Wegverlegung: Wird der alte Uferweg gesperrt?

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Wird der alte Uferweg zukünftig total gesperrt?

Saaldorf-Surheim - Mit der Uferverlegung der Salzach befürchten Auwald-Anlieger eine Enteignung auf „kaltem Weg“. Droht nun auch noch die Sperrung des Uferweges?

„Wir können nicht auf alle Eventualitäten warten, wir müssen Maßnahmen ergreifen – wenn nicht auf staatlichem Grund, wo dann?“ Georg Hermannsdorfer vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein ließ keine Zweifel offen, dass am Salzachufer im Gemeindebereich Saaldorf-Surheim dringender Handlungsbedarf besteht. Andererseits befürchten die Grundanlieger, dass vollendete Tatsachen zu ihren Lasten geschaffen werden. Im Anschluss an die Information zur Rückverlegung des Salzach-Uferweges wurden in einer engagierten Diskussion nochmals die unterschiedlichen Standpunkte dargelegt. Eine endgültige Entscheidung soll in der Januarsitzung des Gemeinderates fallen.

„Wird mit der Rückverlegung des Ufers der Einstieg in das Projekt „Salzachsanierung“ eingeleitet?“, mit dieser Frage brachte Altbürgermeister Ludwig Nutz die Befürchtungen der Grundanlieger zum Ausdruck, auf „kaltem Weg“ enteignet zu werden. Auch Bedenken, ob die jetzt geplanten Maßnahmen einer zukünftigen Wasserkraftnutzung entgegenstünden, wurden aus den Reihen der Versammlungsteilnehmer laut.

Dipl. Ing. Tilmann Zinsser, am Wasserwirtschaftsamt Traunstein zuständig für das Projekt „Salzachsanierung“, wollte den Zusammenhang zwischen Uferweg-Rückverlegung und dem Gesamtprojekt „Salzach“ so nicht sehen. „Die Ständige Gewässerkommission, eingerichtet auf der Basis des Regensburger Vertrags zwischen Deutschland und Österreich, bewertet die Situation an der Salzach jährlich und legt weitere Schritte fest.“ Für den Bereich des Freilassinger Beckens würden derzeit drei Optionen geprüft. Im Einzelnen gehe es dabei um die Fortführung der Planung für eine Rampe bei Flusskilometer 55,4. Dieses Verfahren ruhe derzeit, weil vor allem auf österreichischer Seite der benötigte Grund nicht zur Verfügung stehe. Geprüft werde auch, ob eine Sanierung in Verbindung mit Wasserkraftnutzung möglich wäre. Die „Energiewende“ habe dieser Diskussion neuen Aufschwung gegeben und auch im „Flussdialog“ habe sich eine Mehrheit für eine ökologisch vertretbare Nutzung der Wasserkraft ausgesprochen. Die wasserrechtliche Nutzung der Salzach liege bei der Österreichisch-Bayerischen Kraftwerke AG (ÖBK), die sich seit Ende April 2013 zu 100 Prozent im Besitz der österreichischen Verbund AG befinde. „Wenn die ÖBK auf ihre Nutzungsrechte verzichtet, dann können im Rahmen einer Regierungsvereinbarung zwischen Österreich und Bayern andere Betreiber zugelassen werden“, erklärte Tilmann Zinsser auf Nachfrage. Die dritte Option könne nur eine Übergangslösung sein, bei der es darum gehe, durch Geschiebeeinbringung eine weitere Eintiefung zu verhindern.

„Die Salzach ist ein aggressiver Fluss. Ihr habt uns noch keinen Plan vorgestellt, was ihr macht, wenn sie ausbricht“, wandte sich Felix Hagenauer an die Fachleute. Dipl. Ing. Daniel Skublics, Wasserbaufachmann an der TU München, entgegnete, dass man die Entwicklung der Uferbereiche an Modellen zu berechnen versuche. „Bei einem hundertjährigen Hochwasser müsse man von 10 bis 15 Meter abgetragenem Ufer ausgehen. „Eine Voraussage, wie weit sich die Salzach während der nächsten hundert Jahre insgesamt ausbreitet, kann man heute noch nicht treffen“, so Skublics. Georg Hermannsdorfer brachte eine Variante ins Spiel: „Wir können prüfen, ob sich im Bereich des neuen Uferweges Sicherungen einbringen lassen, welche die Uferabtragung verlangsamen.“ „Warum unterschreibt ihr nicht“, forderte Blasius Standl eine vertragliche Absicherung der Grundbesitzer und Johann Hafner stellte die Verlegung des Uferwegs grundsätzlich in Frage. Simeon Moosinger bereicherte die Veranstaltung mit einem ausführlichen Vortrag über Fische und deren Feinde.

Bürgermeister Bernhard Kern forderte im Zusammenhang mit der Uferverlegung einen vertraglichen Schutz der privaten Grundanlieger. „Im Schadensfall sind 80 Hektar Auwald gefährdet“, gab Kern zu bedenken. Er bemängelte, dass die Au scheinbar nichts wert sei und sich alles um den Fluss und um „weiche“ Ufer drehe. „Eine intakte Au stellt einen Lebensraum dar, der durch Gewässer geprägt ist“, hielt dem Tilmann Zinsser entgegen. Einen gemeinsamen Standpunkt konnte man an diesem langen Diskussions-Nachmittag nicht finden und so einigte man sich darauf, seine „Hausaufgaben“ zu erledigen und bei der Januar-Gemeinderatssitzung weiter nach einer einvernehmlichen Lösung zu suchen. Zum Leidwesen der vielen Spaziergänger und Radfahrer könnte dies auch eine totale Sperre des alten Uferweges bedeuten.

nh

Quelle: BGland24.de

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