Bergrechtlicher Hauptbetriebsplan zugelassen

Bohrungen für Tiefengeothermie-Projekt in Taching genehmigt

Taching - Die Bohrungen für das Tiefengeothermie-Projekt der Geoenergie Bayern wurden von der Regierung genehmigt.

Anmerkung: Die bisherige Fassung dieses Artikels zeigte ein Bild, das nur zu einem kleinen Teil den Grund des geplanten Kraftwerks abbildete. Im Vordergrund waren Wiesen eines Nachbargrundstückes zu sehen. Dieses Grundstück steht für die Pläne aber ausdrücklich nicht zur Verfügung.

Anfang Oktober 2019 stellte die Geoenergie Bayern /Projekt Törring GmbH & Co.KG einen Antrag auf Zulassung des bergrechtlichen Hauptbetriebsplanes zum Errichten eines Bohrplatzes und zur Durchführung von vier Bohrungen (zwei Doubletten). „Nach neun Monaten intensiver Prüfungszeit wurde nun nach Untersuchung aller wesentlichen öffentlichen Belange dem Antrag durch die Regierung von Oberbayern, Bergamt Südbayern, stattgegeben“, freut sich Dipl. Geograph. Bernhard Gubo, Projektleiter und Geschäftsführer der Geoenergie Bayern Geoenergie/ Projekt Törring GmbH & Co. KG.


Die Geoenergie Bayern Projekt Törring GmbH & Co. KG ist eine eigens für dieses Projekt gegründete Gesellschaft. Persönlich haftende Komplementärin der Gesellschaft ist die Geoenergie Bayern Beteiligungen GmbH mit Sitz in München, deren Management bereits bei den Geothermie-Projekten Kirchweidach und Garching an der Alz beteiligt war.

Auf Nachfrage sagte Projektleiter von Geoenergie Bayern, Bernhard Gubo, dass bei der Prüfung viele Träger öffentlicher Belange oder zuständige Fachbehörden einbezogen waren. Daher verweist er auf die wesentlichen Inhalte des Bescheides: „Die Zulassung der beantragten Arbeiten durch das Bergamt Südbayern ist das Ergebnis einer langen und intensiven Planungsphase im Vorfeld des bergrechtlichen Antrags. Bei der Planung des Bohrplatzes und der vier Tiefenbohrungen wurde ausschließlich auf anerkannte Fachfirmen mit einschlägiger Erfahrung zurückgegriffen. So waren für die Geoenergie Bayern Projekt Törring GmbH & Co.KG nur Firmen im Auftrag tätig, die in der Region schon erfolgreiche Referenzen vorweisen können.“


Unter anderem habe Geoenergie Bayern die Bohrplatzplanung von der RED Energy Drilling GmbH (Gampern) anfertigen lassen, die bei den Bohrungen in Assing, Simbach/Braunau und Garching an der Alz beteiligt war. Am Erstellen der Bohrplatzplanung sei auch das Traunsteiner Ingenieur- Büro Staller mit von der Partie gewesen. Überdies habe man die ökologischen Untersuchungen an das Landschaftsarchitekturbüro von Dipl. Ing. (FH) Susanne Schuster (Surberg) vergeben, die schon viele entsprechende Untersuchungen für Straßenbauprojekte in der Region gemacht habe. 

Auch das Schallgutachten stamme von einem Unternehmen aus Bayern, der Müller BBM (München), das schon als akkreditiertes Ingenieurbüro für Immissionsschutz-Fragen und Gutachten bei den Geothermie-Projekten in Garching an der Alz und Kirchweidach mitgewirkt und zudem viele nationale wie internationale Kraftwerksprojekte begutachtet habe. „Zudem konnte die Geoenergie Bayern mit der KemCo GmbH (Regensburg) einen weiteren Profi für die Bohrplanungen gewinnen.“

Bei der Prüfung des Antrags waren laut Gubo neben dem führenden Bergamt Südbayern auch folgende Stellen und Ämter beteiligt: Die Gemeinde Taching am See, das Landratsamt Traunstein, das Wasserwirtschaftsamt Traunstein, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU), das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein, das staatliche Bauamt Traunstein und das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) (ehemals BfE). Diese Behörde ist beauftragt, nach einem sicheren Endlager für den radioaktiven Müll aus Atomkraftwerken zu suchen, bevorzugt aber einen Lagerort ohne Löcher und Erd-Erschütterungen.

Der Zweckverband der Achengruppe hat zwar von sich aus Bedenken geäußert, er ist in diesem Fall aber kein offizieller Träger öffentlicher Belange, weil das Vorhaben außerhalb eines Schutzgebietes liegt. Wohl deshalb ist dieser Wasserversorger vom LfU auch gar nicht zur Sache angehört worden.

Durch die Stellungnahmen wurden bereits im Antrag viele Konzepte durch den Antragsteller aufgenommen, die mögliche Sicherheitsbedenken von Anwohnern und den umliegenden Gemeinden berücksichtigen. „Diese rechtlich bindenden Auflagen, die sich im 39-seitigem Genehmigungs-Bescheid des Bergamtes Südbayern widerspiegeln, müssen beim Umsetzen der Arbeiten zwingend beachtet werden“, informiert Gubo und zählt exemplarisch einige wichtige Auflagen auf. Die seien bei den Bauarbeiten des Bohrplatzes nicht nur zu befolgen, sondern auch zu dokumentieren.

Auch müsse die Geoenergie zum Beispiel vor Bohrbeginn eine Sicherheitsleistung beim Bergamt Südbayern hinterlegen, mit der in jedem Fall garantiert ist, dass ein möglicher Rückbau des Bohrplatzes samt Bohrungen finanziell gesichert ist. 

Grundsätzlich sei zwar nicht davon auszugehen, dass beim Betrieb einer hydrothermalen Geothermie-Anlage mit Zirkulation (Förderung und Injektion) von Thermalwasser mit einer erhöhten Erdbebengefahr im Sinne von schädigenden oder spürbaren Ereignissen zu rechnen ist. Dennoch verlange der Gesetzgeber schon vor Beginn des Bohrplatzbaues und während der gesamten Bohrphase die seismische Überwachung des Geländes. Daher lasse sein Unternehmen ein seismisches Messnetz anbringen, dessen Daten der Erdbebendienst Bayern erfasse und auswerte.

Ebenfalls schon vor Beginn der Arbeiten müsse die Betreiberfirma, die Geoenergie Bayern, den Nachweis erbringen, dass sie ausreichend haftpflichtversichert ist und für eventuelle Personen-, Sach- und Umweltschäden aufkommen kann.

Die Genehmigungsbehörde verlange auch ein Brandschutzkonzept, das sowohl mit den Behörden als auch mit den örtlichen Feuerwehren abzustimmen ist, eine ausreichende Beschilderung des Bohrplatzes, sowie das Anbringen eines Zaunes um das Bohrgelände, der Unbefugten den Zutritt verwehrt. 

Die Geoenergie Bayern hat auch für eine absolut wasserdichte Fläche im Inneren des Bohrplatzes zu sorgen, die dem Grundwasserschutz dient. Daneben hat man dafür zu sorgen, dass die Standrohre so gesetzt werden, dass sie sogar über die wasserführenden Schichten hinausgehen. „Das soll den Schutz des Grundwassers auf der ganzen Tiefe in den vorhandenen Grundwasserleitern gewähren“, informiert Gubo. Und schließlich müsse man das Regenwasser aus dem inneren Bohrplatzbereich in einem Wasserrückhaltebecken sammeln und anschließender fachgerecht entsorgen.

Im bergrechtlichen Hauptbetriebsplan wurden die Bohrarbeiten nun also grundsätzlich genehmigt. Ehe die Bohrungen aber loslegen können, sind von der Antragstellerin noch eine Vielzahl an Unterlagen und Gutachten in weiteren Sonderbetriebsplänen einzureichen. 

Gubo rechnet damit, dass die Bohrungen Anfang 2021 starten. Zu den noch vorzulegenden Unterlagen und Gutachten zählen ein Alarm-, Brand- und Explosions-Schutzplan, Angaben zu Lagerung und Umgang mit wassergefährdenden Stoffen, ein Entsorgungskonzept für den Umgang mit Abfällen, ein Schallgutachten auf Basis der genauen Bohranlage (inkl. aller Nebenanlagen), der Nachweis der Bohrungsintegrität (Nachweis der Dichtheit der Bohrungen), der Nachweis der genauen Schutzeinrichtungen der Bohrlochabsperrung und ein Nachweis durch konkrete Messungen, dass der Betrieb die Schallschutzgrenzwerte einhält.

Die Zulassung best��tige, dass das Vorhaben aus öffentlich-rechtlichen Gründen an diesem Standort rechtskonform sei. Dies bekräftige die sehr gute Wahl des Standorts für ein hydrothermales Geothermie-Vorhaben, bei dem es vereinfacht gesagt darum geht, das dort reichlich fließende und in etwa drei Kilometern Tiefe vorhandene Thermalwasser anzuzapfen. Das Wasser, das von der Erdwärme auf 120 bis 130 Grad Celsius erhitzt ist, soll an die Oberfläche gepumpt werden, um es dort für die Strom- und Wärmeerzeugung zu nutzen.

Weil im Vorfeld von verschiedenen Seiten mehrfach Befürchtungen geäußert wurden, der Schutz des Trinkwasserbrunnens in Tengling sei gefährdet, sei das Bergamt in besonderem Maße darauf eingegangen und habe zusätzlich tiefere Standrohre gefordert. Dabei komme das Landesamt für Umwelt (LfU) zu folgender Aussage: „Nachteilige Beschaffenheitsveränderungen oder direkte stoffliche Beeinträchtigungen der zur Trinkwassergewinnung genutzten oberflächennahen Grundwasservorkommen seien nicht zu befürchten, wenn die in den Betriebsplanunterlagen vorgesehenen Standrohre bis zur Einbindung in die Glaukonitsande verlängert würden.“

Caruso

Rubriklistenbild: © Ronald Wittek

Kommentare