesmann und ergänzt: "Wer das als Bedrohung empfindet und uns mit rechtlichen Schritten droht, will nur einschüchtern. Ich halte das für gefährlich, weil es letztlich ein Angriff auf das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung ist, einer Säule der Demokratie unseres Landes."


Nachhaltige Wärmenutzung als Voraussetzung für Geothermie 

Bei der Informationsveranstaltung am 21. Februar in Palling hatte die BIENE erneut auch die Stromerzeugung aus Erdwärme kritisiert.So besäßen geothermische Stromerzeugungsanlagen einen verheerend geringen Wirkungsgrad, der dazu führe, dass nur ein Bruchteil der geförderten Erdwärme in Strom umgewandelt werden kann, sagt Tönnesmann und führt aus: "Dass das von Herrn Braun als Vertreter der Lobby immer noch bestritten und schön geredet wird, ist für mich nicht seriös und spricht Bände. Die Physik ändert sich einfach nicht". Um was es der BIENE bei der Geothermie geht, bringt Tönnesmann deswegen auf den Punkt: "Es geht um die sinnvolle, vollständige und nachhaltige Nutzung der Erdwärme. Im Vordergrund muss das Einsparen von CO2 stehen. Und das geht nur über die Wärmewende." Alte Öl- oder Gasheizungen sollen nach Tönnesmann sukzessive durch Fernwärme ersetzt werden. Die reine Stromerzeugung aus Erdwärme sei in volkswirtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht grober Unfug, weil sie niemandem, außer wenigen Investoren Nutzen beschere. Der Bürger "schaue in die Röhre", werde durch die Umlage nach dem EEG und weiter steigende Strompreise "abgezockt" und durch Abschreibungen auf Investitionen auch steuerlich belastet. "Und die Meinung des Herrn Braun, es gäbe ohne Strom keine Wärme, mag aus seiner Sicht nachvollziehbar sein, sie ist aber rückwärts gewandt und nicht zukunftsfähig". Kein Gesetz, so Tönnesmann, sei in Stein gemeißelt. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) stehe deshalb auch vollkommen zu Recht zur Novellierung an. Die BIENE drängt darauf, dass die Förderbedingungen nach dem EEG schnellstens geändert werden. "Die Energieverschwendung und die ständig durch Umlagen nach dem EEG steigenden Strompreise müssen ein Ende haben. Mit einem neuen Fördermodell sollen wärmegeführte und nachhaltige Geothermieprojekte im ländlichen Raum ermöglicht werden", sagt Tönnesmann

Das "Sandmännchen-Prinzip"

Bei der Informationsveranstaltung in Palling hatte die BIENE das Prinzip der Stromerzeugung aus Erdwärme vor über 100 Zuhörern erklärt, nachdem die Geothermie Grünwald bei einer Veranstaltung der Energieagentur Südostbayern damit geworben hatte, in ihrer Anlage "100% grünen Grundlaststrom" aus Erdwärme mit einer elektrischen Leistung von 3,5 MW zu erzeugen. "Das ist Irreführung", sagt Tönnesmann und ergänzt, dem Bürger werde damit nur "Sand in die Augen gestreut". Das "Sandmännchen-Prinzip" bestehe in Grünwald darin, dass der Kraftwerkseigenbedarf, etwa 2 MW elektrische Leistung (Anm.: zum Antrieb der Tiefpumpen und Luftkondensatoren), nicht grün, sondern durch Verbrennung von Erdgas erzeugt wird. In einem Gas-BHKW (Datenblatt liegt BIENE vor) werde Erdgas mit einer thermischen Leistung von 4,5 MW bei einem Wirkungsgrad von 44% klimaschädlich verbrannt, um eine elektrische Leistung von 2 MW zu erzeugen, die man benötigt, um Tiefengrundwasser zutage zu fördern und die Erdwärme in der ORC-Anlage bei niedrigstem Wirkungsgrad und hoher Abwärme in grünen Strom umzuwandeln."Normalerweise sollte man erwarten, dass wenigstens der Kraftwerkseigenbedarf von der vergüteten Strommenge abgezogen wird. Dann bleibt aber nichts übrig", sagt Tönnesmann und ergänzt: "Das EEG legalisiert diese Form der Stromwäsche ausdrücklich. Nur wissen das die Bürger nicht" Allerdings prüfe die Clearingstelle EEG im Rahmen der Novellierung, ob das sog. "Bruttostromprinzip" künftig noch gelten soll. Die BIENE sieht auch mit Blick auf die Höhe der Einspeisevergütung (Anm. 25,2 €ct/kWh) eine klare Überförderung der Stromerzeugung aus Geothermie und bringt das auch gegenüber den zuständigen Stellen in Berlin und Brüssel zum Ausdruck.Die BIENE will erreichen, dass bei der Projektförderung aus Erdwärme andere, neue Wege gefunden werden, mit denen die Wärmewende in den Fokus gestellt und auch umgesetzt werden kann. Die Belange der Umwelt, der Schutz des Grundwassers, die nachhaltige Nutzung der Erdwärme, die Einsparung von CO2 und die kostengünstige Versorgung der Bürger mit Wärme müssen nach BIENE im neuen EEG höher gewichtet werden als die ausschließlich Rendite-orientierten Interessen der Investoren, die mit dem bestehenden EEG noch unverhältnismäßig hoch im Sinne einer Überförderung bedient werden. Tönnesmann dazu: "Ob das nach Corona noch so sein wird, kann ich mir nicht vorstellen."

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