Rückverlegung des Salzach-Uferweges?

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Uferanbrüche an der Salzach.

Saaldorf - Das Salzachufer wurde vom letztjährigen Hochwasser nicht verschont. Nun muss dementsprechend gehandelt werden: Ist eine Rückverlegung des Uferweges die ideale Lösung?

Das Juni-Hochwasser vom vergangenen Jahr hat seine Spuren auch am Salzachufer im Gemeindebereich von Saaldorf-Surheim hinterlassen. Auf einem Kilometer Länge entstanden mehrere Uferanbrüche, die wasserwirtschaftliche Maßnahmen erfordern. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung im Surheimer Hackerstüberl stellten nun Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein die Planungen für eine Rückverlegung des Uferweges vor. „Welche Auswirkungen haben die „weichen Ufer“ auf das Hinterland?“, vor allem diese Frage bewegte die Grundanlieger in der lebhaft geführten Diskussion. Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen soll in der Gemeinderatssitzung im Januar getroffen werden.

Welche Folgen hätte ein großes Hochwasserereignis?

„Als Bürgermeister kann ich der vorliegenden Planung so nicht zustimmen“, ließ Bernhard Kern gleich bei seiner Begrüßung im vollbesetzten Hackerstüberl keine Zweifel. Als Referenten stellte er Georg Hermannsdorfer und Dipl. Ing. Tilmann Zinsser vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein vor. Zudem stand Dipl. Ing. Daniel Skublics von der Technischen Universität München für wasserbautechnische Fragen zur Verfügung. Bevor Georg Hermannsdorfer die Planungen des Wasserwirtschaftsamtes anhand einer Bildschirmpräsentation erläuterte, hatten die Versammlungsteilnehmer Gelegenheit Fragen zu stellen. „Was gibt man aus der Hand, wenn man der vorliegenden Planung zustimmt?“, wollte Altbürgermeister Ludwig Nutz wissen. Er gab seinen Bedenken Ausdruck, dass die Rückverlegung des Weges eine vorweggenommene Maßnahme im Zusammenhang mit dem Projekt „Zukunft Salzach“ sein könnte. „Es wird vorgegriffen“, befürchtete auch Grundanlieger Johann Hafner aus Reit, der sich schon seit langem mit den Themen „Salzach“ und „Auwald“ engagiert auseinandersetzt. „Welche Auswirkungen hat eine Rückverlegung auf das Hinterland?“, wollte er geklärt wissen. Auch die weiteren Fragesteller beschäftigte vor allem das Problem, welche Folgen ein großes Hochwasserereignis für die Grundanlieger haben könnte und wer im Schadensfall haften würde.

Georg Hermannsdorfer stellte zunächst fest, dass es sich bei der Rückverlegung eindeutig um eine Unterhaltungsmaßnahme auf staatseigenem Grund handle, für die kein Genehmigungsverfahren notwendig sei. „Bei der heutigen Versammlung wollen wir Sie aber informieren und die geplanten Maßnahmen im Sinne eines guten Einvernehmens mit Ihnen diskutieren“, so Hermannsdorfer. Anhand von Bildern und Grafiken beschrieb er die Schäden, welche beim letztjährigen Hochwasser entstanden waren. Dabei handelt es sich um vier unterschiedlich lange Uferanbrüche zwischen Flusskilometer 56,4 und 57,4. Ursache sei vor allem die zunehmende Eintiefung der Salzach und damit verbundene Unterspülung von Uferbefestigungen. So lag beispielsweise die Flusssole 2014 bei Kilometer 57,2 um zwei Meter tiefer als 1995.

„Warum ist eine Uferweg-Rückverlegung geplant?“

 Auf diese zentrale Frage ging Georg Hermannsdorfer in der Folge detailliert ein. Rechtlich bindende Grundlage sei das Wasserhaushaltsgesetz, das die Erhaltung und Förderung der ökologischen Funktionsfähigkeit des Gewässers, insbesondere als Lebensraum von wild lebenden Tieren und Pflanzen vorgibt. Gewässer seien demnach so zu bewirtschaften, dass eine Verschlechterung ihres ökologischen und ihres chemischen Zustands vermieden wird und ein guter Zustand dieser beiden Faktoren erreicht werde. Im Maßnahmenprogramm nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sei festgelegt, dass massive Uferbefestigungen zu beseitigen, beziehungsweise zu reduzieren seien, um neue Lebensräume zu schaffen. Anhand der in „Natura 2000 Bayern“ definierten Erhaltungsziele für die Salzach zeigte Georg Hermannsdorfer einige Beispiele auf. Neben vielen Insekten- und Vogelarten sollten vor allem flussspezifische Fische, wie Huchen, Groppe oder Strömer einen vollwertigen Lebensraum finden.

Eine Reparatur beziehungsweise Wiederherstellung des alten Uferzustandes verbiete letztlich auch die Bayerische Haushaltsordnung, in der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit vorgegeben sind. Eine Neuerstellung der Ufersicherung auf der derzeitigen Linie würde für tausend Meter geschätzt eine Million Euro kosten. Für die Uferrückverlegung müsse dagegen nur mit 50.000 Euro kalkuliert werden. Zusammenfassend wies Georg Hermannsdorfer auf die Erfahrungen seiner Behörde bei vergleichbaren Maßnahmen hin: „Zuerst gibt es immer Aufruhr, aber kaum sind wir mit den Arbeiten fertig, sind schon Leute da, um den neuen Erholungsraum zu nutzen.“ Keinen Aufruhr, aber großen Diskussionsbedarf gab es im Anschluss an den Vortrag.

nh

Quelle: BGland24.de

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