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Druck auf Piazolo und bayerisches Kabinett wächst

Tittmoning kämpft für Maskenfreiheit der Kinder - BGM Bratzdrum fordert: „Pflicht unverzüglich aufheben“

Tittmonings Bürgermeister Andreas Bratzdrum und Kultusminister Michael Piazolo (v.l.).
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Tittmonings Bürgermeister Andreas Bratzdrum und Kultusminister Michael Piazolo (v.l.).

Die Maskenpflicht im Unterricht heizt die Gemüter auf. Tittmonings Bürgermeister Bratzdrum spricht im Interview mit chiemgau24.de über seine Forderung an Ministerpräsident Söder, Elternbeiratsvorsitzende Kurz redet Klartext über den Schulablauf und Kultusminister Piazolo hat klare Worte:

München/Tittmoning - Der Wetterbericht meldet 30 Grad, die Menschen treibt es in die Schwimmbäder oder den kühlen, schattigen Biergarten, ganz ohne Test und mit relativ wenig Kontaktbeschränkungen - die Sieben-Tage-Inzidenz lässt es schließlich zu. Bayerns Schülerinnen und Schüler sitzen währenddessen im Klassenzimmer. Die Fenster sind alle weit aufgerissen, die Kinder sitzen auf ihren Plätzen - und tragen eine OP-Maske. Den ganzen Schultag muss der Mund-Nasenschutz im Gesicht sitzen. Ausnahmen gibt es nur für gelegentliche Maskenpausen und reguläre Pausen im Schulhof. So soll das Infektionsrisiko minimiert werden.

Kinder sind besonders schutzbedürftig, da sind sich viele einig. Auch Hygienemaßnahmen sind sinnvoll. Doch unsere Kleinen müssen zusätzlich zu den genannten Maßnahmen auch noch zweimal die Woche einen Corona-Selbsttest durchführen. Da wird die Frage nach der Verhältnismäßigkeit einer Maskenpflicht im Unterricht für die Kinder im Sommer bei niedrigen Inzidenzen laut. Wie dpa mitteilt, stimmten einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Civey zufolge 50,4 Prozent der 1001 Befragten in Bayern für die sofortige Abschaffung, 39,7 Prozent der Befragten war dagegen (Zeitraum 15. bis 18. Juni).

Bei der Maskenpflicht im Unterricht wird es wohl trotzdem vorerst bleiben. Das Bayerische Gesundheitsministerium erklärt exklusiv auf Nachfrage von chiemgau24.de, warum die Schülerinnen und Schüler wohl weiter Maske tragen müssen. Derzeit werde sorgfältig beobachtet, wie sich die Maßnahmen auf die Inzidenzwerte auswirken. Außerdem beobachte man auch im Kontext „Schule“ die Ausbreitung besorgniserregender Virusvarianten, insbesondere die sogenannte „Delta Variante“ (B.1.617).

Tittmonings Bürgermeister wendet sich direkt an Ministerpräsident Markus Söder

In der Stadt Tittmoning herrscht trotzdem Unverständnis für die strenge Maskenpflicht an den Schulen. Bürgermeister Andreas Bratzdrum wendet sich deswegen direkt in einem Brief an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und fordert, „die Maskenpflicht im Unterricht, am Sitzplatz unverzüglich aufzuheben“. Bratzdrum begründet seine Forderung mit den niedrigen Inzidenzen im Landkreis Traunstein - zuletzt lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 12,4 (RKI, Stand: 22 Juni). „Mir geht es um die Kinder. Es ist einfach nicht mehr einzusehen. Gerade jetzt bei Inzidenzen zwischen 20 und 30, das (die Maskenpflicht) jetzt nach wie vor durchzuziehen“, erklärt Bratzdrum im Gespräch mit chiemgau24.de. Seine Forderung ist, von der Tragepflicht im Unterricht „bis zu den Sommerferien auf alle Fälle“ abzusehen. Gerade „mit der großen Hitze“ sei der Mund-Nasenschutz in der Schule eine „sehr große Belastung“, „da praktisch stundenlang mit der Maske im Unterricht“ gesessen wird, so der Bürgermeister weiter. 

Für Lockerungen in anderen Bereichen hat Bratzdrum sehr wohl Verständnis, diese würden „zu Recht“ durchgeführt, doch „gerade die Kleinsten, die eigentlich am wenigsten auch von der Infektionslage betroffen sind, jetzt mit der Maske noch zu belasten“, sei natürlich schon sehr schwierig. „Die Kinder werden zweimal die Woche getestet. Es wird gelüftet. Also insofern ist das Anliegen schon berechtigt“, so der Bürgermeister. 

Inzidenzabhängige Lockerungen im Unterricht?

Auch von Bayerns Kultusminister Michael Piazolo kommt auf Anfrage von chiemgau24.de ein Statement: „Meine Position zur Maskenpflicht an den Schulen ist bekannt. Angesichts der deutlich verbesserten Infektionslage und unseres hohen Schutzstandards mit Selbsttests halte ich inzidenzabhängige Lockerungen von der Maskenpflicht mit Blick auf die Verhältnismäßigkeit für richtig. Im Ministerrat haben wir uns in der vergangenen Woche darauf verständigt, dass wir mit sofortiger Wirkung die schulische Maskenpflicht im Freien aufheben. Ich plädiere jedoch dafür, auch im Unterricht inzidenzabhängig auf die Maskenpflicht zu verzichten und sie nur noch im sogenannten Begegnungsverkehr im Schulgebäude aufrechtzuerhalten. Das ist auch der Wunsch sehr vieler Schüler und Eltern“, so Piazolo. Man bleibe hierzu mit dem Koalitionspartner (CSU) im Gespräch und werde bereits am Dienstag (22. Juni) im Ministerrat wieder über die Thematik sprechen, so der Minister weiter. Ob es zu möglichen Lockerungen für die Schüler kommen wird, könnte bereits Dienstagnachmittag feststehen.

Grundschule Tittmoning: „Einbahnstraßen“ im Schulbetrieb

In Tittmoning ist man gespannt, ob zumindest auch für die Schülerinnen und Schüler der Grundschulen Lockerungen folgen. „Ich glaube die Kinder brauchen jetzt auch mal irgendwie eine Pause von den Belastungen und wenn nicht jetzt, wann dann?“, meint Bürgermeister Bratzdrum mit Blick auf den ungewissen Herbst und Winter.

In der Grundschule Tittmoning gibt es ein umfangreiches Hygienekonzept. Im Gespräch mit chiemgau24.de erklärt Veronika Kurz, erste Vorsitzende des Elternbeirats, dass die Kinder jeweils bestimmte Eingänge zum Betreten der Schule nutzen. Dazu gibt es Markierungspunkte, falls mehrere Kinder gleichzeitig das Gebäude betreten. Die Kinder „hüpfen dann praktisch von Punkt zu Punkt“. Im Gebäude selbst gibt es ein Einbahnstraßen-System. Die Jahrgänge treffen sich so gut wie nicht. Die Schule ist „vom Ministerium nach wie vor angehalten, dass sie die Klassen nicht vermischen“, so Kurz.

Den ganzen Tag Maske tragen?

Für viele der Grundschulkinder in Tittmoning beginnt der Tag mit Maske-Tragen. Einige fahren rund zwanzig Minuten mit dem Bus zur Schule und tragen ab diesem Zeitpunkt dann den Mund-Nasenschutz. Denn „grundsätzlich herrscht nach wie vor Maskenpflicht an der Schule“, so Kurz. Montags und donnerstags wird getestet, „entweder in der Schule diesen Nasenbohrertest machen oder anderweitig einen Test nachweisen“, das ändere aber auch nichts an der Situation: „Auch wenn alle Kinder getestet in der Schule sitzen, ist die Maske trotzdem nicht weg“, erklärt Kurz. 

Erste Vorsitzende des Elternbeirats der Grundschule Tittmoning Veronika Kurz.

Lediglich auf dem Schulhof herrscht keine Maskenpflicht mehr. Darauf hat sich die bayerische Regierungskoalition aus CSU und Freien Wählern geeinigt. Dazu müssen den Schülerinnen und Schülern auch Maskenpausen ermöglicht werden: „Sie dürfen die Maske runternehmen, wenn stoß gelüftet wird“, so Kurz. Ansonsten heißt es: Maske auf. „Also wenn man die offiziellen Vorgaben ganz streng befolgt, dann ist es schon ein harter Vormittag für Kinder“, erklärt die Mutter dreier Kinder. Viel Handlungsspielraum gebe es schließlich nicht. 

Nichts geht voran - Kindeswohl egal?

Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Maskenpflicht im Unterricht wird also lauter. So hätten manche Eltern auch über gesundheitliche Probleme bei den Kindern geklagt, wie Bürgermeister Bratzdrum erzählt: „Da sind die Belastungen mit der Maske höher, wie die Gefahr, sich irgendwo anzustecken“, so werde es ihm zumindest erzählt. Sowohl körperlich als auch psychisch seien die Belastungen da. Das verstärke die Meinung, „dass man da jetzt auf alle Fälle Erleichterungen herbeiführen soll“.

„Warum wird in der Richtung jetzt gerade nicht mehr auf das Kindeswohl geschaut?“, fragt sich auch Kurz. Es sei schade, „dass sich in der Schule jetzt gerade nichts verändert, meint die 35-Jährige weiter, „bei den Lehrern sind die meisten bestimmt jetzt auch schon geimpft. Man muss ja eigentlich das ganzheitlich betrachten. Es sind, wenn man jetzt eine große Klasse nimmt, immer die gleichen 25 Kinder fünf Tage zusammen, also die haben immer die gleiche Gruppe. Wenn eine Infektionskette losgehen würde, hat man ja am Montag und Donnerstag den Test. Dann kann man doch wenigstens anfangen, dass man sagt, okay Montag, Donnerstag sind sie getestet, ihr dürft an den Tagen die Maske am Platz weglassen. Wenn man im Schulhaus sich bewegt, dann kann man ja, wenn man Abstände nicht einhalten kann, die Maske tragen. Das würde ja jeder aushalten.“

Seitens der Eltern wünsche man sich einfach Bewegung in der Thematik Maskenpflicht. An Vorschlägen mangelt es nicht - etwa wenn ein Kind immer neben den „gleichen Personen sitzt und die bei offenem Fenster unterrichten, dann können die doch die Maske runter tun. Aber ja, da bewegt sie grad gar nichts und das ist echt schade“, so Kurz. Die Frustration wächst: „Die Kinder sind nicht wichtig, obwohl Kinder ja eigentlich unsere Zukunft sind.“

Bürgermeister Bratzdrum hat seine Forderung zur Aufhebung der Maskenpflicht im Unterricht neben Ministerpräsident Markus Söder auch an Traunsteins Landrat Siegfried Walch und an Staatsministerin und Stimmkreisabgeordnete für das Berchtesgadener Land und den Rupertiwinkel Michaela Kaniber weitergeleitet. Auch Elternbeiratsvorsitzende Kurz hat sich bereits vor Monaten mit anderen Elternbeiräten im Landkreis Traunstein zusammengeschlossen und versucht, Bewegung in das Thema Schulen und Corona im Allgemeinen, aber auch Digitalisierung zu bringen.

ce

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