Heidi Halbritter führt Gasthof weiter

Turbulenzen um Sonnenheim haben sich gelegt

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Heidi Halbritter führt das Sonnenheim weiter.

Saaldorf - „Gemeinde will Gasthaus Sonnenheim kaufen“. Diese Schlagzeile sorgte Ende letzten Jahres für viel Gesprächsstoff. Was viele freuen wird: Ein Verkauf steht nicht mehr zur Debatte!

„Gemeinde will Gasthaus Sonnenheim kaufen“. Diese Schlagzeile sorgte Ende letzten Jahres für viel Gesprächsstoff, handelt es sich doch um ein beliebtes und weit über die Ortsgrenzen hinaus bekanntes Ausflugslokal. Zwischenzeitlich steht fest, dass ein Verkauf nicht mehr zur Disposition steht und der Gasthof wie bisher weitergeführt wird. Über die aufregenden letzten Wochen, aber auch über die wechselvolle Geschichte des Sonnenheims sprachen wir mit der Besitzerin und Geschäftsführerin Heidi Halbritter.

Das Sonnenheim.

Wir treffen Heidi Halbritter in der gepflegten Gaststube. Fesch herausgeputzt hat sich die rüstige Noch-Sechzigerin, schließlich ist heute Ruhetag und damit auch ihr freier Tag. Ein reichhaltig gedeckter Tisch wartet auf verspätete Frühstücksgäste und erinnert daran, dass zum Haus auch 15 Gästezimmer gehören. „Wie es weitergeht mit dem Sonnenheim?“, fallen wir gleich mit der Tür ins Haus. Die Entschiedenheit der Antwort überrascht: „Erst mit de Füaß voraus kennans mi außitragn. I bleib do, i möcht überhaupt nimmer weg.“ Und auch der Betrieb soll, abgesehen von kleinen Veränderungen, so weiterlaufen wie bisher. „I mog umananda grantln, wia i’s gwohnt bin“, meint die Heidi augenzwinkernd. Verlassen kann sie sich dabei auf ihr eingearbeitetes Personal, das ihr auch weiterhin die Treue hält. Ein bisserl kürzer treten will sie allerdings schon, denn „ein 18-Stunden-Arbeitstag wie bisher üblich, wird mir in meinem Alter auf Dauer zu viel“. Sie schränkt allerdings gleich wieder ein: „I arbat gern und g’storbn is an da Arbat a nu koana.“

„Wie ist es denn überhaupt zu den „Verkaufs-Turbulenzen“ vom vergangenen Herbst gekommen?“, wollen wir wissen. Obwohl es ihr nicht ganz leicht fällt, versucht Heidi Halbritter die Abläufe zu ordnen. „Eigentlich hätte ich mir gewünscht, dass mein Sohn Karl den Betrieb als Geschäftsführer übernimmt.“ Während der letzten beiden Jahre habe sie versucht, ihren Sohn im Betrieb zu integrieren. „Es hat sich allerdings ziemlich schnell herausgestellt, dass unsere Vorstellungen über die Zukunft des Sonnenheims sehr unterschiedlich waren“, blickt die Wirtin bedauernd zurück. Ihr Sohn habe die Angelegenheit fast ausschließlich von der betriebswirtschaftlichen Seite gesehen und „bei mir hängt halt doch sehr viel Herzblut dran“. Aus den offenbar unvereinbaren Vorstellungen und aus dem Wunsch, kürzer treten zu wollen, entstand schließlich die Entscheidung zum Verkauf. „Wos mei Bua ko, des ko i selber a“, erinnert sich Heidi an die seinerzeitigen Überlegungen. Einige Tage später habe dann Bürgermeister Bernhard Kern bei ihr vorgesprochen und das Interesse der Gemeinde am Kauf des Sonnenheims bekundet. Der Bürgermeister habe von Anfang an kein Geheimnis daraus gemacht, dass die Gemeinde das Objekt als Unterkunft für Asylbewerber nutzen möchte, erinnert sich Heidi Halbritter und fügt auch gleich ein Lob an: „Obwohl es um sehr viel Geld ging, war der „Bernhard“ immer nett, sachlich und fair.“ Eine Woche später wurde mit der Gemeinde vereinbart, dass der Verkauf zum 31. Dezember verbrieft werden sollte. Warum ist es dann doch nochmal ganz anders gekommen? „Nach meiner Verkaufs-Zusage hab ich erst einmal zum Denken und Rechnen angefangen“, blickt Heidi Halbritter zurück. Sie scheut sich nicht zuzugeben, dass auch finanzielle Erwägungen eine Rolle gespielt haben: „Von dem was da an Steuern fällig gewesen wären, hätt ich mir ein Einfamilienhaus leisten können.“ „Hat die Rücknahme der Verkaufsentscheidung auch mit der angedachten Nutzung als Asylbewerber-Unterkunft zu tun?“, fragen wir und erhalten als Antwort ein unmissverständliches „Nein“. Wehmut schwingt allerdings mit, wenn sie resümiert: „Das ist meine Heimat, da haben wir so viel geschaffen, das kann ich doch nicht einfach anderen überlassen.“ Diese tiefe Verbundenheit mit „ihrem Sonnenheim“ war für die Heidi schließlich der ausschlaggebende Grund, die Verkaufszusage zurückzunehmen.

Eine Verbundenheit, die nachvollziehbar wird, wenn Heidi Halbritter auf die fast 50jährige Geschichte des Sonnenheims zurückblickt. 1964 hat sie den Grund gekauft, auf dem heute der Gastronomiebetrieb steht. „Ich konnte mir das damals leisten, weil ich nach meiner Lehrzeit in Garmisch und Mittenwald im Gastgewerbe sehr gut verdient hab.“ Mit dem Grundstückskauf sollte eigentlich nur eine bessere Zufahrt zum Elternhaus ermöglicht werden. Die Eltern, Erna und Georg Steinwender, führten zu dieser Zeit den Neuwirt in Saaldorf. Als feststand, dass die neue Saaldorfer Umfahrung unmittelbar am erworbenen Grundstück vorbeiführen würde, habe der Vater nicht lange überlegt: „Do bau i jetzt a Cafe und a Pension hi.“ Sehr zum Unverständnis seiner Mutter übrigens, die das Ganze so kommentierte: „Ja Giagei, bist denn ned nu dümma, wer kauft denn an Kaffee? An Kaffee ham alle dahoam und a Kuacha wird nur am Sunntag g’essn“. Trotz vieler Skeptiker habe sich der Vater nicht von seinem Vorhaben abbringen lassen und 1967 das Sonnenheim gebaut. Und auch die Oma sollte nicht Recht behalten, wurde die Gaststätte doch von Beginn weg hervorragend angenommen. Nachdem der Betrieb anfänglich für kurze Zeit verpachtet war, hat ihn ab 1969 die Familie Steinwender selber geführt. Familiäre Veränderungen und finanzielle Überlegungen brachten es dann mit sich, dass 1978 Heidi und ihre Schwester Evi das Sonnenheim als gleichberechtigte Geschäftsführerinnen übernahmen. Seit etwa vier Jahren führt Heidi Halbritter den Betrieb alleine. „In all den Jahrzehnten wurde unser Haus immer wieder saniert und erweitert, um den gestiegenen Ansprüchen der Gäste gerecht zu werden“, erzählt die Wirtin. Die Förderung des örtlichen Fremdenverkehrs sei der gesamten Familie stets ein großes Anliegen gewesen. So habe Mutter Erna Steinwender einen Fremdenverkehrsverein in Saaldorf gegründet. „Acht Mark sechzig hat damals ein Zimmer mit fließendem Wasser und Vollpension beim Neuwirt gekostet.“ Bedauernd stellt Heidi Halbritter fest, dass trotz guter Voraussetzungen die Entwicklung beim Fremdenverkehr verschlafen worden sei „und jetzt ist der Zug leider abgefahren“. Die „Altwirtin“ Erna Steinwender ist übrigens noch regelmäßiger Gast im Sonnenheim, vor allem wenn ein zünftiger Schafkopf zusammengeht. Erst in diesen Tagen konnte die rüstige alte Dame in der vertrauten Umgebung ihren 89sten Geburtstag feiern.

„Wie geht’s mit der Jagerei?“, wollen wir zum Ende unseres Gesprächs von der passionierten Jägerin wissen. „Die Jagd hab i momentan aufgebn, weil ärgern kann i mi dahoam aa“, ist die vieldeutige Antwort. Auch bei ihrem anderen Hobby, dem Halten von Enten, muss sie kürzer treten: „Letztes Jahr haben Marder und Fuchs innerhalb von zwei Wochen meine dreiundachtzig Enten umgebracht.“ Auf der Terrasse tummeln sich allerdings schon wieder eine kleine Entenschar und zwei stattliche Gänse, „ein Grundstock für eine neue Zucht“, wie die Wirtin erklärt. Auf ihre Gesundheit angesprochen meint die Heidi: „Mei Großmuatta hat gsogt, ab fuchzge wenn du in da Fruah aufstehst und dir duad nix weh, dann bist scho gstorbn.“ Nach den Aufregungen der letzten Monate will sich die Heidi jetzt erst mal für zwei Wochen in der Karibik erholen. Und am Rosenmontag steht dann ein großer Kaffeekranzl in ihrem Sonnenheim an. Was es da zu feiern gibt, darf an dieser Stelle allerdings noch nicht verraten werden.

Norbert Höhn

Quelle: BGland24.de

Zurück zur Übersicht: Rupertiwinkel

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser