Können wir noch richtig Danke sagen?

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Saaldorf/Surheim - Festlichen Schmuck und nachdenkliche Worte gab es beim diesjährigen Erntedankgottesdienst.

„Was macht es uns oftmals so schwer, Danke zu sagen?“ Diese Frage stellten Pfarrer Roman Majchar und Diakon Peter Walter in den Mittelpunkt ihrer Dialog-Predigt beim feierlichen Erntedank-Gottesdienst in Surheim. In einem Festzug wurden nach der Hl. Messe Monstranz und Erntekrone durch den Ort getragen. Zum geselligen Pfarrfest traf sich die Kirchengemeinde anschließend im Pfarrheim.

Das Erntedankfest ist eines der ältesten Feste überhaupt. Seine Ursprünge reichen in vorchristliche Zeit zurück. Seit dem 3. Jahrhundert ist das Erntedankfest in der katholischen Kirche belegt und wird in Deutschland meist am ersten Sonntag im Oktober begangen. Im Rahmen einer feierlichen Messe wird nicht nur Gott für das Gedeihenlassen der Früchte gedankt, sondern auch daran erinnert, dass das „täglich Brot“ hart erarbeitet werden muss.

Wie schon am Sonntag zuvor in St. Martin in Saaldorf war auch die Surheimer Kirche zum Erntedank-Gottesdienst festlich herausgeputzt und mit allerhand Erntegaben farbenfroh dekoriert. Von vier Mädchen wurde die mit Getreideähren verzierte Erntekrone in die Kirche getragen. Dahinter hielten Hohe Geistlichkeit und Ministrantenschar Einzug in den von Fahnenabordnungen der Ortsvereine gesäumten Altarraum.

„This is the day that the Lord has made”, erklang es zur Begrüßung von der Empore. Für die rhythmisch-klangvolle Umrahmung des Gottesdienstes sorgte der Saaldorfer Gospelchor "Come together" unter Leitung von Maria Anna Wimmer.

Mit ihrem Zwiegespräch wählten Pfarrer Roman Majchar und Diakon Peter Walter eine außergewöhnliche, aber dafür umso tiefer gehende Form der Predigt. In den Mittelpunkt ihres Dialoges stellten sie die Überlegung, ob das Danken, das „Danke“ sagen nicht immer mehr verloren geht.

„Können wir vielleicht besser herumjammern und kritisieren als danken?“, fragte Pfarrer Majchar und Peter Walter ergänzte, dass viele Menschen heute zu sehr um sich selbst kreisten und dabei vollkommen gedankenlos wären. „Wer allzu gedankenlos ist, ist bald das Danken los“, erinnerte der Diakon an ein altes Sprichwort. „Die Menschen wollen immer mehr haben und werden dabei immer unzufriedener und unglücklicher. Wo aber eine Grundstimmung der Unzufriedenheit herrscht, ist kein Raum für Dankbarkeit“, gab Roman Majchar zu bedenken.

Sind wir zu stolz, um zu danken? Sind wir durch unseren Wohlstand zu verwöhnt, um den Wert von Dingen noch zu erkennen? Ist es etwa selbstverständlich, dass wir gesund sind, dass wir unsere Sinne gebrauchen können? Ist es selbstverständlich, dass andere Menschen für uns da sind? Viele Fragen wurden in dem Wechselgespräch angestoßen und erzeugten Nachdenklichkeit. „Danken wir nur, weil heute Erntedankfest ist?“ – Roman Majchar und Peter Walter plädierten für eine „Alltags-Kultur des Dankens“, die auch den Glauben als Geschenk mit einbezieht.

In einer feierlichen Zeremonie wurden anschließend Adrien Mitterhuber, Stefan Helminger und Markus Mittermaier als neue Ministranten in ihr Amt eingeführt.

Können wir noch richtig Danke sagen?

Die Erntegaben, dargeboten von Kindern der Pfarrgemeinde, sollten Sinnbilder für menschliche Grundbedürfnisse und für das zwischenmenschliche Miteinander sein. So wurden Brot, ein Krug mit Wasser, ein Schulbuch, ein Geschenk, ein Luftballon, Blumen und eine Bibel zum Altar gebracht. Ja, und auch ein Mobiltelefon konnte Pfarrer Roman Majchar als symbolisches „Erntegeschenk“ in Empfang nehmen. „Menschen brauchen Kultur, brauchen menschliche Kontakte. Ich bringe dieses Mobiltelefon als Sinnbild für alles, was über die leibliche Versorgung hinausgeht“, trug dazu Monika Niederauer vor.

Da es der Wettergott doch noch gut gemeint hatte, konnte der Festzug nach dem Gottesdienst wie geplant stattfinden. Angeführt von der Musikkapelle Surheim und von Fahnenträgern wurden das Allerheiligste und die Erntekrone durch den Ort getragen. Nach der Prozession traf sich die Kirchengemeinde im Pfarrheim zum gemeinsamen Mittagsessen und zum geselligen Beisammensein bis weit in den Nachmittag hinein.

nh

Quelle: BGland24.de

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