Wir haben mit den Bewohnern vom Teisenberg gesprochen

Den vierten Tag eingeschneit und von der Außenwelt abgeschnitten

+
Der Hof in Wildberg bei Neukirchen am Teisenberg liegt nicht in einem abgelegenen Tal, sondern nur 500 Meter Luftlinie von der Autobahn entfernt. 
  • schließen

Teisendorf - Der Schnee wurde zu viel und die umgeknickten Bäume blockieren die einzige Zufahrtsstraße: Den vierten Tag ist ein Hof bei Neukirchen am Teisenberg nun von der Außenwelt abgeschnitten. 

Wie fühlt es sich an, zuhause eingeschneit zu sein, tagelang? Sepp Sappel (18) geht es momentan so. Mit der Mutter und seinen zwei Geschwistern sitzt er im Hof in Wildberg bei Neukirchen am Teisenberg fest. Einen Ausweg gibt es derzeit - mal wieder - nicht. Ein Einzelfall, aber er spiegelt gut wieder, warum nun in Teilen von Berchtesgadener Land und Chiemgau der Katastrophenfall ausgerufen wurde. 

Die Feuerwehr kam mit Tourenski und brachte Brot und Wurst

"Eigentlich ist es, wie wenn man frei hat und einfach daheim bleibt", sagt Sappel recht gelassen. Am Sonntag war es soweit: Der Schnee auf den Bäumen entlang der einzigen Zufahrtsstraße nach Wildberg wurde zu schwer, die Bäume knickten um. Weil es aber weiterschneite war auch der Weg hin zu den umgeknickten Bäumen im Handumdrehen zu - und schon war der Hof von der Außenwelt abgeschnitten.

Weder Sepp Sappel mit seinen 18 Jahren noch seine Mutter haben sowas schon mal erlebt.

Auch wenn keiner der Sappels sowas schon jemals erlebte, ist es keine Katastrophe. Lebensmittel hatte man erstmal noch genug zuhause, Berufsschule und Arbeitgeber zeigten Verständnis. Zu allem Überfluss hatte man aber auch noch mit Stromausfällen zu kämpfen: "Allein am Montag war der Strom dreimal weg. Mal für zwei Stunden, mal für fünf", erzählt Sepp Sappel. Auch frische Lebensmittel wurden mit der Zeit knapp. Doch am Dienstag nahte Hilfe: Zwei Feuerwehrler aus Neukirchen kämpften sich mit Tourenski zum Hof durch und brachten Brot, Wurst und Käse.

Einen Tag war die Zufahrt frei - jetzt sitzt man wieder fest

Am Dienstag begannen dann Nachbarn und Feuerwehr sich Stück für Stück zu den Sappels durchzufräsen und die Bäume wegzuschaffen - am Mittwoch war man durch, die Zufahrtsstraße war zumindest für eine Autobreite wieder frei. Das Aufatmen sollte nur von kurzer Dauer sein, denn seit Donnerstag ist Sepp Sappel in Wildberg wieder eingeschneit. "Wir stehen mit der Feuerwehr schon in Kontakt", so Sappel - "und spätestens am Samstag soll es ja leichter werden".

Inzwischen herrscht auch in Neukirchen Ausnahmezustand: Siedlungsstraßen im Dorf sind laut Landratsamt nicht mehr befahrbar. Am Donnerstag war dann nicht nur Wildberg von der Außenwelt abgeschnitten, sondern auch noch sechs weitere kleine Ortsteile im Umkreis von Neukirchen. Etwa 50 Personen betrifft es. 20 Bundeswehrsoldaten sollen nun helfen, den Schnee von den Dächern zu schaufeln. Für Sepp Sappel und seine Familie heißt es derweil einfach: warten. 

xe

Quelle: BGland24.de

Zurück zur Übersicht: Teisendorf

Das könnte Sie auch interessieren

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser