Winterdienst der Gemeinde Saaldorf-Surheim im Dauereinsatz

Unterwegs mit dem Schneepflug:"Angst darf man keine haben"

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Saaldorf-Surheim - Was bei Wintersportlern und Kindern großes Entzücken hervorruft, fordert von den Mitarbeitern des Winterdienstes viele Überstunden und einen Einsatz fast rund um die Uhr. Unser freier Mitarbeiter Norbert Höhn hatte die Gelegenheit, Christoph Neuer vom gemeindlichen Bauhof auf einer Schneepflugfahrt zu begleiten.

Unaufhörlich fallen die Flocken an diesem Sonntagabend vom Himmel. Wir nehmen Platz im gemütlich warmen Führerhaus des 190 PS starken Unimog U300. „Abgesehen von einer zweistündigen Pause bin ich heute seit drei Uhr nachts im Einsatz“, erklärt Christoph Neuer nach einer kurzen Begrüßung. 

Hinter den hell erleuchteten Fenstern im Surheimer Dorfzentrum werden wohl gerade viele Menschen beim Abendessen sitzen oder sich auf einen spannenden Sonntags-Krimi freuen, stellen wir uns vor. Derweil lenkt Christoph Neuer sein schweres Fahrzeug durch die enge Straße „Am Kirchfeld“ und steuert dabei mit einem Joystick auch noch die Pflugschaufel. 

Links und rechts türmen sich hohe Schneewände auf. Die eingeschneiten Fahrzeuge entlang der Straße erfordern Präzisionsarbeit. „Angst darf man keine haben“, sagt Neuer schmunzelnd und betont, dass er in seinen drei Jahren Winterdienst bisher „unfallfrei“ unterwegs war. An einer Straßenabzweigung wird es knapp, weil ein Auto zu nahe an der Kreuzung geparkt ist. Nur mit mehrmaligem Rangieren lässt sich die Kreuzung frei räumen. 

Zwischen drei und fünf Stunden für eine Runde

Christoph Neuer bei der Arbeit - vorne das Steuergerät für die Salzstreuung.

„Die meisten Leute sind vernünftig und stellen ihre Autos so ab, dass der Winterdienst nicht behindert wird“, lobt Christoph Neuer, schränkt aber ein: „Manchmal muss ich einen der mitgeführten Zettel hinter die Windschutzscheibe klemmen, auf denen die Fahrzeughalter gebeten werden, so zu parken, dass sie den Räum- und Streudienst nicht behindern. „Die Leute denken sich nichts Schlechtes, aber sie schätzen halt den Platzbedarf eines Schneepflugs falsch ein.“ 

Auch ein anderes Ärgernis spricht er an: „Manche Anwohner schieben den Schnee von ihrem Grundstück einfach auf die frisch geräumte Straße und schaffen damit Gefahrenstellen.“ Das „Räum-Revier“ von Christoph Neuer umfasst Surheim und die umliegenden Ortschaften wie Haberland und Gausburg. Je nach Straßen- und Wetterlage benötigt er für seine Runde zwischen drei und fünf Stunden.

Insgesamt ist der Winterdienst für ungefähr 80 Kilometer Gemeindestraßen und 20 Kilometer Geh- und Radwege zuständig. Eingesetzt werden zwei große Räumfahrzeuge und drei sogenannte Schmalspurpflüge. Hinzu kommen zwei Subunternehmer, die mit ihren Traktoren vor allem auf den Gemeindeverbindungsstraßen im Außenbereich räumen. 

Im Normalfall beginnt der Winterdienst um halb vier Uhr früh mit seiner Arbeit. Muss nur Salz gestreut werden, geht es eine Stunde später los. Bei zweifelhaften Straßensituationen wird eine „Wetterschau“ durchgeführt, bei der ein Bauhofmitarbeiter nach einer Kontrollfahrt über die Notwendigkeit von Einsätzen entscheidet. 

Neuer: "Ohne Leitpfosten wäre ich total verloren"

Wenig später: Relativ flott sind wir jetzt auf dem B20-Zubringer unterwegs. „Wo es die Bedingungen erlauben, fahre ich etwas schneller, was den Vorteil hat, dass der Schnee weiter von der Straße weg landet und sich keine so hohen Wände auftürmen“, begründet Christoph Neuer. Breitere Straßen wie diese befährt er zweimal in jeder Richtung. Wichtige Orientierungshilfe bei seiner präzisen Arbeit sind die Leitpfosten beziehungsweise Schneezeiger am Straßenrand. „Ohne die wäre ich total verloren, auch wenn ich die Straße noch so gut kenne.“ 

Und ein Abweichen von der Straße würde ungeahnte Gefahren bergen: „Flurschäden sind da noch das Harmloseste. Im Extremfall, wenn sich die Schaufel verfängt, kann es sogar zum Überschlag des gesamten Fahrzeuges kommen“, erklärt Neuer. Bei der Rückfahrt bedient er die Tastfelder einer Box, die neben dem Armaturenbrett montiert ist. „Mit ihr kann ich die Salzstreuung auslösen und die Abgabemenge genau regulieren.“ Fünf Gramm Salz pro Quadratmeter sind es in der Regel auf den innerörtlichen Straßen, bei Steigungen werden siebeneinhalb Gramm gestreut und auf zehn Gramm wird bei größeren Straßen eingestellt, wie beispielsweise auf der Verbindung zwischen Saaldorf und Surheim. 

Wir sind zurück am Surheimer Dorfplatz, wo andere Mitarbeiter des Bauhofs im dichten Schneetreiben immer noch Parkplätze freischaufeln. Für Christoph Neuer und all die anderen „Winterdienstler“ ist noch lange nicht Feierabend. Schließlich ist morgen Montag, Schultag, Kindergartentag, Arbeitstag, Geschäftstag. Der Alltag soll möglichst unbehindert von den Schneemassen seinen gewohnten Lauf nehmen. „Eigentlich hätte ich diese Woche Urlaub gehabt“, sagt Christoph Neuer zum Abschied. Er wird ihn sicher nachholen können – im Sommer vielleicht… 

Norbert Höhn

Quelle: BGland24.de

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