Fluglärm: Optimierung der Flugrouten gefordert

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Salzburg - In den letzten Jahren bemühte sich die Fluglärmkommission, Flugrouten so anzupassen, dass Flugzeuge nicht über dicht besiedelte Stellen fliegen. Hier das Ergebnis:

Am 30. Oktober hatte die Fluglärmskommission ihre Sitzung. Die „Kommission zum Schutz gegen Fluglärm und gegen Luftverunreinigung durch Flugzeuge für den Flughafen Salzburg“ ist eine Kommission, die vom „Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr“ berufen wird. Die Aufgabe der Kommission ist es, das Ministerium in Sachen Fluglärm und Luftverunreinigung durch Flugzeuge zu beraten.

Die Mitglieder werden vom Ministerium bestellt und zwar auf die Dauer von 6 Jahren. Der jetzige Berufungszeitraum geht bis Juni 2020. In der Kommission sind unter anderem die drei bayerischen Anliegergemeinden Freilassing, Ainring und Saaldorf-Surheim vertreten, das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr, das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, die Regierung von Oberbayern, das Landratsamt Berchtesgadener Land, die Deutsche Flugsicherung und die Bundesvereinigung gegen Fluglärm, letztere vertreten durch den Schutzverband Rupertiwinkel. Von österreichischer Seite sind das österreichische Verkehrsministerium, der Flughafen und eine Fluggesellschaft in der Kommission.

In der Sitzung standen die Neuwahl des Vorsitzenden und des Schriftführers sowie deren Stellvertreter an. Als Vorsitzender wurde der bisherige Vorsitzende, Bürgermeister Josef Flatscher, wieder gewählt, als sein Stellvertreter wurde Ainrings Bürgermeister Hans Eschlberger ebenfalls wieder bestätigt. Zum Schriftführer wurde Bürgermeister Bernhard Kern aus Saaldorf-Surheim gewählt, sein Stellvertreter ist der Freilassinger Stadtrat Robert Judl.

Richtungsverteilung

Eines der wichtigsten Themen für die Teilnehmer der Kommission ist die Entwicklung der Richtungsverteilung bei den An- und Abflügen und zwar bei den großen Verkehrsmaschinen im Linien- und Charterverkehr. Hier konnte erstmalig die lange und vehement geforderte gerechtere Verteilung festgestellt werden: Erfolgten in den ersten neun Monaten des Jahres 2013 rund 95 Prozent der Landungen über Norden, also über Freilassing, so lag das Verhältnis für den vergleichbaren Zeitraum Januar bis September 2014 bei 93 Prozent. Bei den Starts war eine deutlichere Verbesserung festzustellen: 2013 starten 92 Prozent Flüge nach Norden und 2014 waren es nur noch 82 Prozent. Im Gesamtbild der An- und Abflüge ergibt sich eine Verhältnis von Nord zu Süd von 93 zu 7 Prozent (2013) beziehungsweise 88 zu 12 Prozent (2014).

Das bessere Ergebnis bei der Richtungsverteilung relativiert sich jedoch dadurch, dass sich die Anzahl der Flugbewegungen im Linien- und Charterverkehr in 2014 gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum 2013 erhöht hatten: 14.195 Flugbewegungen in 2013 und 15.175 Flugbewegungen in diesem Jahr, eine Zunahme um 6,9 Prozent. Von einer deutlich spürbaren Entlastung der Bevölkerung kann also noch nicht gesprochen werden.

Von Januar bis September 2014 waren insgesamt 44.072 Flugbewegungen zu verzeichnen, ein knappes Prozent weniger als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Auf Linienflüge und Charter entfielen davon 15.172 Bewegungen. Den weitaus größeren Anteil an den Flugbewegungen hatte die Allgemeine Luftfahrt mit 28.900 Flugbewegungen, das sind Geschäftsflüge, Schul- und Rundflüge und ähnliches.

Flugrouten

Es häufen sich bei der Stadt Freilassing die Beschwerden, dass beim Nord-West-Abflug nicht die „Ideallinie“ B304 eingehalten wird, sondern vermehrt Stadtteile wie Sailen und Brodhausen, also dicht besiedeltes Gebiet, überflogen werden. Eine Optimierung der Flugrouten wird von den Kommissionsmitgliedern gefordert. Die Flugsicherung Austro Control arbeitet daran und auch die Deutsche Flugsicherung will dies mit ihrem System NIROS unterstützen. NIROS ist ein rechnergestütztes Programm, das Routen unter Einbeziehung der Bevölkerungsdichte beurteilt.

Im Hinblick auf die Abflugroute PEREX2S sind Verbesserungen zu erwarten. Hier handelt es sich um einen Start nach Norden, das Flugzeug dreht nach Westen (Richtung Hofham) ab und umfliegt Freilassing im Uhrzeigersinn, um letztendlich wieder nach Süden zu fliegen. Oftmals wird dabei Freilassing nicht weiträumig umflogen. Austro Control hat eine Flugroute entwickelt, wodurch bestimmte Flüge, die jetzt PEREX nutzen, nach dem Abdrehen nach Westen die Route nach Bozen nutzen können, also Freilassing nicht umfliegen. Diese neue Flugroute wird in den nächsten Monaten offiziell veröffentlicht.

Flugspuren werden veröffentlicht

Die Flugspuren der Flugzeuge, die Salzburg anfliegen bzw. in Salzburg starten werden nun veröffentlicht. Bisher gab es Bedenken von österreichischer Seite. In Abstimmung mit der Deutschen Flugsicherung wird dies nun möglich sein. Die Flugspuren werden demnächst über das Internet abrufbar sein. Die Daten werden allerdings anonymisiert und zeitverzögert ins Netz gestellt.

Eine Liste mit Fragen des Schutzverbandes Rupertiwinkel wird unter der Federführung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr den zuständigen Behörden und Institutionen zugestellt und abgearbeitet.

Fluglärmschutzzonen

Die Berechnungen der Fluglärmschutzzonen sind weitestgehend abgeschlossen, wie das zuständige Bayerische Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr berichtete. Die Ergebnisse werden auch mit der Fluglärmkommission Anfang des Jahres 2015 besprochen.

Die Betriebszeit des Flughafens ist durch den Staatsvertrag auf 6 bis 23 Uhr beschränkt. Leider wird diese immer wieder überschritten. So gab es 2013 im Zeitraum Januar bis September 27 Landungen nach 23 Uhr im Linien- und Charterverkehr; in 2015 waren es bisher 15 Landungen. Die Kommissionsmitglieder fordern immer wieder, die Flugpläne so zu gestalten, dass keine Landungen bis kurz vor 23 Uhr im Flugplan stehen, hierdurch seien viele Betriebszeitenüberschreitungen praktisch schon vorprogrammiert.

Das Fazit des Kommissionsvorsitzenden Bürgermeister Josef Flatscher: „Verbesserungen für die Bevölkerung sind nur langsam und in kleinen Schritten zu erreichen. Es geht auch mir und den Mitgliedern der Kommission viel zu langsam. Aber wir müssen dran bleiben!“

Pressemeldung Rathaus Freilassing

Quelle: BGland24.de

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