Nur noch reine Badestellen

Badebetrieb in Taching und Tengling wird umgestellt

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Auch das Strandbad Tengling wird vorübergehend als reine Badestelle eingestuft.

Taching am See - Die Gemeinde wandelte die von ihr betriebenen Strandbäder am Tachinger See in reine Badestellen um. Wegen der Corona-Beschränkungen gibt es an diesen idyllisch gelegenen Bädern am Ufer des Tachinger Sees heuer keinen beaufsichtigten Badebetrieb.

Stege und Sprungtürme, Umkleidekabinen und Duschen im Innenbereich bleiben zumindest vorerst versperrt. Darauf hat sich der Gemeinderat in einer kurzfristig anberaumten Sondersitzung nach eingehender Debatte mehrheitlich verständigt.


Doch zunächst verwies Bürgermeisterin Stefanie Lang auf die 5. Bayerische Infektionsschutzverordnung vom 29. Mai, die zwar nicht explizit auf Strandbäder abhebt, in der es aber wörtlich heißt: „Freibäder und Außenanlagen von Badeanstalten können unter Einhaltung der Voraussetzungen geöffnet werden.“

Wie Lang sagte, hat sie sich als Vertreterin Tachings mit den anderen Betreibern der Seebäder rund um Waginger und Tachinger See in einer gemeinsamen Besprechung am 3. Juni überwiegend darauf geeinigt, die Seebäder heuer als sogenannte Badestellen zu betreiben. Grund dafür seien die hohen Auflagen, die die Badbetreiber durch diese Infektionsschutzmaßnahmenverordnung in Zeiten der Corona-Pandemie zu erfüllen hätten.


„Als Betreiberin eines Strandbades müsste auch die Gemeinde Taching am See unter anderem sicherstellen, dass die Anzahl der gleichzeitig anwesenden Badegäste nicht höher ist als eine Person je20 Quadratmeter Fläche.“ Dieser Abstand gelte sowohl am Strand als auch im Wasser. Würde die Gemeinde das Seebad in diesem Jahr als Seebad betreiben, so wäre eine Sicherstellung nur gewährleistet, wenn entsprechende Kontrollen stattfänden. Zudem müssten bauliche Maßnahmen, wie etwa das Aufstellen eines Bauzaunes vorgenommen werden, um den unkontrollierten Zutritt zur Anlage zu verhindern.

Der Aufwand dafür stehe jedoch nicht mehr im Verhältnis zu den möglichen wirtschaftlichen Einnahmen. Daraus resultiere voraussichtlich ein hohes finanzielles Defizit. „Aus den Jahresrechnungen der Jahre 2017 und 2018 ist zu entnehmen, dass der Gewinn, wenn überhaupt, nur sehr gering ist.“ Die Höhe des Gewinns oder des Verlustes sei wesentlich von der Badesaison abhängig.

Wenn der Gemeinderat einverstanden sei, stelle die Gemeinde in diesem Sommer den Badegästen die Liegewiese zur Verfügung. Zudem lasse man die Badestelle in einem naturbelassenen Zustand. Dies bedeute, dass die Gemeinde das Gefahrenpotential reduzieren und Gefahrenquellen wie etwa Badestege und Sprungtürme sperre. „Der Zutritt erfolgt unentgeltlich, zumal von Gemeindeseite auch keine gemeindliche Badeaufsicht den Badebetrieb überwachen wird“, sagte Lang.

Aus der anschließenden Diskussion ging zunächst hervor, dass die Strandbäder als zentrale Lebensräume tief in den Biografien der Bürger verwurzelt und beide Anlagen sehr beliebt sind. Einige Gemeinderäte befürchteten, dass die Beliebtheit während der diesjährigen Badesaison noch steige, weil die Freibäder in der Region nur eine begrenzte Anzahl an Besuchern einlassen würden.

Wolfgang Alversammer ist der Vorsitzende der Tachinger Wasserwacht. Als Zuhörer in der Sitzung bat ihn der Gemeinderat um eine Einschätzung. Alversammer vertrat die Meinung, dass der Druck auf die Seen durch die Personenbeschränkungen in den Freibädern heuer sehr hoch werde. Er schätzt, „dass Taching überrannt wird.“ „Bei reinen Badestellen besteht das Problem, dass möglicherweise 4000 bis 5000 Gäste gleichzeitig drin sind.“ Wenn man Eintritt verlange, laufe alles kontrollierter und geregelter ab.

Zugleich wies er darauf hin, dass die Gefahr des Ertrinkens an unbewachten Badestellen größer sei als in Gewässern, die von Rettungsschwimmern überwacht werden. Außerdem sei die Wasserwacht ohne Strandbadbetrieb während der Woche nur auf Abruf im Einsatz. Bei einer Badestelle sei ihr Einsatz auf das Wochenende beschränkt, warb Huber für die Aufrechterhaltung des Strandbadbetriebes.

Ratsmitglied Josef Huber teilte diese Bedenken, dass es in den nächsten Wochen deutlich mehr Badegäste an die Seen zieht. Beide Strandbäder seien umzäunt. Auch den Bereich Strandbad und Campingplatz in Taching könne man abtrennen. Wenn die Gemeinde jeweils zwei Kassierer in Taching und Tengling einsetze, sei der Zugang zahlenmäßig gut kontrollierbar. In anderen Gemeinden in der Region wie etwa in der Stadt Tittmoning lege man die Vorschriften anders aus als in Taching.

So verlange die Stadt auch heuer Eintritt am Leitgeringer See, an dem der normale Badebetrieb weitgehend aufrechterhalten werde. „Aufgrund der Einnahmensituation der Gemeinde Taching halte ich es für dringend notwendig, Eintritt zu verlangen, weil sie auch fixe Kosten zu stemmen hat.“ Immerhin verfüge Taching über rund 20.000 Quadratmeter Fläche am Campingplatz Taching. Da müsse doch etwas zu machen sein. „Es geht auch ums Geld.“

Bürgermeisterin Lang sah das allerdings etwas anders: „Wir müssten dann sicherstellen, dass sich nicht mehr Personen als zulässig in den Bädern befinden.“ Die Gemeinde schaffe es vermutlich nicht, dafür zu sorgen, dass alle die gebotenen Abstandsregeln einhalten. „Wenn wir die Badestellen aber frei zugänglich halten, haftet jeder Badegast für sich selbst.“ Im Supermarkt funktioniere das auch. Überdies handle es sich um ein Ausnahmejahr. „Ich rechne damit, dass es schon im nächsten Jahr wieder zu einem ganz normalen Badebetrieb kommt.“

Gemeinderat Dominik Mayr sagte, dass mit der Badestelle noch nicht alle Probleme geklärt seien. Beispielsweise sei das wilde Parken damit noch völlig ungelöst. 3. Bürgermeister Christoph Wamsler erinnerte daran, dass die Parkplätze bei den Strandbädern in Taching und Tengling nicht ausschließlich den Badegästen vorbehalten sind. „Diese dienen zum Beispiel auch den Spaziergängern und den Wandernden.“ Die Gemeinde habe auch schon vor Corona gelegentlich das Problem gehabt, „dass alles chaotisch zugeparkt war“. Eine Verbesserung der Parksituation habe man nur mit Kontrollen erreicht.

2. Bürgermeister Hans Steiner sprach sich für eine frei zugängliche Badestelle aus. „Die Leute sind sehr vernünftig und halten die Abstände ein.“ Peter Seehuber machte den Vorschlag, Online-Tickets auszugeben, die vorab digital bestellt werden können, um einen geordneten Badebetrieb zu gewähren. Ratsmitglied Franz Gramminger vermutete, dass in diesem Sommer deutlich mehr Camper Urlaub am Waginger und Tachinger See machen werden. Bei einem regulären Strandbadbetrieb sei die Gemeinde auch dafür zuständig, dass alle Vorschriften und Hygieneregeln eingehalten werden. Es gebe jede Menge Auflagen zu erfüllen.

Zuletzt machte Hans-Peter Brugger deutlich, dass man die Diskussion allmählich beenden könne, zumal die Gemeinde es wohl nicht schaffe, die Vorgaben, die an einen regulären Strandbadbetrieb gestellt werden, umsetzen zu können. Schließlich beschloss der Gemeinderat bei einer Gegenstimme, die von Josef Huber kam, bis auf weiteres eine Badestelle einzurichten. Falls sich an den Verordnungen etwas ändere, diskutiere man nochmals darüber. Im weiteren Verlauf dieser Sitzung verständigte sich der Rat dann mehrheitlich darauf, heuer eine Parkgebühr an den Strandbädern Taching und Tengling zu verlangen.

Nach zahlreichen anderen Vorschlägen fasste das Gremium dann den Beschluss, dass für das Parken von Fahrzeugen auf beiden Parkplätzen in der Zeit von 9 Uhr bis 17 Uhr ein Parkticket erworben werden muss. Die Tageskarte kostet 8 Euro. Wer ab 15 Uhr auf den Parkplatz fährt, zahlt noch 5 Euro.Befreiungen von den Parkgebühren gibt es für Inhaber der Ehrenamtscard, für aktive Mitglieder der örtlichen Wasserwachten, für Beschäftigte der Seebadgasstätten, für Inhaber eines Bootsverleihplatzes, für Schwerbehinderte mit dem Eintrag „aG“ und „G“ im Schwerbehindertenausweis und für die Inhaber von Kurkarten. 

Und wer mit dem Fahrrad oder zu Fuß kommt, zahlt auch nichts. Mit der Parkgebühr möchte die Seengemeinde mindestens einen Teil der verlorenen Einnahmen, die durch den Wegfall des Eintrittsgeldes entstehen, wieder hereinholen. Denn die fixen Kosten wie etwa für die Rasenpflege, Strom und Wasser laufen ja auch weiter.

Anneliese Caruso

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