Zuverlässige Ansprechpartnerin

Streitwieser bleibt Tachinger Behindertenbeauftragte

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In der jüngsten Gemeinderatssitzung dankte (rechts) Bürgermeisterin Stefanie Lang der bisherigen Behindertenbeauftragten der Gemeinde Taching am See, Anneliese Streitwieser für ihr bisheriges Engagement mit einem Strauß Blumen. Lang freute sich, dass sich Streitwieser bereiterklärt hat, dieses Ehrenamt auch weiterhin zu übernehmen.

Taching am See - Die Behindertenbeauftragte Anneliese Streitwieser will sich auch weiterhin um die Nöte von Menschen mit Handicap in ihrem Wohnort Taching am See kümmern.

Menschen mit Handicap haben mit Anneliese Streitwieser in Taching am See eine sehr engagierte Ansprechpartnerin. Sie hat schon vor 14 Jahren das Amt der Behindertenbeauftragten übernommen und wird seitdem von allen Seiten für ihre Arbeit gelobt. "Wir haben regelmäßig sehr positive Rückmeldungen bekommen", sagte die frühere Bürgermeisterin Ursula Haas, nachdem sie erfahren hatte, dass Anneliese Streitwieser dieses Ehrenamt auch weiterhin ausüben will. Immerhin war Streitwieser auch zwölf Jahre während der Amtszeit von Ursula Haas gemeindliche Behindertenbeauftragte. "Es freut mich für die Gemeinde, weil Frau Streitwieser seit vielen Jahren mit der Behindertenarbeit vertraut ist und auf einen großen Erfahrungshintergrund zurückgreifen kann."


Streitwiesers Motiv zur Übernahme dieses Amtes liegt in der eigenen Früh-Verrentung. "Durch eine schwere Krankheit wurde ich zunächst berufsunfähig und später auch noch erwerbsunfähig", erzählt die mittlerweile 76-jährige Rentnerin Anneliese Streitwieser aus Weitgassing im Gespräch mit der Tageszeitung. Ein großer Teil dessen, was sie für ihre Mitbürger tue, bestehe aus Beratungsgesprächen. Je nach Situation und Wunsch stelle sie Kontakte zu entsprechenden Fachstellen wie etwa den VdK her, die bei den individuellen Problemen kompetent weiterhelfen.

Diese Arbeit sei in den letzten 14 Jahren nicht immer ganz einfach gewesen, sagt Streitwieser. Man müsse auch ein wenig "Durchhaltevermögen, Hartnäckigkeit, aber auch Humor" mitbringen - dann könne man auch wirklich etwas bewegen. Gelohnt habe sich die Anstrengung aber allemal: "Taching am See ist auf einem guten Weg", meint die rüstige Seniorin. Auch wenn noch lange nicht alles perfekt sei. Menschen mit Behinderungen stoßen in ihrem Alltag immer wieder auf Barrieren im öffentlichen Raum. Die vielfältigen Barrieren abzubauen, sei Aufgabe der gesamten Gesellschaft, von Rat und Verwaltung. Bedingt durch den demografischen Wandel gewinne eine barrierefreie Ortsgestaltung zunehmend an Bedeutung, ist Streitwieser überzeugt. Als erste Ansprechpartnerin der Gemeinde für Menschen mit Behinderung nehme sie Anfragen und Anregungen entgegen und versuche weiterzuhelfen, wo immer sie kann. "Ich sehe mich da ein bisschen in der Lotsenfunktion, die Menschen rufen mich an und fragen zum Beispiel, wie man einen Schwerbehinderten-Ausweis beantragt. Ich vermittele sie dann zu den richtigen Ämtern."


Dass Anneliese Streitwieser eines Tages bei dieser Aufgabe landen würde, hätte sie selbst am wenigsten geglaubt."In jungen Jahren hätte ich jeden für verrückt erklärt, der mir gesagt hätte, dass ich später mal die Interessen von Menschen mit Handicap vertrete, schließlich bin ich gelernte Schneiderin und habe mein halbes Leben mit dem Nähen von Gardinen und Braut- und Dirndlkleider zugebracht", sagt sie. "Doch nach einem plötzlichen Schlaganfall war alles anders. Das hat mein Bewusstsein für viele Dinge stark verändert."

So habe sie oft selbst erfahren müssen, welche Hürden behinderte Menschen im Leben nehmen müssen, beruflich und privat. Ihr persönliches Schicksal sehe sie bei dieser Aufgabe eher als Vorteil an. "Man hat sofort eine andere Vertrauensbasis zu den Menschen, das ist sehr positiv", meint Streitwieser. "Die Leute, denen ich helfen konnte, sind meist sehr dankbar und freuen sich, wenn sie mir auf der Straße begegnen."

Sie hofft, auch weiterhin mit ihrem Engagement dafür sorgen zu können, ein Bewusstsein für Inklusion zu schaffen, vor allem bei den Menschen, die selbst nicht betroffen sind. "Es sollte zum Beispiel selbstverständlich sein, dass mit dem Rollstuhlfahrer geredet wird und nicht mit der Begleitperson. Wenn wir alle an einem Strang ziehen und jeder seinen eigenen kleinen Teil zur Inklusion beiträgt, dann können wir das schaffen."

Früher war Anneliese Streitwieser mehrere Jahre als ehrenamtliches Betriebsratsmitglied sowie acht Jahre lang als Schöffin tätig. Vier davon beim Amtsgericht und weiter vier Jahre beim Landgericht in Traunstein. Vor rund 14 Jahren hat sie der damalige Seniorenbeauftragte des Landkreises Traunstein, Sigi Götze gefragt, ob sie nicht als gemeindliche Seniorenbeauftragte in Taching aktiv werden wolle. Nach ihrer Zusage ist sie dann 2006 vom Landratsamt Traunstein formell zur Behindertenbeauftragten der Seengemeinde ernannt worden und seitdem ohne Unterbrechung im Einsatz. Aktuell arbeitet sie vorwiegend mit dem Nachfolger von Sigi Götze, dem jetzigen Senioren- und Behindertenbeauftragten im Landkreis Traunstein, Hans Zott zusammen.

"Er ist seit Götzes Ausscheiden regelmäßig mein erster Ansprechpartner", sagt Streitwieser. Sie betont auch, dass sie dem Schweigegebot unterliegt. Da es meist um vertrauliche Angelegenheiten gehe, halte sie ihre Sprechstunden in der Touristinfo in Waging am See ab. "Ein neutraler Ort, den jedermann aufsuchen kann." Ihre Sprechzeiten gebe sie regelmäßig in der Tagespresse bekannt. Eine Terminvergabe sei meist nicht nötig. "Jeder Interessierte kann einfach vorbeikommen."

Caruso

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