Viele Fragen zu „Natura 2000“

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Surheim - Das Projekt „Natura 2000“ wurde erschaffen um Tierarten zu schützen. Der Entwurf des Managementplans wurde vorgestellt, jedoch äußern die Grundstücksbesitzer Bedenken.

„In den Schutzgebieten soll der Zustand der Natur erhalten, und wo notwendig, wiederhergestellt werden“, beschrieb Projektleiter Hans Münch die Ziele des europaweiten Netzes „Natura 2000“. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Traunstein stellte bei einem „Runden Tisch“ in Surheim die Managementplan-Entwürfe für das FFH-Gebiet und das Vogelschutzgebiet „Salzach und Unterer Inn“ vor. Schwerpunkt der Betrachtung waren dabei die Bereiche der Städte Freilassing und Laufen sowie der Gemeinde Saaldorf-Surheim. In der Diskussion brachten Grundanlieger ihre Befürchtungen zum Ausdruck, dass mit dem Projekt in private Besitzverhältnisse eingegriffen werde.

Der Runde Tisch, in diesem Fall ein gut gefüllter Saal beim Lederer-Wirt, sollte der Information dienen und allen Beteiligten die Möglichkeit zu Fragen und zur Diskussion geben, so sieht es das Verfahren zu Natura 2000 vor. Unter den Besuchern fanden sich neben interessierten Bürgern und Grundbesitzern viele Vertreter der lokalen Politik, der zuständigen Behörden und des Naturschutzes. Begrüßen konnte Versammlungsleiter Hans Heinrich Lechler vom AELF Traunstein auch die Bürgermeister der beteiligten Kommunen Sepp Flatscher, Freilassing, Bernhard Kern, Saaldorf-Surheim und Hans Feil, Laufen. Gebietsbetreuer Klaus Wilm vom AELF brachte eingangs in Erinnerung, dass mit Natura 2000 europaweit ein Netz von Schutzgebieten geschaffen wurde, mit dem Ziel, biologische Vielfalt und natürliche Lebensräume mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt aufrecht zu erhalten. Im sogenannten Managementplan hätten Naturschutz- und Forstbehörden Lebensräume und Arten erfasst, bewertet und daraus Vorschläge für Erhaltungs- beziehungsweise Wiederherstellungs-Maßnahmen entwickelt. Für private Grundbesitzer sei der Plan nicht rechtsverbindlich, es gelte allerdings ein Verschlechterungsverbot. Land- und forstwirtschaftliche Nutzung seien weiter möglich. Baumaßnahmen würden nicht ausgeschlossen, müssten allerdings mit den Behörden abgestimmt werden. „Alles ist erlaubt, was den Zustand im Sinne von Natura 2000 nicht verschlechtert“, fasste Klaus Wilm zusammen. Ausdrücklich lobte er die Grundbesitzer: „Nur Dank der Nutzung und Pflege durch die Land- und Forstwirte konnte der Reichtum an Lebensraumtypen und Arten bis in die heutige Zeit erhalten werden.“ Gemeinsames Handeln und die Berücksichtigung der Interessen aller Betroffenen sei deshalb auch oberstes Gebot im laufenden Verfahren.

Hans Münch vom AELF Ebersberg, zuständig für Kartierung und Gesamtbearbeitung, erläuterte die Systematik des Managementplanes. „In der Beschreibung und mit Hilfe von Kartenmaterial wollen wir darstellen, wo welche Lebensraumtypen beziehungsweise Arten vorkommen und welche Maßnahmen durchzuführen sind.“ Unterschieden werde dabei zwischen übergeordneten Maßnahmen, Maßnahmen im Wald und Maßnahmen im Offenland. Im Rahmen der übergeordneten Maßnahmen wäre es beispielsweise förderlich, wieder „mehr Wasser in die Au zu bringen“. Möglich und notwendig wären solestützende Maßnahmen, eine Aufweitung des Flussbettes, die Reaktivierung oder Neuanlage von Nebengewässern und die Rückverlegung von Hochwasserteichen, um das ganze Auensystem langfristig zu erhalten. Auch dem Bestand und der Ausweitung von Biotopbaum- und Totholz-Anteilen komme bei der Erhaltung und Schaffung von Lebensräumen eine wichtige Bedeutung zu, erläuterte Hans Münch. In der Folge stellten Fachreferenten die im Plan aufgeführten Lebensraumtypen und Arten detailliert vor und beschrieben notwendige und wünschenswerte Erhaltungsmaßnahmen. Ob typische Waldarten, ob selten gewordene Käfer, Schmetterlinge und Amphibien, ob der Fischbestand, ob Biber und Fischotter, ob die Buntheit der Vogelwelt, die Versammlungsteilnehmer bekamen einen Eindruck von der Vielfalt der Lebensräume und Arten, die es zu schützen gilt.

Fotos: Viele Fragen zu „Natura 2000“

Breiten Raum nahm die Diskussions- und Fragerunde ein, die engagiert und größtenteils sachlich geführt wurde. Felix Hagenauer sah es als Widerspruch, dass einerseits Lebensraum für Fische geschaffen werden soll, anderseits die Ausbreitung des Fischotters gefördert werde. „An großen Flüssen, wie an der Salzach besteht Lebensraum für den Fischotter“, antwortete Fischerei-Fachberater Dr. Bernhard Gum. Hagenauer kritisierte auch die Rodungen im Auwald und sah die Gefahr von unkontrollierbaren Landabtragungen bei „weichen Ufern“. „Es können zwar Flächen verloren gehen, aber andererseits entstehen neue Lebensräume“, hielt dem Hans Münch entgegen. Auf die Gefahr einer ungehinderten Ausbreitung der Salzach wiesen auch Altbürgermeister Ludwig Nutz und Au-Anlieger Johann Hafner hin.

Albert Lang, Vertreter der Regierung von Oberbayern, erklärte dazu, dass der Hochwasserschutz Vorrang vor allen anderen Maßnahmen habe, wobei allerdings naturschutzrechtliche Vorgaben beachtet werden müssten. Ansonsten sei dies ein Thema der Wasserwirtschaft, wo die diesbezüglichen Verfahren derzeit laufen würden. Als „lebensgefährlich“ bezeichnete Simeon Mosinger die Geländeunterminierungen durch Biber. Als passionierter Fischer („Ich habe mit Schwarzfischen angefangen, was in Surheim der Brauch war“) habe er zudem erfahren, welche Schäden der Fischotter in seinem Bestand angerichtet habe. Albert Lang: „Wegen der Konflikte, die es mit der Biber-Besiedelung gibt, wurde das sogenannte Biber-Management eingerichtet, wo miteinander Lösungen gefunden werden. Ähnliches ist zukünftig auch beim Thema „Fischotter“ vorstellbar.“

Ein Diskussionsteilnehmer wollte wissen, wer feststelle, ob genügend Totholz vorhanden wäre. Klaus Wilm: „Für Naturschützer ist es immer zu wenig, für Waldbesitzer immer zu viel“. Er appellierte an die Freiwilligkeit, „auch wenn der Wald mal nicht so schön aufgeräumt ausschaut“. Grundstücksbesitzer Lorenz Hagenauer stellte das Natura 2000-Projekt in Frage: „Wir haben die letzten 100 Jahre gute Arbeit geleistet und wir werden es auch die nächsten 100 Jahre tun.“ Ein anderer Diskussionsteilnehmer stieß ins selbe Horn: „Da wird ein behördliches Monster drüber gestülpt“. Gemeinderat Blasius Standl stellte gar die rhetorische Frage: „Wie schützt man Grundeigentümer vor den Naturschützern?“ Albert Lang beruhigte die Wogen und appellierte, sachlich zu bleiben. „Für die Grundstückseigentümer und Nutzer ist der Managementplan nicht rechtsverbindlich, er hat lediglich Hinweischarakter.“ Gemeinderat Dr. Notker Mallach erinnerte daran, dass Natura 2000 entstanden ist, weil zunehmend Arten bedroht sind. Er zeigte sich enttäuscht darüber, dass keiner der anwesenden Politiker für das Projekt gesprochen habe. Ludwig Nutz widersprach dem vehement: „Allein beim Riesenprojekt „Mittergraben“ haben Freilassing und Saaldorf-Surheim, zusammen mit 33 Grundstücksbesitzern eindrucksvoll ihren Einsatz für den Naturschutz bewiesen.“

Zusammenfassung

Zusammenfassend erläuterte Klaus Will das weitere Vorgehen. Der Entwurf des Managementplanes wird überarbeitet, wobei die Anregungen aus den „Runden Tischen“ einfließen. Nach der Veröffentlichung der Endfassung soll zügig an die Umsetzung des Projekts herangegangen werden.

Die Planentwürfe können unter www.aelf-ts.bayern.de, unter "Aktuelles", abgerufen werden.

nh

Quelle: BGland24.de

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