Viele Ängste und große Pläne bei neuer Bürgerinitiative

"Wir werden Stärke zeigen": Widerstand gegen Geothermie bei Tengling

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Manfred Frank (links) und Ingo Tönnesmann, die beiden gewählten Sprecher der BIENE. Die Abkürzung steht für "Bürgerinitiative gegen Energieverschwendung bei der Nutzung von Erdwärme". Tönnesmann leitete selbst 15 Jahre das Bergamt Südbayern, staatliche Aufsichtsbehörde für Bergbaubetriebe und damit auch für geothermische Kraftwerke. 
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Taching - Ein neues Geothermie-Kraftwerk in der Nähe von Tengling? Nun hat sich schlagartig Widerstand gegen die Pläne formiert: Eine neue Bürgerinitiative hat allerlei Bedenken. 

"Mein Ziel ist, dass wir irgendwann mit unseren Fahnen vor den Rathäusern demonstrieren. Wir werden Stärke zeigen", gab sich Ingo Tönnesmann selbstbewusst. Er ist Sprecher der neuen Bürgerinitiative "BIENE" gegen die Geothermie-Pläne bei Tengling - und ihre Unterstützung scheint groß: Knapp 100 Interessierte kamen am Dienstagabend zur Versammlung ins Gasthaus Obermaier in Weilham.

Bedenken wegen Trinkwasser und Energieverschwendung

Man sei nicht prinzipiell gegen die Geothermie, betonen Tönnesmann und zweiter Sprecher Manfred Frank: "Aber das heiße Wasser wird nur für Strom genutzt und die Abluft in den Wald geblasen. Der Wirkungsgrad beträgt zehn Prozent, eine gigantische Energieverschwendung", so Tönnesmann. Gefordert wird dagegen ein Fernwärmenetz, damit auch die Anwohner der Umgebung etwas davon haben: "Die Kosten dafür soll der Betreiber übernehmen. Es ist fraglich, ob das machbar ist, aber dieses Ziel muss es uns wert sein", so Tönnesmann.

Direkt neben der gut erkennbaren Oppacher-Kiesgrube könnte das Geothermie-Kraftwerk entstehen.

Besteht Gefahr für unsere Trinkwasserquellen? Wie gefährlich ist der Lärm einer Geothermie-Anlage? Steigt später ein ausländischer Großinvestor ein? Kann der Gemeinderat überhaupt etwas gegen das Kraftwerk machen? Die Fragen und Ängste der Interessierten waren am Dienstagabend weit gestreut. "Die Geothermie darf unsere Grundwasserquelle nicht zerstören", so Manfred Frank. Vor ums Trinkwasser sorgen sich viele. Tönnesmann: "Auch über das Volumen werden Behörden und Bürger im Dunkeln gelassen."

Geothermie nahe Tengling: Das ist geplant

Rund 70.000 Megawattstunden will die "Geoenergie Bayern" nahe der Oppacher-Kiesgrube nördlich von Tengling jährlich fördern - Strom für mindestens 20.000 Haushalte. Schon im Herbst 2020 soll der Bohrplatz gebaut werden, das Förderrecht zum Probebohren vom Bayerischen Wirtschaftsministerium hat das Unternehmen bereits. Unstimmigkeiten gab es kürzlich nur mit der Gemeinde, als ein Bebauungsplan aufgestellt werden sollte - doch das Mitspracherecht der Kommune ist gering, denn Geothermiekraftwerke sind im Außenbereich baurechtlich privilegiert.

Bernhard Gubo, Geschäftsführer der "Geoenergie Bayern", die im kommenden Jahr mit dem Bau der Geothermieanlage nördlich von Tengling beginnen will. (Archivfoto)

Wie funktioniert die Geothermie? 3900 Meter tief müsste gebohrt werden um das begehrte Thermalwasser mit Temperaturen von rund 120 Grad zu erreichen. Die Bedingungen sind vor allem im nordwestlichen Landkreis Traunstein dafür gut. 100 Liter pro Sekunde werden heraufgepumpt. Mit Hilfe von Wärmetauschern wird dem heißen Wasser dann Wärme entzogen, der Kältemitteldampf treibt eine Turbine an und nachgeschaltete Generatoren erzeugen damit Strom. Das abgekühlte Wasser soll danach wieder hinuntergepumpt werden.

"Wir müssen noch stärker werden"

Ziel der Bürgerinitiative ist es, gehört und eingebunden zu werden: "Bernhard Gubo von der Geoenergie Bayern hat mich angerufen und versprochen, gemeinsam vernünftige Lösungen zu finden. Darauf werden wir ihn festnageln", berichtet der Sprecher der Bürgerinitiative Ingo Tönnesmann. Auch das Landratsamt habe ihm schon zugesagt, dass die Bürgerinitiative im Genehmigungsverfahren beteiligt werde. Deshalb wurde am Dienstag formal die Bürgerinitiative mit Beiräten gegründet, ein eingetragener Verein soll folgen. Pläne für Geothermie - und Bedenken dagegen - gibt es aktuell auch in Litzlwalchen bei Nußdorf, sowie in Kirchanschöring

Wie will die Bürgerinitiative weitermachen? Ideen und Pläne gibt es viele. Plakate, Aufkleber, Flyeraktionen in den umliegenden Orten, Aufnäher oder eine große Diskussionsveranstaltung im Dezember im Gasthaus Ledern. Ein Termin steht noch nicht fest. Aber für Ingo Tönnesmann steht fest: "Wir müssen noch stärker werden, das ist das A und O."

xe

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