Ein Besuch bei der Saaldorfer Bildhauerin Helga Wagner

Schauen, staunen und entspannen im naturbelassenen Kunstraum

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Helga Wagner bei der Arbeit

Saaldorf - „Künstlerweihnacht“, diese Hinweistafeln führten in den vergangenen Dezemberwochen in eine andere Welt, in eine Welt spitzbemützter Wichtel, freundlicher Engerl, grimmiger Perchten oder friedlich dösender Katzen, in die Welt der Saaldorfer Künstlerin und Bildhauerin Helga Wagner.

Zusammen mit Freunden hat sie auch in diesem Jahr wieder einen vorweihnachtlichen Kunstmarkt der ganz besonderen Art geschaffen.

Betritt man das geräumige Grundstück der Familie Wagner an der Saaldorfer Pfarrer-Rehrl-Straße, wird der Blick sogleich auf die vielen kleinen und großen Kunstwerke gelenkt, die scheinbar ungeordnet in der Natur drapiert sind: Der unaufgeräumte Garten gleichsam als Freiluft-Galerie und Kunstraum.

Im Wohnhaus oder in den Nebengebäuden, wo halt Platz ist, präsentieren die Wagners und ihre Künstlerfreunde feine Unikate aller Art. Fern jeder glühweinseligen Christkindlmarkt-Romantik kann man hier schauen, staunen, ratschen, entspannen und vielleicht auch das eine oder andere kleine Geschenk mitnehmen.

Eindrucksvoll und lebensnah: Geschnitzte Krippenfiguren

„Mich freut es, wenn über den Tag verteilt immer wieder Leute vorbeikommen und sich viel Zeit nehmen für nette Gespräche“, sagt Helga Wagner. Und wenn mal keine Besucher da sind, dann tut sie das, was ihr Beruf und ihre Berufung ist: Schnitzen.

Dazu hat sie eine Werkbank im Freien aufgebaut. Ein Wichtel-Rohling ist eingespannt und wartet auf seine weitere Bearbeitung. Einige fertige „Kollegen“ liegen daneben – sie müssen nur noch bemalt werden, genauso wie das riesige Häuserrondell gleich daneben.

Helga Wagner bei der Arbeit

Überhaupt dominiert Holz in all seinen Variationen im Reich der Wagners. „Ich erlebe immer wieder, dass Holz schon ein besonderes Material ist und dass die Arbeit mit diesem Werkstoff den Kopf freimacht“, freut sich Helga Wagner.

Wie hat sich diese Leidenschaft entwickelt? Da habe sie ganz viel ihren Eltern zu verdanken, blickt die Künstlerin auf ihre Kindheit zurück. „Die haben erkannt, dass ich gut zeichnen kann und von meinen ersten Bildhauer-Versuchen an Ytong-Steinen waren sie offenbar auch recht begeistert.“

Also war es nur konsequent, dass Helga nach ihrer Schulzeit eine dreijährige Ausbildung an der Berchtesgadener Schnitzschule absolvierte. Ihre Begeisterung für die Bildhauerei war damit endgültig geweckt. „Ich wollte einfach noch viel mehr lernen und hatte sogar die Idee, auf „Walz“ zu gehen, ähnlich wie Zimmerleute“, erinnert sich Helga Wagner.

Meisterschule oder Studium?

Daraus wurde allerdings nichts. Stattdessen arbeitete sie über vier Jahre als Restauratorin in Mühldorf, ehe sie sich zur Fortsetzung ihrer Ausbildung entschloss. „Obwohl auch die Meisterschule eine Möglichkeit gewesen wäre, habe ich mich schließlich doch für ein Studium an der Akademie für Bildende Künste in München entschieden.“

Rückblickend eine sehr richtige Entscheidung, wie Helga Wagner schmunzelnd erklärt: „In den achteinhalb Semestern wurde ich nicht nur zur Diplom- Bildhauerin ausgebildet, sondern bin während des Studiums auch meinem Mann Christoph, einen gelernten Schreiner, begegnet.“

Nach absolvierter Ausbildung richtete sich das Künstlerpaar privat und beruflich im Saaldorfer Elternhaus von Helga Wagner ein. Zu einem „Mehrgenerationen-Haus“ habe sich das Anwesen zwischenzeitlich entwickelt“, meint Helga Wagner. Nachzuvollziehen, denn neben dem Künstlerpaar mit seinen vier Kindern lebt auch ihre 91-jährige Mutter unterm selben Dach.

Die bunte Wichtelschar – ein Markenzeichen von Helga Wagner

Bunte Häuser, lebensnah anmutende Krippenfiguren, zusammengeringelte Katzen, leuchtende Schwammerl in allen Größen, halbfertige Skulpturen und Rohlinge, viele Farbtöpfe, ein großes Arsenal an Schnitzwerkzeugen: Wir befinden uns am Arbeitsplatz von Helga Wagner, in der Bildhauer-Werkstätte.

Hier entstehen nicht nur ihre Werke, es ist auch der Raum, in dem sie Schnitzkurse für Kinder und Erwachsene anbietet. „Gerade die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht mir sehr viel Spaß“, erzählt die Künstlerin, die seit einigen Jahren auch Schnitzkurse an der Freilassinger Mittelschule und in der JVA Lebenau gibt.

„Ich merke einfach immer wieder, dass handwerkliches Arbeiten gerade bei jungen Menschen den Kopf freimacht und dass sie den Wert ihres Tuns schätzen lernen.“ Auch die Förderung von Vorstellungskraft und die Entwicklung eigener Ideen seien ihr ein wichtiges Anliegen bei ihrer kunstpädagogischen Tätigkeit, betont Helga Wagner.

Besonders freut sie sich, wenn sie erlebt, wie sonst eher lernschwache und verhaltensauffällige Jugendliche beim Schnitzen ihre künstlerischen und kreativen Fähigkeiten entdecken. „Da merkt man richtig, wie konzentriert und genau die arbeiten können und wie stolz sie am Ende auf ihr Werk sind“, erzählt die Bildhauerin von ihren positiven Erfahrungen gerade auch mit schwierigen Jugendlichen.

Eine leichte Antwort findet Helga Wagner auf die Frage, woher sie denn ihre eigene Inspiration nehme: „Ich lebe meine Arbeit, was ich schaffe ist ein Teil von mir. Meine Ideen entstehen alle in meinem ganz persönlichen Umfeld, in meiner Welt, in der ich lebe.“

Eine Welt, in der sich auch eine „schöne und heile Kinderwelt“ bewahrt hat, wie die Künstlerin nachdenklich hinzufügt. Die bunte Lebendigkeit und die naiv-kindliche Lebensfreude, die ihre Werke ausstrahlen, sind eine eindrucksvolle Bestätigung dafür. „Ja, ich liebe meinen Beruf auch deswegen, weil ich mir zu meiner Arbeit all die Zeit nehmen kann, die ich brauche, um meine Ideen umzusetzen“, gesteht Helga Wagner am Schluss.

Norbert Höhn

Quelle: BGland24.de

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