Grüne gegen weitere Olympiabewerbung

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Teisendorf - Die Teisendorfer Grünen haben sich eindeutig gegen eine erneute Olympiabewerbung ausgesprochen. Über die Begründung sprachen sie auf der jüngsten Ortsversammlung.

Ortsvorstandsmitglied Hans Eisenbichler vertrat auf der letzten Ortsversammlung die Ansicht, dass von Olympischen Winterspielen keinerlei nennenswerten Impulse für die heimische Wirtschaft zu erwarten wären.

Auch von der Bewerbung als solcher verspreche er sich nicht viel. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass die versprochenen Effekte nicht eingetreten wären. Eisenbichler monierte weiter, dass in der Vergangenheit die Bewerbungskosten am Ende immer deutlich höher gelegen wären als zunächst zugesagt. Fadenscheinig nannte das Grünen-Ortsvorstandsmitglied die Begründung von Seiten der Befürworter, dass im Falle einer erfolgreichen Bewerbung mehr für Behinderte getan werde.

Die Umsetzung der entsprechenden gesetzlich festgelegten Standards sei nötig, mit oder ohne Olympia. Ärgerlich findet Eisenbichler, dass bei der amtlichen Informationsbroschüre des Landkreises nur die Pro-Argumente aufgeführt worden wären. Das sei unfair. Mit dieser Haltung hätten die Olympiabefürworter bewiesen, dass es ihnen letztlich nicht um die olympische Idee gehe.

Auch für Grünen-Kreisrat Edwin Hertlein zeigten die entsprechenden Daten, dass sich die diversen Olympiabewerbungen der letzten Jahre weder auf den Tourismus noch auf die restliche Wirtschaft positiv ausgewirkt hätten. Die Übernachtungszahlen in Teisendorf wären beispielsweise in den letzten 20 Jahren um mehr als die Hälfte zurückgegangen.

Das Berchtesgadener Land sei in Bezug auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit immer noch Schlusslicht in ganz Oberbayern. Die Gemeinden, die in der Vergangenheit auf Wintersportgroßereignisse gesetzt hätten, gehörten in ihren Landkreisen jeweils zu den am höchsten verschuldeten Kommunen. Auf die Marktgemeinde Teisendorf käme bei der aktuellen Bewerbung über die Kreisumlage eine Belastung von ungefähr 40.000 Euro zu.

Für ihn sei es erstaunlich, dass die Teisendorfer Kreistagskollegen aus den anderen Fraktionen dieser Ausgabe zugestimmt, zugleich aber vor kurzem im Marktgemeinderat jährliche Mehrausgaben in Höhe von 2000 Euro für die Teisendorfer Musikschule abgelehnt hätten. Ein solches Muster sei auch an früheren Olympiaorten zu erkennen.

So sei Vancouver auf rund 750 Millionen Euro Defizit sitzen geblieben, worauf hin Sozial- und Kulturprogramme zusammengestrichen wurden. In einem weiteren Tagesordnungspunkt diskutierten die Teisendorfer Grünen das Thema schnelles Internet. Für Edwin Hertlein ist die Situation in diesem Bereich nicht zufriedenstellend.

Aufgrund der Privatisierung von Post und Telekom sei die Situation entstanden, dass die Firmen nur nach Renditeüberlegungen ihre Entscheidungen zur Verlegung der Glasfasertechnik träfen. Das führe dazu, dass vorrangig in die städtischen Ballungszentren investiert werde. Die ländliche Räume blieben aussen vor. Daran könne auch das neue Förderprogramm der Bayerischen Staatsregierung nur sehr wenig ändern. Das Programm sei zum einen hoffnungslos unterfinanziert. Bis 2017 stünden zwei Milliarden Euro zur Verfügung, gebraucht würden aber mindestens 20 Milliarden Euro.

Zum anderen stehe jeder Gemeinde, egal wie groß, bis zu 500.000 Euro zur Verfügung. Bei einer Flächengemeinde wie Teisendorf reiche diese Summe nicht annähernd, um halbwegs den größeren Teil der Gemeinde mit Glasfaseranschlüssen zu versorgen. Er könne deshalb den Ärger vieler Gemeindebürger verstehen, die derzeit nicht an das Glasfasernetz angeschlossen werden könnten.

Nötig sei zum einen eine deutliche Aufstockung der Fördermittel und zum anderen eine abgestufte Förderhöhe für die verschiedenen Gemeindegrößen. Sollten sich hier auf absehbare Zeit keine Änderungen bei der staatlichen Förderung ergeben, müsse auf Gemeindeebene überlegt werden, ob nicht „Geld in die Hand genommen werden müsse“, um eine ausreichende Versorgung der Gemeindebürger mit Glasfaseranschlüssen sicher zu stellen. Seiner Ansicht nach sei dieser Bereich die wichtigste Zukunftsaufgabe in Bezug auf das Thema gemeindliche Infrastruktur.

Pressemitteilung Bündnis 90/Die Grünen Teisendorf

Quelle: BGland24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Zurück zur Übersicht: Rupertiwinkel

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser