Demontage des Sägespäne-Bunkers

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Demontage

Saaldorf-Surheim - Der Wallner-Sägespäne-Bunker wurde abgebaut. Nichts wird bald mehr an die wechselvolle Geschichte des Sägewerks erinnern.

Mit der Demontage des Sägespäne-Bunkers verschwand nun auch das letzte markante Bauwerk des ehemaligen Sägewerks Wallner in Obersurheim. Bis zu 80 Arbeiter waren in dem Betrieb beschäftigt und in den besten Zeiten wurden an die 60.000 Festmeter Holz jährlich verarbeitet. Die drei Sägewerke, sowie das Hobel- und Parkettwerk prägten nicht nur das Ortsbild, sondern war auch eine der Grundlagen für die Wirtschaftskraft der Gemeinde.

Es ist fein abgestimmte Millimeterarbeit, mit der Vater Günther Kastner und Sohn Hans von der gleichnamigen Inzeller Firma die beiden riesigen Autokräne steuern. Behutsam wird die stählerne Dachkonstruktion des ehemaligen Sägespäne-Bunkers angehoben und seitlich neben dem verbliebenen Gebäudeteil abgestellt. „Geschafft, das war der schwierigste Teil der Aktion“, zeigt sich Stefan Roider erleichtert. Unter seiner Regie werden die nicht immer ganz einfachen Demontage-Arbeiten durchgeführt. Die Stahl- und Holzteile werden in den nächsten Tagen weiter zerlegt und abtransportiert, um Platz zu schaffen für einen modernen Gewerbebau, der an gleicher Stelle entstehen soll. Nichts mehr wird dann an die wechselvolle Geschichte des Sägewerks erinnern, das im Jahr 2000 seinen Betrieb einstellen musste.

Dem Saaldorf-Surheimer Heimatbuch kann man entnehmen, dass die „Gmachmühl zu Obersurheim“ 1423 erstmals Erwähnung findet, als Erzbischof Eberhard III. in einem Lehenbrief an einen Wilhelm Nußdorfer „Nachricht gibt“. Weiter heißt es: „Blasius Nußdorfer verlieh 1550 die Mühle mit drei Mühlrädern und einem Stein sowie einer Sägemühle mit einem Rad dem Marx Müller“. Über die Jahrhunderte gab es viele unterschiedliche Besitzverhältnisse und Nutzungsarten, ehe 1927 die „Mühle in Obersurheim“ in das Eigentum von Johann Wallner überging. „Mein Großvater hat die Säge samt Wasserkraft von Friedrich Wochinger aus Traunstein gekauft“, erzählt sein Enkel und ergänzt schmunzelnd: „Ich bin der dritte Johann in der Wallner-Generationenfolge und mein Sohn der vierte.“ Sein Großvater und sein Vater vergrößerten das Sägewerk und bauten es zu einem modernen Großbetrieb aus. Anfang der Fünfzigerjahre kam mit dem Parkettwerk ein weiterer, bald gut florierender Geschäftszweig hinzu. „Mit bis zu 80 Mitarbeitern waren wir der größte Arbeitgeber in der Gemeinde“, blickt Johann Wallner zurück. Doch auch von Unglücken blieb der Betrieb nicht verschont. Katastrophal wirkte sich das Hochwasser von 1954 aus, bei dem das gesamte Werksgelände in den Fluten der Sur versank. Auf alten Fotos der Familie Wallner ist zu erkennen, wie ganze Bretterstöße im Wasser treiben und das erst zwei Jahre zuvor errichtete Parkettwerk total zerstört wurde.

Fotos von den Abbauarbeiten:

Wallner-Sägespäne-Bunker wurde abgebaut

Waren vor dem Krieg die bayerischen Saalforste noch ein wichtiger Holzlieferant, so kam der Nachschub ab den Fünfzigerjahren aus den Teisendorfer, Reichenhaller und Bischofswiesener Forstamts-Bezirken. Aber auch aus Niederbayern und der Würzburger Gegend wurden die Stämme angeliefert. Bis Mitte der Sechzigerjahre wurde die Schnittware vorwiegend innerhalb Deutschlands verkauft, danach erschloss Johann Wallner zunehmend auch den italienischen Markt.

Der jetzt demontierte Sägespäne-Bunker wurde um 1980 errichtet. Über sogenannte Kratzförderer und Rohrleitungen wurden Hackschnitzel und Sägespäne zum Bunker transportiert und mittels Siebanlagen nach Größe getrennt. „Die Hackschnitzel kamen in die Papierfabrik nach Hallein und die Sägespäne wurden beim Kaindl zu Spanplatten verarbeitet“, schildert Johann Wallner.

Zusammen mit dem Spänebunker wurde auch die am Dach montierte Mobilfunkmast abgebaut. Diese Antenne sorgte 2001 für viel Aufregung in Obersurheim, als eine „Initiative gegen Elektrosmog“ zur Demonstration aufgerufen hatte und sich eine stattliche Anzahl von Demonstranten auf dem Werksgelände versammelte. „Obersurheimer rebellieren: Mobilfunkmast muss weg!“ titelte im Mai 2001 ein lokales Blatt. Die Zeiten ändern sich, nahm doch von den erst vor kurzem ganz in der Nähe errichteten Antennen-Anlagen kaum jemand Notiz.

1997 kam dann das plötzliche Aus für das Sägewerk und im Jahr 2000 wurde auch der restliche Betrieb eingestellt. „Da ist eine ganze Menge von Ursachen zusammengekommen“, erinnert sich Johann Wallner. Eine große Rolle habe sicherlich der Orkan „Wiebke“ gespielt, der vom 28. Februar auf 1. März 1990 über Deutschland wütete und auch in der Forstwirtschaft riesige Schäden anrichtete. „Zunächst war das für uns ein Segen, weil wir bei der Aufarbeitung des Windwurfs schnell reagieren konnten. Allerdings gab wegen der Menge von Holz, die plötzlich den Mark überschwemmte, bald einen massiven Preisverfall“, blickt Johann Wallner zurück. Zudem habe sein Vater mit dem Bau einer modernen Sägewerkhalle damals noch eine Großinvestition getätigt, die sich nicht mehr amortisieren ließ. „Die Technik war unausgereift und die Säge ist nie so richtig zum Laufen gekommen.“ Auch die Konkurrenz von Groß-Sägewerken, die zunehmend auf den Markt drängten, hat das Ende unseres Betriebes beschleunigt“, nennt Johann Wallner einen weiteren Grund.

Nach der Schließung des Traditionsbetriebes war es der Gemeinde möglich, große Teile des ehemaligen Sägewerks-Geländes zu erwerben und Gewerbegebiete auszuweisen. In Helfau 1 und 2 haben sich seither viele innovative Betriebe angesiedelt. Auch an den Späne-Bunker wird man sich bald nicht mehr erinnern, denn an gleicher Stelle entsteht schon bald ein Firmengebäude mit modernem „Outfit“. Für Nostalgiker bleiben trotzdem „optische Erinnerungspunkte“, handelt es sich doch bei der „schwarzen“ und der „weißen Halle“ um ehemalige Betriebsgebäude der Firma Wallner. Nach wie vor in Betrieb ist auch die ehemalige Mühle. Wurde früher die Energie des Wassers benutzt, um Mühlsteine und Sägegatter anzutreiben, so wird seit 1939 mittels einer Turbine Strom erzeugt. „Das Kraftwerk liefert im Jahr an die 300.000 Kilowattstunden Strom, was den durchschnittlichen Verbrauch von hundert Haushalten entspricht“, weist Johann Wallner auf seinen Beitrag zur Energiewende hin.

nh

Quelle: BGland24.de

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