Podiumsdiskussion in Tittmoning

Brücke, Geothermie, B156, Hotel: Bürgermeister-Kandidaten auf Prüfstand

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Bei der Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Tittmoning am Dienstagabend, von links: Andreas Bratzdrum (CSU), Barbara Danninger (Freie Wähler), Dirk Reichenau (SPD) und die Moderatoren Ralf Enzensberger und Karlheinz Kas.

Tittmoning - Die Stadt bekommt einen neuen Bürgermeister - dementsprechend groß ist das Interesse an den Kandidaten: Bei einer Podiumsdiskussion standen sie sich nun mit ihren Ideen gegenüber.

Wer gewinnt die Bürgermeisterwahl in Tittmoning am 15. März? Zum vorläufigen Höhepunkt des Wahlkampfes machten sich am Dienstag rund 300 Tittmoninger in den Braugasthof auf, als Dirk Reichenau (SPD), Andreas Bratzdrum (CSU) und Barbara Danninger (Freie Wähler) auf dem Podium aufeinandertrafen. Ein klarer Sieger war nicht auszumachen: Während Bratzdrum wohl den meisten Applaus bekam, punktete Danninger auch mit Humor und Herzlichkeit, während Reichenau mit einem sicheren Auftreten glänzen konnte. 


Es waren die großen Themen, auf die die Kandidaten abgeklopft wurden: Brückner-Gelände, Stadtplatz, Geothermie, Salzach-Brücke und ein mögliches Hotel. Auch die anstehende Sperrung für Lastwägen auf der österreichischen B156 war Thema. Organisiert wurde die Podiumsdiskussion von der Südostbayerischen Rundschau, die Redakteure Ralf Enzensberger und Karlheinz Kas übernahmen die Moderation. Wir fassen die Kernaussagen der Kandidaten jeweils kurz zusammen.

Im Saal des Braugasthofs mussten sich auch viele mit einem Stehplatz begnügen, so groß war das Interesse an den Tittmoninger Bürgermeisterkandidaten. 

Neue Brücke über die Salzach

Um eine Sanierung kommt die Salzachbrücke mittelfristig nicht mehr umher - und dann? "Wir brauchen eine neue, leistungsfähige Brücke zwischen Tittmoning und Fridolfing", bekannte Andreas Bratzdrum klar. Aber nur ein Standpunkt komme infrage:bei Kelchham, weil sonst überall Auwald betroffen wäre. Die bestehende Brücke am Gerberberg könne laut Bratzdrum aber nicht die einzige Lösung bleiben. 

"Mit den Österreichern wurde noch nicht diskutiert und die Brücke ist auch nicht im Bundesverkehrswegeplan", resümierte Dirk Reichenau. Er würde erstmal alle betroffenen Bürgermeister und Behörden an einen Tisch holen. Alle Kandidaten sind sich einig, dass die Standortfindung für eine neue Salzach-Brücke kompliziert würde. "Das muss einfach die Diskussion zeigen", so Barbara Danninger. Klar ist für sie aber, dass bei einem Neubau die alte Brücke für Schwerlastverkehr gesperrt werden müsse. 

SPD-Bürgermeisterkandidat Dirk Reichenau

Auch die Sperrung der österreichischen Bundesstraße B156 ab 15. März wurde von den Kandidaten angeschnitten. In den Augen von Dirk Reichenau wurde man "von den Salzburgern überfahren" und Andreas Bratzdrum, der die nicht abgesprochene Sperrung als "Frechheit" bezeichnete, rührte die Werbetrommel für die Demonstration in Laufen am 16. März: "Wir werden den Salzburgern zeigen, wie es ist, wenn der Verkehr mal nicht durch Laufen fließen kann."

Zukunft des Stadtplatzes

Die Schwerpunkte, wie es mit dem Stadtplatz weitergehen soll, liegt bei den drei Kandidaten etwas unterschiedlich. "Wir müssen jetzt echt Druck machen, damit wir den Verkehr aus der Stadt hinausbringen", so die klare Aussage von Barbara Danninger. SPD-Kandidat Dirk Reichenau ist sich sicher: "Die Geschäftsleute, die hier jetzt dagegen sind, werden später dafür sein, weil die Leute sich dann wieder gern am Stadtplatz aufhalten und sitzen bleiben." 

Andreas Bratzdrum lenkte den Blick eher aufs Erscheinungsbild: "Wir müssen vor allem den historischen Charakter des Stadtplatzes erhalten, nicht so wie in Neuötting oder Traunstein." Auch unterschiedliche Beschilderungen oder verschiedene Pflaster-Arten seien nicht der richtige Weg. 

Andreas Bratzdrum kandidiert für die CSU Tittmoning.

Geothermie

Viel Wirbel gibt es derzeit für die Pläne einer Geothermie-Anlage in Haus bei Tengling. Danninger und Bratzdrum nahmen auch an einer Demonstration dagegen teil. "Man darf die Bürger damit nicht alleine lassen", begründete es die Kandidatin der Freien Wähler Barbara Danninger. "Ich bin sehr kritisch, weil der Trinkwasserbrunnen der Achengruppe in der Nähe ist und weil die Energie nur für Stromerzeugung genutzt wird." Auch für Bratzdrum sind die Pläne wegen der fehlenden Wärmenutzung "fragwürdig"

"Unser Trinkwasserbrunnen darf nicht gefährdet werden", bekannte auch Dirk Reichenau. Aber er differenzierte: Im süddeutschen Molassebecken sei es durch Geothermie noch nie zu Erdbeben gekommen, außerdem sei es noch gar nicht sicher, dass die Probebohrungen bei Tengling auch Erfolg haben. Reichenau äußerte auch, dass Ingo Tönnesmann, Gründer der Bürgerinitiative gegen die Geothermie-Nutzung, versuche, politisches Kapital für die AfD herauszuschlagen. 

Brückner-Gelände

Das ehemalige Brückner-Areal soll der Wohnbebauung dienen, das steht bereits fest. Aber wie genau? Reichenau forderte maximal zwei Obergeschoße bei den Gebäuden, um die Altstadt nicht zu überragen - außerdem sollte die Stadt mithilfe der Landkreis-Wohnbaugesellschaft einen Teil bebauen, um die Mieten selbst festlegen zu können. Auch Barbara Danninger sprach sich für kommunalen Wohungsbau aus, sowie für eine eigene "Siedlungsidentität", ähnlich einer Dorfstruktur. 

Barbara Danninger, Kandidatin der Freien Wähler.

Nur CSU-Kandidat Andreas Bratzdrum sprach nicht vom kommunalen Wohnbau. Er betonte dagegen mehrfach, auf Barrierefreiheit, Energieeffizienz und Tiefgaragen bei den Häusern zu achten. 

Hotel und Tourismus

"Betlehem ist auch in Tittmoning angekommen", drückte es Barbara Danninger aus, denn: "Touristen fragen oft Einheimische nach Übernachtungsmöglichkeiten. Dieser Zustand ist nicht mehr tragbar." Wenn sich ein Hotel in der "Alten Post" nicht umsetzen lasse, brauche es für ein Hotel schnellstens einen neuen Standort. "Der jetzige Standort wäre ideal, aber das Thema wird uns noch viel Hirnschmalz kosten", meinte auch Andreas Bratzdrum.

Dirk Reichenau würde als Bürgermeister die "Daumenschrauben anziehen", wie er sagte: "Das Gebäude gehört der Bank. Wir müssten eine Erhaltungssatzung schaffen und das Haus über das Vorkaufsrecht an einen Dritten weitergeben." Die Zeit dränge, denn das Gebäude sei "Schrott" und man müsse aufpassen, dass die Fassade nicht irgendwann auf dem Stadtplatz liege. 

xe

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