LAG Aktionsgruppen

Wanderwege in der Region sollen aufgewertet - einheitliches Konzept auf den Weg gebracht

Taching am See - Die Städte und Gemeinden in der Region müssen sowohl ihren Gästen als auch ihren Bürgern ganzjährig Erholungsangebote bieten.

Und bei Gästen und Einheimischen liegt Wandern voll im Trend. Sie möchten die Natur genießen und finden hier eine Vielzahl von grünen Perlen. Da reizvolle Wanderrouten nicht an den Gemeinde- oder Landkreisgrenzen enden, wurde auf Initiative der regional wirkenden Lokalen - Aktionsgruppen (LAG) „Traun-Alz Salzach“, „Chiemgau-Alpen“ und „Berchtesgadener Land“ im Jahr 2018 der Grundstein für ein einheitliches Wanderwegkonzept auf den Weg gebracht. Damit betraut ist die LAG-Managerin, Elke Ott (LAG Traun-Alz-Salzach) mit ihren beiden Kollegen Kolja Zimmermann (LAG „Chiemgauer-Alpen“) und Sascha Schnürer (LAG Berchtesgadener Land). Erst vor einigen Wochen haben diese drei zusammen die Grundzüge des Konzeptes in der Marktgemeinde Waging am See den Vertretern der betroffenen Gemeinden vorgestellt und über den aktuellen Stand der Dinge informiert.

Neben der Gemeinde Taching am See nahmen weitere 24 Gemeinden von Tittmoning bis zum Königsee im Berchtesgadener Land an dem durch die EU finanzierten LEADER Kooperationsprojekt „Wanderwegekonzept der Landkreise Traunstein und Berchtesgaden“ teil. Sinn und Zweck von LEADER- Fördermaßnahmen der Europäischen Union zur Entwicklung des ländlichen Raumes ist nämlich gerade die Unterstützung einer eigenständigen und nachhaltigen Regionalentwicklung. Es gilt also, auf großer Fläche ein umfassendes Wegenetz mit einheitlichen Standards zu schaffen.

Ziel des Projektes mit seinen drei verschiedenen Entwicklungsphasen war es, einen gemeinsamen Qualitätsstandard für die Region zu erarbeiten und in den einzelnen Gemeinden festzuhalten, welche Entwicklungsschritte notwendig sind, um das kommunale Wandergebiet einem einheitlichen Standard anzupassen. Im Jahr 2018 wurde daher zunächst in allen 25 Gemeinden der regionale Bedarf der Bürger erfasst und mit den lokalen Wanderexperten der Orte spezifische Ziele für die einzelnen Kommunen erarbeitet.

In einem zweiten Schritt fand dann ein Jahr später die gemeinsame Abstimmung von Maßnahmen und die Festlegung eines gemeinsamen Qualitätsstandards, eines Maßnahmenkatalogs statt. So sollen alle Wanderwege von Tittmoning bis zum Königssee die in den Alpen bereits umgesetzt, eine „GELBE“-Beschilderung erhalten. Mit der Farbe Gelb orientiert man sich an der Wegebeschilderung des Alpenvereins.

Darüber hinaus ist geplant, dass alle Wanderwege über mindestens einen offiziellen Start- und Zielplatz (zumeist Wanderparkplatz) verfügen müssen, wenn möglich sollen sie an den öffentlichen Personennahverkehr (zum Beispiel an den Bahnhof, eine Bushaltestelle) angeschlossen sein.

Im Zuge eines abschließenden dritten Entwicklungsschrittes war es Aufgabe jeder Gemeinde, aus dem einheitlichen Maßnahmenkatalog weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Wanderwege und des Wanderangebotes zu wählen.

So liegt es also an der Kreativität, am Portemonnaie und der Verantwortung der Gemeinde, welche Erholungseinrichtungen auf den Wegen künftig angeboten werden sollen, ob einfache Bänke und Brotzeitplätze, Aussichts- oder Wellness-Liegen, Panoramatafeln, Aussichtspunkte oder auch Hundetoiletten, diese Entscheidung wurde den Kommunen überlassen.

Das abschließende Wanderwege-Konzept bildet die Basis für ein weiteres Folgeprojekt der EU und des Freistaates Bayern. Denn die konsequente und gemeinsame Planung einer einheitlich qualitativen Wanderregion soll mit bis zu 60 Prozent an Fördergeldern aus dem EU-Fördermitteltopf LEADER bezuschusst werden.

Grundvoraussetzung und zentrale Aufgabe ist aber auch, alle kommenden Maßnahmen im Zuge der Wanderweg-Beschilderung und Gestaltung zu digitalisieren. Wenn Routenverläufe digital erfasst sind, werden Schilderstandorte digital verortet und die Inhalte der Beschilderung digital abgelegt, so lassen sich besonders die Wege besser durch Kommunen kontrollieren, pflegen und warten. Gerade für das Erstellen von Wanderkarten oder für das Vermarkten der Region über die Internetseite stellen die digitalen Geoinformationen eine herausragende Datenbasis dar.

Federführend für den Prozess und das Kooperationsprojekt ist das Unternehmen Green-Solutions in Murnau, das bereits 2013 für den Chiemgau Tourismusverband und die Gemeinden des Landkreises Traunstein das Fahrradwegenetz entwickelte und beschilderte. „Mit Green Solutions haben wir bisher nur gute Erfahrungen, gemacht, deshalb arbeiten wir auch beim Wanderwegekonzept wieder eng zusammen“, betont Kolja Zimmermann im Gespräch mit der Tageszeitung.

Dieses Unternehmen gehört zu einem der wenigen Unternehmen Deutschlands, die für Gemeinden und Städte mit „Tourinfra®“ ein computerbasiertes Programm entwickelt haben, mit dem sich die kommunalen Einrichtungen verwalten und pflegen lassen. Durch das Verwaltungs-Werkzeug „Tourinfra®“ lässt sich die mit rund 1.000 Kilometer weite Wanderregion dokumentieren und auf Karten und im Internet abbilden.

Nach der Digitalisierung und Aufnahme können dann das Wanderwegenetz mit Naturräumen, Denkmälern, Geschichte und Geschichten gemeinsam dargestellt werden. Bei der Datenerfassung kommen GPS-Geräte für die Track-Aufzeichnung und Lokalisierung von POIs (Point of Interest, POI), also alle Orte, Punkte oder Objekte, die für den Nutzer einer Karte oder eines Navigationssystems Bedeutung haben könnten, zum Einsatz. Dazu zählen unter anderem Sehenswürdigkeiten, Spielplätze, Aussichtspunkte oder Gaststätten. Die Daten können über einfache Schnittstellen schnell ins System geladen werden. Dabei werden erstmals einzelnen Wegen und Wegabschnitten zahlreiche Informationen (Attribute) zugeordnet, von den Wege-Namen über die Wege-Art und die Oberflächenbeschaffenheit bis hin zur Barrierefreiheit. Zudem lassen sich POIs wie Bänke und Rastplätze oder Wegweiser erfassen und Wegpunkte zusätzlich mit Fotos, Dokumenten oder Beschreibungen anreichern, die die Region erlebbar machen.

Aktuell fertigt das Unternehmen den Abschlussbericht an. Denn das geschlossene Wanderwegenetz von Tittmoning über weitere große Teile des Rupertiwinkels und die Berchtesgadener Alpen soll im nächsten Jahr Zug um Zug zur Umsetzung kommen.

Wie die Marktgemeinde Waging am See planen die Orte Taching am See und Wonneberg ihre Wandergebiete entsprechend dem Konzept zu verwirklichen und in das Gesamtnetz zu integrieren. Die zentral gelegenen Ausgangspunkte bereichert man mit wertvollen Informationen, die einen umfassenden Überblick über die Wanderwege, die Gemeinde und die Region geben. Diese Ausgangspunkte sind dann zugleich Beginn und Ende der Tour. So kann jeder sichergehen, dass er den Parkplatz, auf dem er sein Auto abgestellt hat, auch wieder problemlos erreicht.

Die Wanderwegbeschilderung wird in die bestehende Infrastruktur integriert, so dass die Kosten möglichst geringgehalten werden können. Damit Wanderer und Spaziergänger die Region und den Moment genießen können, werden an geeigneten Stellen entsprechend ausgerichtete Erholungsbänke aufgestellt, die zum Verweilen einladen und freien Blick auf eine wunderbare Landschaft erlauben.

Zum Projekt-Abschluss soll in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Waging am See eine gemeinsame Karte erscheinen, auf der die Wege einzusehen sind.

Die Wanderrouten werden vor allem bereits bekannte und gern gegangene Wege und Strecken verbinden und somit alle Einheimischen und Gäste zur Wanderung in der Heimat einladen.

Der Bürgermeisterin der Gemeinde Taching am See, Stefanie Lang, ist es ebenso wichtig, wie ihren Amtskollegen aus Wonneberg und Waging, Martin Fenninger und Matthias Baderhuber, dass die Wege entlang von interessanten und attraktiven Orten, Weilern und Ortsteilen mit ihren ansprechenden Gaststätten und Einkehrmöglichkeiten gut angenommen werden und dass sie die Menschen zusammenbringen. „Das ist uns dreien ein wirklich großes Anliegen“, betont Stefanie Lang.

Das Wanderwegekonzept soll in den kommenden Wochen fertiggestellt werden. Es markiert dann die gemeinsame Grundlage der Region. In den kommenden Jahren sollen die Maßnahmen daraus zur Umsetzung kommen, geplante Routen mit den Grundstücksbesitzern abgestimmt und mit der besucherlenkenden Beschilderung ausgewiesen werden.

caruso

Rubriklistenbild: © Andreas Gebert/ dpa (Symbolbild)

Kommentare