Simulierter Flugzeugabsturz in Ainring

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Die Feuerwehren der umliegenden Gemeinden waren tatkräftig an der Katastrophenschutzübung in Ainring beteiligt.

Ainring - Es raucht, es stinkt, Schmerz- und Hilfeschreie hallen über die Unfallstelle, Einsatz- und Rettungskräfte eilen kreuz und quer, Einsatzanweisungen hier und dort, überall Blaulicht, Martinshorn, kommend und gehend... Chaos!

Die Eindrücke verschmelzen, Bilder in den Medien der letzten Tage anlässlich der „Loveparade“ und hier das Übungsszenario am Mittwoch als Höhepunkt eines Großseminars des Fortbildungsinstituts der Bayerischen Polizei in Ainring.

Chaos, genau das ist beabsichtigt von Seminarleiter, Kriminalhauptkommissar Ludwig Heinz, und allen an der Vorbereitung und Durchführung beteiligten Mitarbeitern des BPFI.

Zwei Wochen üben Führungskräfte und Sachbearbeiter von Schutz- und Kriminalpolizeidienststellen aus ganz Bayern gemeinsam, sogenannte Großschadensereignisse, also Unglücksfälle oder sonstige Ereignisse mit einer Vielzahl von Verletzten und Getöteten, sowohl einsatztaktisch als auch kriminalpolizeilich in den Griff zu bekommen und abzuarbeiten. Und dazu gehört vor allem, möglichst schnell aus der sogenannten „Chaosphase“ zu Beginn eines solchen Ereignisses herauszukommen.

Es gilt innerhalb der eigenen Reihen, aber vor allem auch mit den sogenannten „benachbarten Kräften“, also Rettungsdiensten, Feuerwehr, THW, Landratsamt und sonstigen Behörden Struktur hineinzubringen, vom ersten „Nebeneinander“ in ein „Miteinander“ zu kommen, Informationswege und -zuständigkeiten festzulegen, Kräfteanforderung, Verständigung von Angehörigen, Pressearbeit zu koordinieren.

Die Übung fordert von allen Beteiligten höchstes Engagement. Wochenlang wurden akribisch bis ins Detail Szenarien vorbereitet, wie sie bei derartigen Lagen entstehen, um die Seminarteilnehmer damit während ihres Einsatzes zu konfrontieren. Vorlagen dazu gibt es ja bedauerlicher Weise immer wieder. Ramstein, Eschede, Tauerntunnel, Air-France-Absturz, Bad Reichenhall, Kaprun, das sich heuer bereits zum zehnten Mal jährt.

Katastrophenschutzübung in Ainring

Einsatzleiter dieser Unglücksfälle geben ihre Erfahrungen hautnah an die Seminarteilnehmer weiter, diskutieren Vor- und Nachteile, der einen oder anderen Entscheidung, unschätzbares Erfahrungswissen für zukünftige Einsätze und für die Prävention. In Vorbereitung auf „ihren großen Einsatz“ werden die Seminarteilnehmer umfangreich mit modernen EDV-Anwendungen zur Informationsgewinnung und –verarbeitung, sei es zur Einsatzbewältigung als auch kriminalpolizeilicher Ermittlungen vertraut gemacht.

Hunderte von Gegenständen, Wrackteile, aber auch Leichen und Leichenteile, unendlich verstreut, müssen hinsichtlich Auffindungsort, besonderer Kennzeichen, katalogisiert und mit Daten und Angaben von Überlebenden oder Angehörigen oder anderen Datenbanken bei Behörden abgeglichen werden. Hier geht es sicherlich zunächst um Ursachenforschung, aber auch darum, Wertgegenstände Berechtigten zurückzugeben und nicht zuletzt, Hinterbliebenen zumindest die, wenn auch traurige, Gewissheit zu geben, ihr Angehöriger ist unter den Opfern. Diese Gewissheit , aber auch das Gefühl, dem Verstorbenen eine letzte Ruhestätte geben zu können, sind wichtige Voraussetzung für aktive Trauerarbeit, wie Psychologen immer wieder bestätigen.

Und dann werden die Seminarteilnehmer „in´s kalte Wasser geworfen“. Auch wenn sie im Voraus wissen, was sie in etwa erwartet, es sich nur um Übung handelt, Leichen nur Puppen sind und die zahlreichen Verletzten Komparsen der Hauptschule Mitterfelden sind, die Chaosphase erwischt sie alle. Jetzt müssen Führungskräfte Ruhe bewahren, das Gelernte in der Praxis unmittelbar anwenden, Mitarbeiter einteilen, sich mit den übrigen Einsatzkräften Netzwerke bilden und absprechen. Fazit aller Teilnehmer ist immer wieder das Gefühl mit der unmittelbaren Konfrontierung mit einer möglichst realistischen Szenerie, durch das Erleben der simulierten Situation für den Fall, den sich keiner wünscht, besser gerüstet zu sein.

Auch dieses Jahr fand die Übung, die nicht nur bundesweit seit vielen Jahren in Fachkreisen große Anerkennung findet, wieder mit internationaler Beteiligung statt. Vier hochrangige Vertreter der kroatischen Polizei, darunter die Leiterin des Lagezentrums des Innenministeriums in Zagreb als auch Führungskräfte der Bereitschaftspolizei sowie von Spezialeinheiten aus Split informierten sich über die Übung und nehmen aktiv daran teil. Gleichzeitig brachten sie interessante Details und Erfahrungen aus vergleichbaren Einsätzen in ihrem Heimatland. Gleichwohl beneideten sie die hervorragende Infrastruktur und fachliche Kompetenz, die das BPFI hier im Rahmen der Fortbildung bieten kann.

Am Rande der Übung wurde dabei auch bekannt, dass auch Rumänien derzeit Interesse bekundet hat, im Rahmen eines Coachingprojekts durch das BPFI eine vergleichbare Übung für die gesamte rumänische Polizei aufzubauen.

Pressemitteilung Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei

Quelle: BGland24.de

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