Sondersitzung Gemeinderat Saaldorf-Surheim

Containerdorf als Unterkunft für Asylbewerber?

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Von links: 3. Bürgermeister Franz Hagenauer, Bürgermeister Bernhard Kern, Christine Schwarz und Karl Ott bei der Sondersitzung des Saaldorf-Surheimer Gemeinderates.

Saaldorf-Surheim - In einer gut besuchten Sondersitzung des Gemeinderats, wurde über die Unterbringung der bald ankommenden Asylanten diskutiert: Noch werden Unterkünfte gesucht.

Einziger Tagesordnungspunkt bei der Sondersitzung des Saaldorf-Surheimer Gemeinderates war die Unterbringung der Asylbewerber, die im November der Gemeinde vom Landratsamt zugewiesen werden. Zu diesem Tagesordnungspunkt konnte Bürgermeister Bernhard Kern auch außerordentlich viele Zuhörer begrüßen, die sich für dieses Thema interessierten. Eingeladen hatte der Bürgermeister auch Christine Schwarz und Karl Ott aus Surheim als Vertreter aus der Bevölkerung.

Christine Schwarz hat die Leitung der Abteilung Deutsch als Fremdsprache an der Berufsschule Freilassing und sie hat viel Erfahrung im Umgang mit jungen Asylbewerbern und ihren Problemen. Auch Karl Ott ist an der Berufsschule Freilassing für den beruflichen Integrativunterricht von jugendlichen Asylbewerbern zuständig. Beide berichteten über ihre Erfahrungen und wie man die anstehenden Probleme unbürokratisch bewältigen könnte.

Es ist unsere gesetzliche Verpflichtung, Asylbewerbern einen Platz zu geben

Zu Beginn gab der Bürgermeister Informationen zu diesem Thema. Die Aufnahmestätten - speziell in München - sind überfüllt, doch es wird von politischer Seite vieles gemacht um ankommenden Personen und Familien eine ordnungsgemäße Einrichtung und Erstaufnahme bieten zu können. Es sei unsere gesetzliche Verpflichtung, Asylbewerbern einen Platz zu geben und alle sind angehalten, sich diesem Themas anzunehmen, so der Bürgermeister. Für die Gemeinde gebe es dazu keine Alternative und sie müsse sich um dieses Thema zu 100 Prozent kümmern, sagte Kern. Glücklicherweise sei man derzeit noch im Vorlauf, so Kern und könne sich Gedanken um die Unterbringung machen, so dass man der anstehenden Situation nicht hinterher hecheln muss.

Derzeit befinden sich im Landkreis, laut Mitteilung des Landratsamtes, circa 300 Asylbewerber und bis Jahresende werden noch rund 150 Personen ankommen. Im nächsten Jahr wird die Zahl der Asylbewerber nach derzeitiger Prognose auf 662 ansteigen, so Kern. Nach einer Besprechung mit Dr. Michael Foerst und Karl-Heinz Heinrich vom Landratsamt Berchtesgadener Land, sollen in der Gemeinde Saaldorf-Surheim 35 Personen untergebracht werden. Ihre Unterstützung haben auch Bereitschaftsleiter Stefan Fuchs vom BRK und Dr. Jürgen Geuder, Kinderarzt aus Freilassing, zugesagt. Laut Aussage der Polizei gibt es in den Aufnahmeunterkünften in Teisendorf und Freilassing keine Probleme mit den Asylbewerbern.

Leerstehende Wohnungen und Häuser dringend gesucht!

Der Bürgermeister hat schon viele Gespräche mit Bürgern bezüglich der Unterbringung geführt. Nutzen könnte man Ferienwohnungen, die schon länger nicht mehr vermietet sind, oder leerstehende Häuser. Alle Vermieter und ehemaligen Vermieter wurden angerufen und informiert, dass leerstehende Wohnungen dringend gesucht werden, bisher jedoch ohne Erfolg. Für die Erstaufnahme könnten auch die Mehrzweckhallen in Saaldorf und Surheim genutzt werden, wobei es auch zu Engpässen und Beeinträchtigungen im Sportbetrieb und bei Veranstaltungen kommen könnte. Das Landratsamt setzt hier auf die „Freiwilligkeit“ der Kommunen. Sollte eine solche nicht zustande kommen, muss per Quote ein Verteilungsschlüssel angesetzt werden.

Wo die Asylsuchenden herkommen, ist derzeit noch nicht bekannt. Für die Schulen und Kindergärten werden in den kommenden Tagen und Wochen Informationen bereitgestellt, um den Blick auf dieses Thema zu schärfen, so Bürgermeister Bernhard Kern. Die Gemeinde ist weiterhin konsequent auf der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten, diese sollten jedoch in den Hauptorten Saaldorf und Surheim sein, da hier auch Einkaufsmöglichkeiten für die neuen Bewohner vorhanden sind.

Ein Containerdorf in der Gemeinde?

Nach Mitteilung des Landratsamtes bestünde auch die Möglichkeit, ein Containerdorf zu errichten. Dies wäre auf dem großen Parkplatz bei der Mehrzweckhalle Saaldorf möglich oder auch an der Sur-Arena in Surheim. Der Bürgermeister appelierte auch an die Bürger, wenn möglich ehrenamtliche Aufgaben bei der Betreuung der ankommenden Asylbewerber zu übernehmen. Christine Schwarz berichtete, dass das größte Problem bei den Asylbewerbern die Sprachprobleme seien. Der erste Kontakt mit solchen Personen ist meistens kurz, da viele kein Wort Deutsch verstehen oder sprechen können. Viele Dinge, wie z.B. Einkaufen oder Arztbesuche sind für Asylbewerber, je nach Herkunft, völlig fremd. Sie seien mit diesen Dingen total überfordert.

Viele Kinder seien auch in ihren Heimatländern gar nicht zur Schule gegangen, so Schwarz. Dennoch seien die Asylbewerber dankbar und aufgeschlossen, nehmen Ratschläge gerne an und wollen sich so bald als möglich integrieren. Das nötige Rüstzeug dazu ist jedoch das Erlernen der deutschen Sprache, das kann jedoch nicht ehrenamtlich erfolgen, sondern nur von geschulten Fachkräften. Auch Karl Ott bestätigte, dass bei seiner Arbeit mit den Asylbewerbern, diese jungen Leute sehr motiviert und lernfähig sind. Oft bringen die Bewerber sogar viel Potential mit. Ott konnte einem Bewerber sogar schon nach einem halben Jahr eine Lehrstelle vermitteln.

Der wichtigste Schritt zur Integration sind Deutsch-Sprachkurse

Er lobte die Gemeinde Saaldorf-Surheim, bei der für dieses Thema eine sehr positive Einstellung vorhanden ist. Familien würden oft auseinandergerissen und die einzige Verbindung zu Eltern oder Geschwistern sei eventuell ein Handy, falls diese überhaupt noch leben, so Ott. Entscheidend wird sein, sagte Karl Ott, schon jetzt Lösungen zu finden, wie man die Asylbewerber unterbringen kann, damit der Alltag für diese Menschen dann auch eine Struktur bekomme. Den Flüchtlingen soll ein normaler Alltag geboten werden und sie sollen am Gesellschaftsleben teilnehmen können. Das helfe diesen Menschen, um sich schneller integrieren zu können.

Bürgermeister Bernhard Kern dankte Christine Schwarz und Karl Ott für ihre interessanten Ausführungen und Hinweise zur Problembewältigung. Viele Gemeinderäte fanden diese Ansätze gut, jedoch ist das Wichtigste, dass man diesen Menschen Sprachkurse anbietet, um die deutsche Sprache zu erlernen. Auf Nachfrage von Dr. Koch erklärte Karl Ott, dass es für Asylbewerber derzeit ein neunmonatiges Beschäftigungsverbot gibt, jedoch soll dieses auf drei Monate reduziert werden. Unentgeltliche Praktikumsstellen können jedoch jederzeit vermittelt werden.

Asylbewerber kommen Mitte bis Ende November an

Auf Nachfrage erklärte der Bürgermeister, dass die Asylbewerber von Mitte bis Ende November in der Gemeinde erwartet werden. Stefan Gruber sprach das Problem an, was mit solchen Asylbewerbern ist, die auf betrügerische Weise unterwegs sind. Karl Ott erklärte, jeder Asylbewerber kommt mit seiner Geschichte, die in der Erstaufnahme überprüft wird. Viele flüchten vor Krieg, aber es gibt auch solche, die flüchten, weil es ihnen in Deutschland wirtschaftlich besser geht. Über die Asyl-Erstanträge entscheiden die entsprechenden Bundesbehörden. Es wurde von den Gemeinderäten auch angeregt, eventuell einen Sozialarbeiter einzustellen, der sich in der Gemeinde intensiv mit diesem Thema beschäftigen soll.

Christine Schwarz erklärte, dass ihre Schüler schon teilweise deutsch sprechen. Sie wollen lernen, was die Deutschen in ihrer Freizeit machen. Viele können auch oft gar nicht Radfahren. Sie sind neugierig auf das Leben in Deutschland, deshalb wäre eine ehrenamtliche Betreuung für solche Personen in der Gemeinde sehr wichtig. Karl Ott sagte, dass es sicherlich auch Konflikte geben werde. Die Asylbewerber kommen aus einer anderen Kultur, viele können nicht einmal die Uhr lesen, das sei fremd für sie.

Nur die Unterbringung ist Angelegenheit der Gemeinde

Geschäftsleiter Niederauer erklärte auf Nachfrage, dass die Gemeinde vorrangig für die Unterkünfte zuständig ist, für alle anderen Dinge grundsätzlich der Landkreis. Dies bestätigte auch Karl Ott, der sagte, dass die soziale Betreuung nicht auf die Gemeinden abgewälzt wird. Christine Schwarz sagte, man sollte die Berührungsängste mit den ankommenden Asylbewerbern abbauen und diesen eine Starthilfe geben, z.B. beim Einkaufen, Bankgeschäften, Arzt- und Behördenbesuchen, das kann auch ehrenamtlich gemacht werden.

Auf Nachfrage von Stefan Kanz, wie lange Asylsuchende bleiben können, erklärte Karl Ott, dies sei ganz unterschiedlich und werde individuell entschieden. Viele bekommen ein Bleiberecht, doch kann ein Asylverfahren zwischen acht Monaten und drei Jahren dauern. Bürgermeister Bernhard Kern erklärte, dass es zu diesem Thema baldmöglichst in Saaldorf und Surheim Bürgerversammlungen geben werde. Wer ehrenamtlich bei der Betreuung von Asylbewerbern mitarbeiten woll, soll sich bei der Gemeindeverwaltung melden, so der Bürgermeister.

Peter Wimmer

Quelle: BGland24.de

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