Aus dem Tachinger Gemeinderat

Parken an den Strandbädern soll wieder billiger werden

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Taching am See - An besonders heißen Tagen braucht man unbedingt einen See mit einer großen, schattigen Liegewiese. Und einen See, in dem man baden kann. 

An besonders heißen Tagen braucht man unbedingt einen See mit einer großen, schattigen Liegewiese. Und einen See, in dem man baden kann. Das ist auch für den Gemeinderat selbstverständlich. Daher hält die Gemeinde auch die beiden kommunalen Seebäder offen. Weil das Coronavirus nach wie vor kursiert, hat die Gemeinde die vom Freistaat Bayern erlassenen Abstands- und Hygieneregeln auch in ihren Badebetrieben einzuhalten und zu kontrollieren. Da sich die Kommune dazu aber außerstande sah, funktionierte sie die Strandbäder in Taching und Tengling vorübergehend in reine Badestellen um, an denen sich damit auch die Regeln änderten. So kann zwar jeder auf die Liegewiese und zum Baden und Schwimmen gehen, die Stege und Sprungtürme bleiben aber ebenso geschlossen wie Umkleidekabinen und Innenduschen. Die Toiletten sind jedoch geöffnet. Im Gegenzug verlangt die Gemeinde in dieser Badesaison keinen Eintritt. Diese Eintrittsgelder dienten bislang aber vorwiegend dazu, die Kosten für die Reinigung der Toiletten, für das Bereitstellen von Wasser und Strom, das Entfernen des Mülls oder das Sauberhalten und Mähen der Wiese zu stemmen.


Damit die Gemeinde nicht vollständig auf diesen Kosten, die heuer ebenso hoch sind wie in den Vorjahren, sitzenbleibt, hat der Gemeinderat in seiner Mitte Juni stattgefundenen Sitzung beschlossen, diesen Ausfall über Parkgebühren zu minimieren. Die Parkgebühren wurden damals nach eingehender Debatte auf 8 Euro festgesetzt. Mit diesem Betrag wollte die Gemeinde gleichzeitig gewährleisten, dass auch an heißen Sommertagen noch ausreichend Parkplätze vorhanden sind. Mit zu vielen Badegästen wächst auch die Zahl der abgestellten Autos und damit die Gefahr, dass Feuerwehrzufahren blockiert werden und Rettungsfahrzeuge nicht mehr durchkommen. Wie es hieß, habe dies der Gemeinde auch schon früher Sorgen bereitet.

Zudem sollte mit dieser Gebührenhöhe auch ein Anreiz geschaffen werden, dass Einheimische das Fahrrad benutzen oder zu Fuß zum Baden gehen.


„Die 8 Euro sollten also auch einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz leisten“, betonte Bürgermeisterin Stefanie Lang in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Sie räumte jedoch ein, dass dieser Betrag von Strandbesuchern als zu hoch eingestuft worden sei, sodass es zu Beschwerden kam. Allerdings seien 95 Prozent der Personen, die ihrem Unmut Luft machten, nicht aus der eigenen Gemeinde, sondern aus anderen Orten der Region gekommen.

Das wichtigste Ziel, das mit dem Einführen der Parkgebühren verfolgt werde, sei eine geregelte Parksituation, deshalb schicke man ja auch verstärkt die Ordnungshüter los. Zudem solle die Gebühr einen Teil der Badestellenkosten decken, machte Lang nochmals deutlich.

Weil die Einführung der Parkgebühr und deren Höhe also für Ärger gesorgt hatte, hat Ratsmitglied Werner Reith in dieser Sitzung unter anderem vorgeschlagen, nochmals über die Gebühr zu diskutieren.

8 Euro seien viel, wenn nur eine Person im Fahrzeug sitze, wenig, wenn es vier oder fünf Personen sind. Die Gemeinde müsse aber auch an die vielen älteren Mitbürger denken, die regelmäßig mit ihrem Pkw die Bäder ansteuern, weil sie nicht mehr so mobil sind und ihre eigenen Klappstühle mitbringen müssen, weil sie sich sonst schwer tun würden, es sich auf der Wiese bequem zu machen. Darunter seien auch viele mit kleiner Rente. Für diese Leute sei der Betrag einfach zu hoch, hieß es unter anderem.

Daher verständigte sich der Rat nach langer Diskussion auf einen Kompromiss: Die Gemeinde senkt ab sofort die Gebühr auf 5 Euro täglich ab. Ab 15 Uhr wird es dann noch günstiger, weil nur noch 3 Euro verlangt werden. Darüber hinaus können die Strandbesucher jetzt auch direkt an der Kasse der Parkflächen ein Parkticket zum Preis für 50 Euro erwerben, das noch während der ganzen Badesaison 2020 gilt. Diese Einführung des Saisontickets hatte Gemeinderat Wolfgang Mayer beantragt.

Das Kompromiss-Paket als Ausdruck des guten Willens erhält oder ermöglicht wohl den dörflichen Frieden und die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Gemeindevertretern, Bürgern, Strandbadwirten und Touristen. Denn es war weder ein ängstliches Einknicken noch fehlendes Rückgrat oder mangelnde Prinzipientreue, die die Ratsmehrheit hier vertrat. An diesem Abend wurde deutlich, dass die durch Corona bedingte Situation auch für die Gemeinde, die Bürgermeisterin und den neuen Gemeinderat eine Herausforderung darstellt.

Der Gastwirt des Tenglinger Seebades, Stefan Langwieder, zeigte dafür Verständnis und ist froh über die nun getroffene Lösung: „Ich bin sehr zufrieden mit der Entscheidung, mit der ich sehr gut leben kann.“ Man befinde sich durch das Coronavirus nun mal in einer schwierigen Situation. Langwieder denkt, dass auch seine Gäste und die Bürger aus Taching und Tengling mit diesem Kompromiss einverstanden sind, sagte er im Gespräch mit der Tageszeitung im Anschluss an die Gemeinderatssitzung, die er aufmerksam verfolgte, weil auch er sich mit den Gästen auseinandersetzen musste, die sich über die Gebühren beschwert hatten.

Anneliese Caruso

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