Ein Beispiel aus Neukirchen

Geschichte der Burschenvereine: Die erste Krankenversicherung am Land

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Foto des 50-jährigen Gründungsfests des Burschenvereins Neukirchen am 1. Mai 1949.

Neukirchen - Wo liegt die Geschichte der Burschenvereine? In Neukirchen fand man sich schon 1899 zusammen - Ziel war damals eine Krankenversicherung. 

Der Burschenverein Neukirchen feiert am 4. August 2019 ein nicht alltägliches Jubiläum. Das 120-jährige Gründungsfest steht auf dem Programm, ein stolzes Alter für einen Verein.

Im Jahr 1899 kamen erstmals 44 Aktive zur Vereinsgründung zusammen mit dem Ziel, Berufstätigen im Falle einer Krankheit zumindest etwas finanziell zu helfen. Krankenversicherungen waren zu der Zeit (und noch viele Jahre danach) die absolute Ausnahme. Ein Bauernknecht bekam damals - wenn überhaupt - nur einige Mark Monatslohn, andere Verdienstmöglichkeiten gab es kaum. 

So machte es sich der Burschen-Kranken-Unterstützungsverein, so die offizielle Bezeichnung bis vor wenigen Jahren, zur Aufgabe, bei Krankheit ihre Mitglieder zumindest etwas finanziell zu unterstützen. Möglich wurde dies durch eine Aufnahmegebühr von einer Mark, zwanzig Pfennig betrug der zusätzliche monatliche Beitrag. Jedes Mitglied, das länger als eine Woche krank war, erhielt dann für die Dauer bis zu einem Monat ein Tagegeld in Höhe von 30 Pfennig. Große Sprünge konnte man damit nicht machen, aber es linderte zumindest die größte Not. Außerdem bekamen Kriegsheimkehrer einmalig kleinere Geldbeträge, auch zu Hochzeiten gab es etwas. Voraussetzung war immer eine dreijährige Mitgliedschaft.

Eine Vorgangsweise, die so über viele Jahrzehnte gehandhabt und wichtig war. Diese Tradition gab es, allerdings in entsprechend abgeänderter Form, noch bis vor wenigen Jahren beim Burschenverein Neukirchen. Bei einem Krankenhausaufenthalt von über eine Woche kam die Vorstandschaft ans Krankenbett und überreichte u.a. einen kleinen Geldbetrag. Eine gern gesehene Geste, die auch entsprechend geschätzt wurde. 

Eine „strenge“ Satzung regelte den reibungslosen Ablauf innerhalb des Vereins. So konnten nur ledige Burschen ( keinesfalls Mädchen) Mitglied werden, das Mindestalter betrug 16 Jahre. Der jeweilige Vereinsvorstand durfte keinesfalls verheiratet sein, überraschende Hochzeiten sorgten deshalb für häufige Neuwahlen. Natürlich profitierte in früheren Jahren das ganze Dorf auch von den sonstigen Aktivitäten des Burschenvereins. 

So erzählen bei passender Gelegenheit drei Mitglieder, die schon über 70 Jahre beim Verein sind, gern über die alten Zeiten. Die Brüder Ulrich und Heinrich Schmid, zwei Bauernsöhne aus Atzlbach und der bekannte Volksmusikant Siegfried Ramstötter, ein ehemaliger Neukirchner, wissen selbst noch davon, als der Burschenverein mit Sylvesterfeiern und Tanzveranstaltungen am Kirchweihmontag für eine der früher wenigen Abwechslungen im dörflichen Leben sorgte und dies zusätzlich noch etwas Geld in die Vereinskasse brachte.

Bei so viel sozialem Hintergrund und einer Tradition von weit über 100 Jahren wird der Burschenverein Neukirchen am Teisenberg am Sonntag, 4. August 2019, sein 120-jähriges Gründungsfest, zusammen mit dem 55. Gaufest, auch entsprechend feiern.

Pressemitteilung Burschenverein Neukirchen

Quelle: BGland24.de

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