Saaldorf-Surheim: Dialektpreis 2017 an Diakon Peter Walter verliehen

Glaubensvermittlung in der vertrauten heimischen Sprache

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Diakon Peter Walter wurde mit dem Dialektpreis 2017 geehrt. Links 1. Vorsitzender Heinz Schober, rechts 2. Vorsitzender Franz Rehrl

Steinbrünning - „I gfrei mi narrisch, dass i a nu was griag für des, dass i so red, wia ma da Schabi gwachsn is“, bedankte sich Diakon Peter Walter. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte wurde der Saaldorf-Surheimer mit dem Dialektpreis 2017 ausgezeichnet. Glaubensvermittlung in der vertrauten heimischen Sprache schaffe Nähe und Authentizität, betonte 2. Vorsitzender Franz Rehrl in seiner Laudatio.

Diakon Peter Walter bei seiner Dankesrede

Bereits zum siebten Mal vergab der Landschaftsverband Rupertiwinkel im FBSD den Dialektpreis, mit dem besondere Verdienste zum Erhalt der bairischen Mundart gewürdigt werden. In der Reihe der Ausgezeichneten sind unter anderen Markus Putzhammer, Hansl Auer, Wasti Irlinger oder die Huaba-Buam zu finden. Mit Diakon Peter Walter wurde der Preis erstmals an einen Vertreter aus dem kirchlichen Bereich verliehen. „Besonders Personen, die im öffentlichen Leben eine herausgehobene Tätigkeit ausüben, unterliegen der Gefahr, sich auch in der Sprache modern zu zeigen und hochdeutsch zu sprechen, um nicht als altmodisch und hinterwäldlerisch zu gelten“, verwies Franz Rehrl eingangs seiner Laudatio auf ein zeitgeistiges Phänomen. Aus dem kirchlichen Bereich sei den Älteren noch der Gebrauch der lateinischen Sprache im Gottesdienst vertraut, die durch das Kirchenkonzil „Gott sei Dank“ abgeschafft und durch die jeweilige Landessprache ersetzt wurde. Allerdings werde in der Kirche nur selten im Dialekt gesprochen, also die eigentliche Sprache eines überwiegenden Teils der Pfarrmitglieder. Für die Pfarreien Saaldorf und Surheim sei es deshalb ein Novum gewesen, als ein Diakon in der vertrauten heimischen Mundart seine Glaubensvermittlung in der Kirchengemeinde angeboten habe. „Ob dieser ausstrahlenden Authentizität sind die Leute begeistert und zollen Diakon Peter Walter allen Respekt und Anerkennung“, hob der Laudator hervor. Sei es bei einer Taufe, beim Wortgottesdienst, bei einer Beerdigung, beim Krankenbesuch oder im Religionsunterricht, überall bediene sich Peter Walter des wohltuenden und vertrauten Dialekts. Besonders im Umgang mit Kindern und Jugendlichen übe er Vorbildfunktion in Sachen Mundart aus, zeige er doch, dass Dialekt zu sprechen keinen Nachteil im täglichen Leben bedeute. „Diakon Peter Walter trägt in seiner echten und unverfälschten Art maßgeblich zur Erhaltung von Dialekt, Spracherlebnis und Sprachvielfalt bei. Dafür dürfen wir ihn heute mit dem Dialektpreis 2017 ehren“, schloss Franz Rehrl seine Laudatio. 

Erhalt der bairischen Sprache und Wieder-Erkennungseffekt

Diakon Peter Walter bei seiner Dankesrede

In seiner launigen und, wie sollte es anders sein, im Dialekt gehaltenen Dankesrede, verwies Peter Walter auf das Büchlein „So werd gredd“, wo zur Schöpfungsgeschichte nachzulesen ist: „Und am 8. Tag erschuf Gott die Dialekte. Alle Völker waren glücklich. Der Hanseate sagte: mein Dialekt ist dufte. Der Berliner sagte: Ick hab nen tollen Dialekt, wa? Nur für den Bayer war kein Dialekt übrig. Da wurde der Bayer traurig. Irgendwann sagte dann Gott:Ja mei Bua, dann red hoid so wia i. Und was sagte der Geehrte in Hinblick auf diese göttliche Eingebung: „I moan, jeder soll und derf a wissen, wo ma dahoam sand und vor allem wo ma leben derfan.“ Am besten könne die bairische Sprache erhalten werden, indem man sie ganz einfach spricht. Auf seine kirchliche Arbeit bezogen, zitierte Peter Walter einen Regensburger Universitäts-Lehrer: „Als hauptamtlich zum Predigen Bestellter mache ich die Erfahrung, dass der Dialekt, dosiert und angemessen eingesetzt, äußerst w ertvoll für die Atmosphäre im gottesdienstlichen Bereich wirken kann. Auch den dabei sich ergebenden Wieder-Erkennungseffekt sollte man nicht unterschätzen. Apropos Predigt: „Als oana von da Kirch kimm i jetzt natürlich zu meinem Werbeblock“, kündigte der Diakon augenzwinkernd an und stellte die rhetorische Frage: „Die bairische Sprache, hoaßts, soll uns weiterhin erhalten bleiben. Und wia is des mim Glauben? Soll der a dahoitn werdn? I lad eich ei, wieder amoi drüber nachzumdenga. Und a Antwort, de miassts eich selba gem.“ Abschließend fasste Peter Walter seinen Dank für die ihm zuteil gewordene Ehre zusammen: „I mog an Herrgott, i glab a an eam, aba a an de Menschen, an Bayern und an unsern Dialekt.“ Die mit dem Dialektpreis verbundene Geldzuwendung in Höhe von 1000 Euro hat Peter Walter an eine bedürftige Familie in Waging überwiesen. Die Frau ist im Italienurlaub mit 30 Jahren gestorben. Sie hinterlässt ihren Mann und zwei Kinder.

Norbert Höhn

Quelle: BGland24.de

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