Über 20.000 Haushalte könnten mit Strom versorgt werden

Geothermie-Projekt bei Tengling? Bürger stellen bohrende Fragen

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Bernhard Gubo stellte am Mittwochabend das geplante Geothermie-Projekt bei Tengling vor. Rund 30 Interessierte kamen zum Neuwirt. Seine "Geoenergie Bayern GmbH" untersucht momentan auch die Möglichkeiten für ein Kraftwerk bei Kay, doch die Studien dafür laufen noch. 
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Taching - Die Energie ist sauber, doch trotzdem herrscht bei den Anwohnern Skepsis: Nördlich von Tengling könnte eine Geothermie-Anlage entstehen, jetzt wurde zur Diskussionsveranstaltung geladen.

Rund 70.000 Megawattstunden jährlich sind es, die Bernhard Gubo und seine "Geoenergie Bayern" nördlich von Tengling fördern könnten - Strom für mindestens 20.000 Haushalte. Geht alles glatt und wird auch der Gemeinderat noch zustimmen könnte derBohrplatz neben der Oppacher-Kiesgrube ab Herbst 2020 gebaut werden. Zwei Jahre später wäre das Geothermie-Kraftwerk dann in Betrieb.

Erdbeben durch Bohrungen seien ungefährlich und nicht spürbar

Direkt neben der gut erkennbaren Oppacher-Kiesgrube könnte das Geothermie-Kraftwerk entstehen.

Die Frage, die bei der Infoveranstaltung im Tenglinger Neuwirt am Mittwoch am häufigsten gestellt wurde, war die nach Erdbeben und Gebäudeschäden: "Geothermie-Bohrungen haben in der Regel nicht das Potenzial, Erdbeben auszulösen. Das ist absolut unwahrscheinlich", versuchte Gubo zu beruhigen. Man spreche von Mikro-Erdbeben mit Werten von 1 bis 2 auf der Richterskala, die nicht spürbar sind.

Zufrieden waren einige der kritischen Anwohner damit nicht, vor allem als der Vertreter der "Geoenergie Bayern" ein "Restrisiko" nicht völlig ausschließen konnte. "Bei unseren Bohrungen gab es in ganz Bayern nie ein Problem", so Gubo. Bei manchem Tenglinger kursierten Ängste, die Geothermie könnte unterirdische Wasserströme umleiten oder langfristig die Wärme des Erdkerns so sehr anzapfen, dass keine Schneeglöckerl mehr wachsen.

So funktioniert ein Geothermie-Kraftwerk

Wie funktioniert die Geothermie? 3900 Meter tief müsste gebohrt werden um das begehrte Thermalwasser mit Temperaturen von rund 120 Grad zu erreichen. Die Bedingungen sind vor allem im nordwestlichen Landkreis Traunstein dafür gut. 100 Liter pro Sekunde werden heraufgepumpt. Mit Hilfe von Wärmetauschern wird dem Wasser dann Wärme entzogen, der Kältemitteldampf treibt eine Turbine an und nachgeschaltete Generatoren erzeugen damit Strom. Das abgekühlte Wasser wird danach wieder hinuntergepumpt. 

Denkbar wäre auch, die Energie direkt für die Nahwärmeversorgung in Tengling zu nutzen, ein Gutachten ist derzeit in Arbeit: "Wir müssten dafür Leitungen und Anschlüsse legen. Ausgeschlossen ist es zwar nicht, aber wie es ausschaut, wird das leider nicht rentabel sein", so Bürgermeisterin Ursula Haas. Andernfalls wird der Strom mittels Leitungen zur nächsten Einspeisemöglichkeit nach Traunreut geschickt.

Investitionskosten von bis zu 100 Millionen Euro

Willie Stiehler von der Energieagentur Südostbayern. 

Als "neutrale Instanz" war Willie Stiehler von der Energieagentur des Landkreises zur Diskussionsveranstaltung nach Tengling gekommen. Ja, es gebe noch vergleichsweise wenig Erfahrungen mit der Geothermie und die Investitionskosten seien am Anfang hoch - doch die Vorteile überwiegen: unbegrenzt und rund um die Uhr verfügbar, klimaschonend, geringe laufende Kosten, wenig Flächenverbrauch und Unabhängigkeit in der Energieversorgung

Ist die Anlage einmal im Betrieb, funktioniert sie praktisch ohne menschliche Arbeitskraft: "Einmal am Tag würde jemand vorbeischauen", so Gubo. Beinahe das komplette Jahr wäre das Kraftwerk in Betrieb. Bis die Gemeinde an Gewerbesteuern kommt, würde es aber fünf oder sechs Jahre dauern - denn die Investitionskosten der "Geoenergie Bayern" betragen satte 70 bis 100 Millionen Euro.

xe

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