Surheimer Musikanten begeistern in der vollbesetzten Turnhalle

Traditionelles und „Schräges“ beim Weihnachtskonzert

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Ein wunderbarer Konzertabend: Die Musikkapelle Surheim, Leitung Felix Hagenauer

Surheim - Es war wie immer: An Stephanie ist traditionell Musikantentag in Surheim. Auch diesmal zog es wieder zahlreiche Besucher in die zum Konzertsaal umfunktionierte und festlich geschmückte Turnhalle.

Ihr Kommen brauchten sie nicht zu bereuen, erlebten sie doch beim Weihnachtskonzert auch heuer einen bunten Melodienreigen auf hohem Niveau.

Mit einem Schnapserl wurden die Konzertbesucher von den freundlichen Marketenderinnen am Eingang empfangen. Ob das Hochprozentige gereicht hat bei dem Andrang? Die Sitzplätze in der Halle wurden jedenfalls bald knapp und der eine oder andere Besucher durfte sich das Konzert im Stehen anhören.

Eng ging es auch auf der großen Bühne zu, wo die gut 40 Musikantinnen und Musikanten der Surheimer Kapelle Platz nahmen und die Gäste mit dem flotten Marsch „In alter Frische“ des deutsch-schweizerischer Komponisten und Dirigenten Heinrich Steinbeck musikalisch begrüßten.

Das mündliche „Grüß Gott“, verbunden mit Namenstag-Glückwünschen an alle Stefanies und Stefans, übermittelte Vereinsvorstand Felix Hagenauer der Ältere. Natürlich Beifall für die Ehrengäste, unter ihnen Pfarrer Roman Majchar, die drei Bürgermeister der Gemeinde und Altbürgermeister Ludwig Nutz und Ehrenbürger Peter Auer.

Dann gab es eine kleine Instrumentenkunde in Sachen „Klarinette“. Anlass: Dank großzügiger Spenden konnte die Musikkapelle im abgelaufenen Jahr ein besonderes Instrument anschaffen, nämlich eine Bassklarinette.

„Was ist der Unterschied zwischen einer B-Klarinette und einer Es-Klarinette?“, wollte Felix Hagenauer wissen und gab die Antwort gleich selber: „Die B-Klarinette brennt länger …“. Auf die Tatsache, dass die neue Bassklarinette nochmal doppelt so lang ist, wie eine B-Klarinette, konnte sich dann jeder selbst seinen Reim machen.

So manchen Reim gab auch Josef Standl, „da Ernstei Seppi“ zum Besten, der gewohnt launig-hintersinnig durchs Programm führte. Zur Einstimmung erläuterte er gleich einmal den Unterschied zwischen Laien und Profis, wie er sich auf Musikanten übertragen ließe: „Die Arche Noah seinerzeit – bauten Laien mit viel Freud. Dieses Boot war schön und gut – und rettete uns vor der Flut. Im Gegenzug möchte ich verlauten, dass Profis die Titanic bauten!“

„Egerländer Erinnerungen“, diese Polka von Berthold Schick war gleichzeitig eine Hommage an Ernst Mosch und seine berühmten Egerländer Musikanten, die 1956, also genau vor 60 Jahren gegründet wurden.

Traditionelle Blasmusik, Walzertakt und Jazz, kann das zusammenpassen?

Mit ihrem „Jazz Waltz No 1“ von Otto M. Schwarz stellten die Surheimer Musikanten eindrucksvoll unter Beweis, dass es geht, oder wie es der Standl Seppi ausdrückte: „Beim Jazz meint man ja immer, dass jeder spielt, was er will und es passt doch alles zusammen.“

Dass es gut zusammenpasste, nicht nur bei diesem Stück, dazu trägt auch Kapellmeister Felix Hagenauer der Jüngere ein gerüttelt Maß bei, versteht er es doch exzellent, seinen Musikanten und in diesem Fall seinen Trompeten- und Saxophonsolisten das Letzte raus zu kitzeln.

Nachwuchsarbeit wird bei der Surheimer Kapelle ja seit jeher großgeschrieben. Welche musikalischen Früchte dies trägt, davon konnten sich die Besucher in der Surheimer Halle eindrucksvoll überzeugen.

Zunächst beim „Power Rock“ im Bläser-Arrangement von Michael Sweeney, schwungvoll vorgetragen von der kleinen Jungmusi unter Leitung von Philipp Hagenauer. Eine Alters- und Lernstufe höher dann die Jugendkapelle, die seit einiger Zeit von Erika Szavuly-Schadner „trainiert“ wird.

Musik auf hohem Niveau: die Jugendkapelle, Leitung Erika Szavuly-Schadner

Laien oder Profis?

Wie die Jungen „Eine kleine Nachtmusik“ in Szene setzten, war man schon geneigt, das Prädikat „professionell“ zu vergeben. Da wird sich schon der eine oder andere Besucher gedacht haben „Mein Herz schlägt für die Blasmusik“. Mit dem gleichnamigen Marsch von Simon Fankhauser und dem gemeinsam vorgetragenen „Stille Nacht“ entließen die Nachwuchsmusikanten ihre Zuhörer in die Pause.

Die wurde natürlich auch von Seppi Standl standesgemäß angekündigt: „Eine Brotzeit kaufen oder eine Halbe saufen, ist der Pause schönste Zier und jetzt auch mein Begier.“

Mit einem Ohrwurm, nämlich dem „Florentiner Marsch“ von Julius Fucik, ging das Weihnachtskonzert in seinen 2.Teil. Hörenswert, wie die Surheimer Musikanten dieses umfangreiche Werk mit seinen vielen Tempiwechseln, der Mischung aus leisen und opulenten Tönen oder dem Zwischenspiel von Klarinetten und Querflöten in Szene setzten.

Als ein „Highlight des Abends“ kündigte Seppi Standl den „Triumphmarsch aus Aida“ an und fügte hinzu: „Weil ich so gern Musik mach, interpretiert von mir“. Aus einem riesigen Musikkoffer befördert er umständlich und mit gnädiger Unterstützung von Pfarrer Majchar ein Kazoo ans Tageslicht. Ob der kläglichen Töne, die er alsdann dem Gerät entlockte, wird sich wahrscheinlich Giuseppe Verdi in seinem Grab umgedreht haben.

Triumph-Marsch auf dem Kazoo: Sprecher Josef Standl

Als Belohnung durfte man dann aber die Augen schließen, sich die Bühne als Orchestergraben vorstellen und den Marsch zum Ruhme des Pharaos, interpretiert vom „Surheimer Symphonieorchester“ in vollen Zügen genießen. Meisterlich die Trompetensoli von Philipp Hagenauer.

Alpenländische Blasmusik mit weltmusikalischen Elementen zu verbinden, das ist Markenzeichen der siebenköpfigen österreichischen Gruppe „Federspiel“. Mutig und erfreulich, dass sich auch die Surheimer an diese Musik herangewagt haben, wohlwissend, dass die teilweise arg schrägen Töne bei den Traditionalisten unter den Besuchern nicht unbedingt Begeisterungsstürme hervorrufen würden. „Morsen 4.0“ hieß das von Federspiel-Posaunisten Matthias Werner komponierte und von Martin Gaugler und Felix Hagenauer für Blasorchester arrangierte Werk, das am Ende sehr viel Beifall fand.

Mit einer liebgewordenen Tradition, nämlich dem musikalischen Gedenken an große Künstler, erlebte das Weihnachtskonzert sein Finale. „Bud & Terence“, wer erinnert sich nicht an das Fäuste schwingende Filmpaar Bud Spencer und Terence Hill? Im Juni dieses Jahres ist Bud Spencer 86-jährig verstorben.

„Bud & Terence“ hier unterstützt von einem Kinderchor und Bud Spencer alias Alois Ortmaier

In einem einfühlsam vorgetragenen Medley wurden die großen Filmhits, komponiert von Oliver Onions, noch einmal lebendig. Im Auftrag der Musikkapelle Surheim wurde dieses Werk von Sebastian Höglauer junior für Blasorchester arrangiert.

Der lang anhaltende Beifall für ein wunderbares Konzert verlangte selbstredend nach Zugabe. „Hallelujah“, wie könnte ein Abend stimmungsvoller zu Ende gehen als mit dem Song des ebenfalls erst kürzlich verstorbenen Poeten und Sängers Leonard Cohen?

Den Schlusspunkt setzte Bürgermeister Bernhard Kern, der sich im Namen der Gemeinde bei der Musikkapelle für die vielfältige musikalische Unterstützung bei kirchlichen und weltlichen Anlässen und für die hervorragende Nachwuchsarbeit bedankte. Dem Brauch folgend, dirigierte das Gemeindeoberhaupt zu guter Letzt „seinen“ Andulka-Marsch.

Bürgermeister Kern dirigiert den Andulka-Marsch

Und wie meinte Seppi Standl: „Es ging mit Pauken und Trompeten schon wieder ein Jahr flöten. So geht’s den Jungen wie den Alten, man muss nur den Humor behalten!“

Norbert Höhn

Quelle: BGland24.de

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