Spezialisierte Dienste für Bergrettungswachen

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Peter Hogger baut die Höhlenrettungswache seit rund eineinhalb Jahren auf und organisiert die Aus- und Fortbildung.

Freilassing – Die derzeit 22 aktiven Einsatzkräfte der Bergwacht Freilassing waren 2009 bei 55 Einsätzen gefordert - auch für spezielle Dienste.

Mit gleich drei spezialisierten Diensten unterstützen die Freilassinger Bergretter bei Bedarf die umliegenden Bergrettungswachen und stellen so den reibungslosen Ablauf von komplexen Einsätzen und Übungen sicher: In Freilassing sind die Höhlenrettungsgruppe der Bergwacht-Region Chiemgau, eine Gruppe „Funk und Kommunikation“ sowie drei Krisenberater des KID Berg zu Hause. Der vor einem Jahr neu gewählte Bereitschaftsleiter Siegfried Fritsch blickte bei der Jahreshauptversammlung im BRK-Haus auf das vergangene Einsatz- und Ausbildungsjahr zurück, ehrte acht verdiente Mitglieder und nahm drei neue Anwärter auf.

Bei 55 Einsätzen gefordert 2009 rückten die beiden jeweils diensthabenden Einsatzkräfte der Freilassinger Bergwacht im Wochenrhythmus abwechselnd mit der Bergwacht Teisendorf-Anger zu 27 Einsätzen der Bergrettungswache Bad Reichenhall mit aus, wobei für größere Such- und Rettungsaktionen auch weitere Retter nachalarmiert wurden. Die drei Freilassinger Krisenberater des KID Berg mussten 17-mal Angehörige und betroffene Begleiter nach schweren oder tödlichen Bergunfällen psychisch betreuen.

In Zusammenarbeit mit den Bergwachten Bad Reichenhall, Ramsau und Teisendorf-Anger betreute die Bergwacht Freilassing auch die Skigebiete Götschen (sieben Einsätze) und Hochschwarzeck (zwei Einsätze). Die Spezial-Einsatzkräfte der Höhlenrettung wurden 2009 zweimal alarmiert, mussten aber letztlich nicht ausrücken.

Kaum mehr Nachwuchssorgen

Bei seiner Arbeit als Bereitschaftsleiter kann sich Fritsch auf ein engagiertes Team verlassen, wobei er die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt hat: Als Stellvertreter steht ihm Dr. Hubert Glässner zur Seite, Kassenwart ist Kurt Rexer und für die Ausbildung ist Florian Kronawitter verantwortlich. Mit insgesamt neun Anwärtern und einer verjüngten Leitungscrew zeichnet sich immer mehr ein Generationenwechsel ab: Manfred Huber hat das Amt des Anwärter-Ausbilders übernommen und Bernhard Fuchs löst Klaus Kronawitter nach Jahrzehnten als Fahrzeugwart ab. Manfred Huber und sein Team haben die beiden angetretenen Teilnehmer der Bergwacht Freilassing nach einem intensiven Training auf der Freilassinger Hütte im Februar 2010 erfolgreich durch die Winterprüfung gebracht.

Für seine Dienste als Fahrzeugwart und Organisator der nun eingestellten Fahrbereitschaft bekam Kronawitter einen Geschenkkorb überreicht. „Die Fahrbereitschaft war immer sehr praktisch, da die beiden diensthabenden Retter sich stets darauf verlassen konnten, dass das Einsatzfahrzeug bei Bedarf nachgeführt wird. Im Bereitschaftsdienst konnte man sich so viel freier bewegen“, lobte Fritsch.

Kassenwart Kurt Rexel sucht noch immer einen Nachfolger für sein Amt; 2009 konnte der lang gediente Kassier Einnahmen in Höhe von fast 18.000 Euro verzeichnen, denen 14.000 Euro an Ausgaben gegenüberstanden. Der Kassenbestand hat sich von knapp 12.000 auf über 15.600 Euro erhöht.

Hoher Freizeitwert mit Einsätzen: Über 6.300 ehrenamtliche Stunden

Zur Bergwacht Freilassing gehören aktuell 51 Männer und Frauen, darunter 22 aktive Einsatzkräfte und neun Anwärter, sieben Ausbilder für Bergrettung, Funktechnik und Höhlenrettung, fünf Ausbilder für Sanität, zwei Ärzte, fünf Rettungsassistenten und drei Rettungssanitäter. Insgesamt haben die Freiwilligen 2009 über 6.300 ehrenamtliche Stunden geleistet: Bei Einsätzen mit der Bergrettungswache Bad Reichenhall und im Kriseninterventionsdienst (272 Stunden), im Bereitschaftsdienst (2190 Stunden), beim Winterdienst in den Skigebieten Götschen und Hochschwarzeck (830 Stunden), bei 201 Naturschutzstreifen (1608 Stunden), in der Aus- und Fortbildung (1208 Stunden), bei Organisationsaufgaben (180 Stunden) und bei sonstigen Einsätzen (44 Stunden). 210 Förderer unterstützen die Arbeit derzeit finanziell. Zusätzlich zu den regulären Ausbildungsabenden fanden elf größere Übungen statt, wobei vor allem die vor rund eineinhalb Jahren neu gegründete Höhlenrettungsgruppe viel unterwegs war.

„Ein Höhepunkt war im vergangenen September auch die Feier zum 50-jährigen Bestehen der Diensthütte am Seeleinsee und das 25-jährige Hüttenwart-Jubiläum von Hans Putzhammer“, berichtete Fritsch und lobte Putzhammerns jahrzehntelangen Einsatz bei der Wartung und Instandhaltung der Hütte. Beim Totengedenken erinnerte er an die im vergangenen Jahr verstorbenen Kameraden Rudi Albrecht und Josef Schlachtbauer.

Höhlenretter warten auf persönliche Schutzausrüstung

Mir ihrer neuen Höhlenrettungswache ist die Bergwacht Freilassing im südostbayerischen Raum für ein relativ großes Gebiet zuständig; Peter Hogger baut die Gruppe seit rund eineinhalb Jahren kontinuierlich weiter auf und organisiert die Aus- und Fortbildung, wobei die Freilassinger eng mit der Salzburger Höhlenrettung kooperieren. „Verliere nie den Mut, auch wenn du manchmal frierend in Badehosen unterwegs sein solltest“, sagte Fritsch zu Hogger, der seit mehreren Monaten auf fehlende Ausstattung für die neuen Einsatzkräfte wartet.

Die persönliche Schutzausrüstung mit einem so genannten Schlatz (robuster Overall) sowie speziellen Rettungs-, Abseil- und Selbstsicherungsgeräten wurde von der Bergwacht Bayern neu gestaltet und wird derzeit entsprechend der modifizierten Vorgaben produziert, wobei es zu Verzögerungen bei der Auslieferung an die Bergwachten kam.

Einmal monatlich trainieren die Retter bei ausgedehnten Touren für ihre Einsätze, die aufgrund schwieriger Gegebenheiten mehrere Tage bis zu einer Woche dauern können. Fritsch: „Mittlerweile sind wir ziemlich flott in den Höhlen unterwegs.“ Die Ausrüstung soll in naher Zukunft auf einen Anhänger verladen werden, der dann im Ernstfall mit dem Einsatzfahrzeug zur Höhle gezogen wird.

Unterstützung bei mangelhafter Funkverbindung

„Gerade im Gebirge ist es oft schwierig, eine Verbindung zu den Einsatzkräften herzustellen“, erklärte Fritsch. Bei mangelhafter Funkverbindung an abgelegenen Einsatzstellen wie in der Almbachklamm kann die Gruppe „Funk und Kommunikation“ der Bergwacht Freilassing unter der Federführung von Thomas Läpple eine mobile Relaisstation aufbauen und dadurch die Verständigung optimieren. Das Auto der Freilassinger ist mit zusätzlichen Funkgeräten ausgestattet und wird bei Bedarf rasch als Einsatzleitfahrzeug umgerüstet. Fritsch: „Bei der historischen Holzdrift in Ruhpolding haben wir ein sonst abgeschnittenes Gebiet mit Funk versorgt; die Verständigung war astrein!“ In Zukunft will die Bergwacht Freilassing nach entsprechender Ausbildung auch intensiver in der Einsatzleitgruppe Saalachtal mitarbeiten.

Acht verdiente Bergwachtmänner geehrt und drei Anwärter aufgenommen

Bereitschaftsleiter Siegfried Fritsch nahm Leo Hartmann, Benedikt Hiebl und Fabian Ehrler als Anwärter in die Bergwacht Freilassing auf. Für langjährige treue Mitarbeit im Rettungsdienst und Naturschutz wurde acht Bergwachtmännern das Ehrenzeichen der Bergwacht Bayern verliehen: Fahrzeugwart Klaus Kronawitter (40 Jahre), Fritz Schwabe (40 Jahre), Anton Pertl (40 Jahre), Rupert Hafner (25 Jahre), Josef Hogger (60 Jahre), Bereitschaftsleiter Siegfried Fritsch (25 Jahre), Max Mosinger (50 Jahre) und Hermann Moriggl (50 Jahre). Thomas Wagner, Referent für Kinder, Jugend und Familie bei der Stadt Freilassing und DAV-Vorstand Peter Mayer gratulierten den Geehrten undl lobten das Engagement der Freilassinger Bergwacht. Wagner: „Ihre Arbeit ist Ehrenamt unter besonderen Voraussetzungen; dafür größten Respekt und Anerkennung!“

Pressemitteilung BRK BGL

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Quelle: BGland24.de

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